COVID-19

Coronavirus: Mit diesen Folgen müssen Unternehmen rechnen

Das Coronavirus hat in Österreich einen Ausnahmezustand hervorgerufen: Die Bevölkerung bereitet sich mit Hamsterkäufen auf eine mögliche Quarantäne vor, Schulen werden zugesperrt und Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. Doch was ist mit Betrieben, die ihre Mitarbeiter nicht mal eben in die Heimarbeit schicken können? Und auf welche wirtschaftlichen Folgen müssen sich Unternehmen vorbereiten?

Von

Auf die SHK-Branche wirkt sich das Coronavirus vor allem in Form von Messe-Ausfällen aus, auf den Welthandel hat es größeren Einfluss.

Der mediale Trubel ist groß, die Bevölkerung hat Trockenware und Desinfektionsmittel stets griffbereit: Das Coronavirus ist in Österreich angekommen. Neben der behördlichen Notfall-Hotline, bei der sich Personen bei Verdacht einer Ansteckung melden können, hat nun auch die Wirtschaftskammer Kärnten eine Anlaufstelle eingerichtet – eine Wirtschafts-Hotline. WK-Präsident Jürgen Mandl: „Viele Betriebe, die in Italien tätig sind oder dorthin liefern, erkundigen sich bereits bei uns zu den Themen Vertragserfüllung, Gewährleistung, Montagearbeiten und etc." Die WK-Hotline dürfte derzeit glühen, hat sich Italien diese Woche doch vollkommen abgeschottet. Die Türen der Schulen und Kindergärten bleiben zu und auch Lokale und Geschäfte müssen geschlossen werden: Ein Land in Quarantäne. Die österreichische Regierung hat ebenfalls alle notwendigen Register gezogen: Die Grenzen nach Italien sind weitestgehend geschlossen, Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmenden sind verboten und Unternehmen sind angehalten, ihre Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken.

Diese Möglichkeit besteht jedoch nur für Büroangestellte, die Handwerksbetriebe sind auf ihre Mitarbeiter angewiesen. In Deutschland hat man dafür eine Lösung gefunden: In einer kurzfristigen Sitzung hat der Koalitionsausschuss Erleichterungen für die Unternehmen bei der Beantragung von Kurzarbeitergeld und weitergehende Liquiditätshilfen beschlossen. Darüber hinaus soll ein Maßnahmenpaket zur Stärkung der Investitionen und zur Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren aufgelegt werden. Der Koalitionsausschuss steht dafür in engem Kontakt mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Zu den beschlossenen Maßnahmen zählt unter anderem die Absenkung des Quorums der im Betrieb Beschäftigten, die vom Arbeitsausfall betroffen sein müssen, auf bis zu zehn Prozent – bisher war ein Drittel notwendig. Außerdem wird der Kurzarbeitergeldbezug auch für Leiharbeitnehmer ermöglicht und die Sozialversicherungsbeiträge werden vollständig durch die Bundesagentur für Arbeit erstattet. In Österreich gelten die Sofortmaßnahmen derzeit vor allem für den Tourismusbereich, mit den wirtschaftlichen Auswirkungen werden andere Betriebe derzeit noch alleingelassen. Die wirtschaftlichen Sorgen sind damit gerade auf Unternehmerseite groß.

Coronavirus bedroht Unternehmen weltweit

Die französische Kreditversicherungsgruppe Euler Hermes geht davon aus, dass das Coronavirus den Welthandel pro Quartal 320 Milliarden US-Dollar kostet. Gleichzeitig soll die weltweit erwartete Insolvenzquote um mindestens 7,5 Prozent steigen, vor dem Ausbruch des Virus wurde ein Anstieg von sechs Prozent erwartet. „Das sind keine Peanuts", sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Trotzdem ist das kein Grund zur Panik. Die wirtschaftlichen Folgen dürften sich global gesehen insgesamt in Grenzen halten, wenn es bei einem kurzfristigen Schock bleibt: Für das Gesamtjahr erwarten wir durch das Coronavirus aktuell 'nur' einem Verlust von 0,2 Prozentpunkten an Wachstum für die Weltwirtschaft. Diese dürfte 2020 insgesamt um 2,2 Prozent zulegen im Vergleich zum Vorjahr. Voraussetzung ist, dass es zu keiner weit verbreiteten Panikreaktion kommt und sich die Geschäftstätigkeit in China nach drei Monaten wieder normalisiert. Davon gehen wir aktuell aus."

White Paper zum Thema


Vergleicht man die Verluste des Welthandels durch Corona mit Auswirkungen von Zöllen, die im Handelskonflikt zwischen den USA und China im vergangenen Jahr den Welthandel merklich gezeichnet haben, wird deutlich: Der Verlust im ersten Quartal durch Corona entspricht umgerechnet einer Erhöhung des Welt-Importzolls auf Waren um 0,7 Prozentpunkte. „Das Coronavirus ist damit die bisher größte Handelsbarriere 2020", sagt Van het Hof. „Die Einbußen im ersten Quartal entsprechen umgerechnet den Auswirkungen der im Zuges des Handelskonflikts neu eingeführten Zölle im gesamten Jahr 2019."

Hongkong, die USA, Japan, Südkorea, Italien, Frankreich, Großbritannien und auch Deutschland sind am stärksten betroffen von diesem Rückgang – und der deutsche Wirtschaftsmotor stotterte zuletzt bereits merklich. Hinzu kommen die Risiken von unterbrochenen Lieferketten, einer geringeren weltweiten Nachfrage und sinkenden Preisen und damit Umsätzen.

Sorgen um die Konjunktur

Auch wenn sich die Anzahl der Coronavirus-Infizierten in Österreich und Deutschland noch in Grenzen hält, sorgt sich die Industrie um die wirtschaftlichen Auswirkungen des Virus. „Sinkende Exporte und abnehmende Investitionen in Ausrüstungen bremsen das Wirtschaftswachstum aus. Nur aufgrund von statistischen Effekten ist ein Mini-Wachstum von einem halben Prozent im Vorjahresvergleich möglich. Die preis- und kalenderbereinigte Wirtschaftsleistung dürfte im laufenden Jahr stagnieren“, äußert sich BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang zum neuen BDI-Quartalsbericht Deutschland anlässlich der wegen des Corona-Virus steigenden Sorgen um die Konjunktur. Die Bundesregierung solle betroffene Branchen mit einem kurzfristigen Maßnahmenpaket unterstützen, so Lang und weiter: „Der deutschen Industrie droht die längste Rezession seit der Wiedervereinigung. Die Industrieproduktion ist bereits das sechste Quartal in Folge zurückgegangen, zuletzt im vierten Quartal 2019 um 5,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Mix aus schwacher weltwirtschaftlicher Entwicklung, gestiegener globaler Unsicherheit und unterausgelasteten Produktionskapazitäten bremst Investitionen. Wir rechnen mit einem Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen um drei Prozent.“

In Österreich hat indes die Industriellenvereinigung (IV) die Auswirkungen der Coronavirus-Verbreitung in China auf die heimische Industrie berechnet. Die Ergebnisse publiziert die IV in einem Paper: „Summa summarum ergibt sich ein COVID-19 bedingter Verlust an Bruttowertschöpfung in Österreich in Höhe von 569 Millionen Euro. Dies entspricht 0,15 Prozent der gesamten heimischen Bruttowertschöpfung im Jahr 2020. Somit fällt der zu erwartende reale BIP-Zuwachs im Jahr 2020 in Österreich (IV-Prognose: 1,0 bis 1,25 Prozent) um rund 12 Prozent geringer aus als ohne Auftreten der COVID-19-Epidemie. Kurzfristig führt die COVID-19-Epidemie zu einem auch in Österreich spürbaren Verlust an wirtschaftlicher Dynamik. Sofern es gelingt, die Ausbreitung der Infektion in den kommenden Wochen wirksam einzudämmen und in weiterer Folge zu überwinden, ist die in Europa derzeit nur mäßig dynamische Konjunktur dennoch ausreichend, diesen exogenen Negativ-Schock zu absorbieren, ohne dass die österreichische Volkswirtschaft in eine Rezession abgleitet.“

IV-Chefökonom Christian Helmenstein sieht die Lage in China entspannt, äußert gegenüber TGA aber seine Bedenken zur Situation in Italien: „In China gehen die Neuerkrankungen zum Glück bereits zurück, hier sehen wir keine große Problematik mehr. Italien hingegen hat jetzt deutlich stärkere Auswirkungen auf Österreich.“ Auch dazu hat die Industriellenvereinigung nun ein Paper veröffentlicht. Demnach ist mit der Ausbreitung des Coronavirus in Italien mit Verlusten in der Höhe von 496 Millionen Euro, entsprechend 0,13 Prozent, zu rechnen. Hinzu kommt der sogenannte Finanzmarkt-Effekt, der ein Minus von 987 Millionen Euro bringen soll. „Summa summarum ergibt sich ein COVID-19 bedingter Verlust an Bruttowertschöpfung in Österreich in Höhe von 2,1 Milliarden Euro. Dies entspricht 0,54 Prozent der gesamten heimischen Bruttowertschöpfung im Jahr 2020. Somit fällt der zu erwartende reale BIP-Zuwachs im Jahr 2020 in Österreich (bisherige IV-Prognose seit September 2019: 1,0 bis 1,25 Prozent) um 48 Prozent geringer aus als ohne Auftreten der COVID-19-Epidemie. Mithin halbiert sich das für das Jahr 2020 in Österreich zu erwartende Wirtschaftswachstum nahezu“, heißt es im kürzlich veröffentlichten Paper der IV.

Des einen Leid ist des anderen Freud: Durch die Ausbreitung des Coronavirus konnte der Salzburger Desinfektionsmittel-Hersteller Hagleitner seine Nachfrage verzehnfachen. Das Unternehmen weiß die neu entfachte Begeisterung für Desinfektionsmittel zu nutzen und weist bereits auf der Homepage auf die bedeutende Rolle von Desinfektion hin. Außerdem bietet Hagleitner auf seiner Webseite ein kostenloses Hygiene-Handbuch an, das über innerbetriebliche Hygienemaßnahmen und Verhaltensregeln aufklärt. Darin mehrfach enthalten: Eine ausführliche Beschreibung für die richtige Desinfektion der Hände. Die Produktion des Salzburger Unternehmens läuft nun rund um die Uhr, für einige spezielle Desinfektionsmittel liegt die Lieferzeit mittlerweile bei bis zu acht Wochen.

Auswirkungen auf die SHK-Branche

Beim Handwerk ist das Coronavirus derzeit vor allem in Form von Messe-Absagen spürbar. Das Virus schlägt sich bei rund 80.000 Besucherinnen und Besuchern mit einem Minus von rund 18 Prozent nieder“, resümiert Robert Schneider, Geschäftsführer der Messe Wels, zur Energiesparmesse 2020. Zwar mussten die Veranstalter Einbußen bei Ausstellern und Besuchern machen, immerhin konnte die Energiesparmesse dieses Jahr aber planmäßig stattfinden. Anders sieht es bei der SHK Essen aus: Die Messe sollte von 10. bis 13. März stattfinden, wurde aus Sicherheitsgründen nun aber in den Spätsommer verschoben. „Die Gesundheit unserer Messeteilnehmer steht für uns an erster Stelle“, begründet Oliver Kuhrt, Geschäftsführer der Messe Essen, den neuen Termin für die SHK Essen. „Daher haben wir uns in enger Abstimmung mit dem ideellen Träger und den Kooperationspartnern der SHK Essen dazu entschieden, die Fachmesse auf Anfang September zu verlegen.“ Neben der SHK Essen wurden auch die Frankfurter Light + Building sowie die IFH aus Angst vor dem Coronavirus verschoben. 

Die Internationale Handwerksmesse wurde nicht nur verschoben, sondern gleich ganz abgesagt. „Angesichts der Verbreitung des Coronavirus ist die Absage der Internationalen Handwerksmesse als Großveranstaltung mit 1.000 Ausstellern und über 100.000 erwarteten Besuchern sowie einer entsprechend hohen Anzahl an persönlichen Kontakten unumgänglich. Wir hoffen auf das Verständnis aller Messeteilnehmer. Das Messeziel eines vielfältigen persönlichen Austausches zur Pflege und zum Aufbau von Geschäftsbeziehungen ist unter den gegebenen Umständen nicht mehr risikofrei umsetzbar“, bedauert Dieter Dohr, Vorsitzender Geschäftsführer der Gesellschaft für Handwerksmessen.

Verwandte tecfindr-Einträge