Trinkwasserqualität

Brexit: No-Deal könnte zu Problemen in der Trinkwasserversorgung führen

Nachdem die britische Premierministerin Theresa May kurzfristig die Unterhaus-Abstimmung über den Brexit-Deal mit der EU abgesagt hat, steigt die Gefahr eines No Deal-Brexit. Ein ungeordneter Austritt Großbritanniens aus der EU könnte selbst für die Wasserversorgung auf der Insel Folgen haben.

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Ein No-Deal bedeutet für Großbritannien große Probleme in der Trinkwasserversorgung.

Ab 29. März könnte es in Großbritannien zu massiven Trinkwasserversorgungs-Problemen kommen – zumindest, wenn es zu einem so genannten No Deal-Brexit kommen würde. Dann nämlich, so heißt es in einem Papier, könnten Großbritannien die Chemikalien für die Aufbereitung des Trinkwassers ausgehen.

No Deal, no Chemicals

Ein No-Deal bedeutet für den UK reines Chaos: Alleine das Handelsvolumen zwischen der französischen Küstenstadt Calais und der englischen Hafenstadt Dover würde laut Verkehrsminister Chris Grayling um 87 Prozent zusammenbrechen. Großbritannien beginnt deshalb bereits zusätzliche Frachtschiffe zu chartern, um Engpässe zu umgehen. Trotzdem könnten bei einem No-Deal ab 29. März einige Güter fehlen, vor allem Lebensmittel. Die Kühlhäuser sind bereits ausgebucht, Supermärkte wappnen sich vor den eventuellen Engpässen.

Lieferungen von Medikamenten und Chemikalien aus der EU sollen zwar Vorrang bekommen, dennoch ist mit verringerten Rationen zu rechnen. Bereits jetzt können die Chemikalien für die Trinkwasseraufbereitung nicht lange gelagert werden und kommen deshalb gerade rechtzeitig in Großbritannien ein. Benötigt werden dafür unter anderem verflüssigtes Chlor, Aluminiumsulfat und Calciumhydroxid. Gehen den Wasserversorgern die Chemikalien aus, würde das einen sofortigen Stopp der Trinkwasserverteilung bedeuten. Betroffen ist dabei nicht nur das Lebensmittel Wasser, sondern auch das notwendige Wasser für Waschmaschine, Dusche und Toilette. In den vergangenen 25 Jahren hat sich Großbritanniens Wasser zu Trinkwasser mit einer Spitzenqualität entwickelt. Das ist vor allem den zugesetzten Chemikalien zu verdanken. Mit einem No-Deal könnte diese Errungenschaft schnell den Bach runtergehen. 

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Allerdings könnten die Warnungen vor Engpässen bei der Wasserversorgung auch taktische Panikmache aus dem britischen Umweltministerium sein, um die Zustimmung der Abgeordneten und der Bevölkerung für den derzeitigen Deal mit der EU zu sichern. Das jedenfalls dürfte nicht funktioniert haben.

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