Handwerker-Model

„Baustelle und Laufsteg: das ist die Erfüllung meiner Träume“

Sandra Hunke ist nicht nur Anlagenmechanikerin. Die 25jährige Deutsche arbeitet auch als Model - und erzählt im Interview mit TGA, wie Badplanung und Umkleidekabine zusammen passen.

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In beiden Jobs macht Sandra eine gute Figur.

Wie groß ist der Handwerksbetrieb, in dem Sie arbeiten?

Es gibt nur meinen Chef und mich. Als ich meine Ausbildung begann, war es gar nicht so einfach, einen Betrieb zu finden. Meine Schulnoten waren gut, aber viele Betriebsleiter hatten Bedenken: ein Mädchen unter den ganzen Jungs, das bringt sicherlich Unruhe. Sie ist so dünn, es ist sicherlich körperlich zu anstrengend.

Bei meinem Chef bin ich seit sieben Jahren und er ist sehr zufrieden mit mir. Ich fahre immer mit den Kunden zur Bad-Ausstellung und besonders die Frauen fühlen sich sehr gut beraten. Ältere Kundinnen sagen, dass sie sich wohler fühlen, wenn eine Frau zur Reparatur kommt. Inzwischen kommen immer mehr Aufträge von neuen Kunden die von mir in der Zeitung gelesen oder im TV gehört haben.

Welche Unterstützung bekommen Sie von Ihrem Chef?

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Mein Chef hat mich immer unterstützt und ich ihn. Ich arbeite seit einem Jahr nur noch halbtags auf der Baustelle. Also zwei oder drei Tage Woche die Woche. Die restliche Zeit bin ich als Model unterwegs. Jede Woche planen wir zusammen die Tage, an denen wir die Baustellen abarbeiten und legen diese um meine Model-Jobs herum. Er freut sich mit mir über den Erfolg als Model. Wenn es abends mal länger wird, schau ich auch nicht auf die Uhr. Feierabend ist für mich, wenn die Reparatur abgeschlossen ist.

Wer ist Ihr größter Fan?

Meine Familie und mein Verlobter. Sie freuen sich immer mit mir und begleiten mich oft. Inzwischen sprechen mich Menschen auch an und wollen Fotos mit mir machen. Das fühlt sich für mich aber etwas seltsam an. Denn eigentlich bin ich doch nur das kleine Baumädchen und kein Popstar oder Schauspielerin.

Wollen Sie sich als Anlagenmechanikerin selbstständig machen?

Ich bin gerne Arbeitnehmerin: nur Baustellen ohne den ganzen Papierkram. In meiner Tätigkeit als Model bin ich ja schon selbstständig. Ich finde es erschreckend, wie hoch der Verwaltungsaufwand etwa bei der Buchführung in Deutschland ist, in Österreich wird das wohl ähnlich sein. Die Kunden sehen oft nur die Arbeit auf der Baustelle und empfinden den Lohn als zu hoch. Aber eigentlich ist das Handwerk unterbezahlt. Denn neben der handwerklichen Arbeit, die riesig Spaß macht, müssen Angebote und Rechnungen geschrieben werden – und dann der enorme Aufwand an Buchführung. Ich will meine Arbeitskraft auf der Baustelle einsetzen und nicht im Büro, darum bleibe ich vorerst lieber Angestellte.

Ich möchte für die Zukunft weiter beide Berufe ausüben: Baustelle und Laufsteg, für mich die Erfüllung meiner Träume.

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