Toilette

„Das Dusch-WC muss dringend enttabuisiert werden“

Würden Sie sich die Hände nur mit trockenem Papier waschen? Nein? Warum tun Sie das dann mit Ihrem Intimbereich und Gesäß? Dusch-WCs sind vor allem in Asien ein großer Trend, im deutschsprachigen Raum gelten sie noch als Tabu. Zwei Experten erklären woran das liegt und wie Hersteller das ändern können.

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Warum das Dusch-WC nicht länger als Tabu gehandhabt werden sollte.

Ein tadellos sauberes Gefühl nach dem Toilettenbesuch und das ganz ohne Papierverschwendung: Die Reinigung mittels Wasserstrahl macht das möglich. Nutzt man in Italien dafür gerne ein Bidet, sind es in Asien vor allem Dusch-WCs, die für mehr Sauberkeit am Gesäß sorgen.

Obwohl das Dusch-WC 1957 vom Schweizer Hans Maurer erfunden wurde, hat es sich im deutschsprachigen Raum noch nicht richtig etabliert. „Darin sehe ich vor allem ein kulturelles Problem“, erklärt Christian Buchbauer, Leiter Marketing und Produktmanagement bei Geberit, die sportliche Herausforderung für Hersteller. „So wie es als Österreicher selbstverständlich ist, Skifahren zu können, wächst man im asiatischen Raum eben mit der Benutzung des Dusch-WCs auf“, erklärt er. Vor allem in Japan ist das Dusch-WC stark verbreitet: In rund 80 Prozent der Haushalte befindet sich eine solche Installation. In Korea sind es immerhin 30 Prozent, während in Europa gerade einmal fünf Prozent der Haushalte ein solches WC installiert ist. Dabei bringt das Dusch-WC einige Vorteile mit sich.

Dusch-WC vs. Bidet

Die Reinigung mit Wasser funktioniert sowohl mit einem Dusch-WC, als auch mit einem Bidet. Während beim Bidet Einstellungen wie Wassermenge und Temperatur manuell eingestellt werden müssen, geschieht das bei den meisten Dusch-WCs automatisch. Zusätzlich kann eine Sitzheizung eingeschalten oder ein Fön verwendet werden. Das sorgt nicht nur für einen warmen Hintern, sondern erhöht auch spürbar den Komfort der Installation.

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Der entscheidende Vorteil des Dusch-WCs ist aber der geringe Platzbedarf. Während ein Bidet separat neben der Toilette platziert wird, ist das Dusch-WC gleichzeitig die herkömmliche Toilette. „Gerade im urbanen Raum müssen Planer, Handwerker und Bewohner mit kleinen Badezimmern arbeiten. Mit einem Dusch-WC können alle Vorteile der wasserbasierten Reinigung genutzt werden, ganz ohne zusätzlichen Platzbedarf“, so Andrea Leifert, Vertriebsleiterin beim Sanitär-Anbieter Villeroy & Boch.

Marktentwicklung im deutschsprachigen Raum

Villeroy & Boch bietet seit 2014 Dusch-WCs am europäischen Markt an, Geberit feierte vergangenes Jahr das 40-jährige Jubiläum seiner Aquaclean-Serie. Die Distanziertheit der Bevölkerung der DACH-Region ist zwar noch spürbar, dennoch entwickelt sich der Markt POsitiv. „Wir bemerken einerseits einen Anstieg der Absätze, andererseits ist es aber vor allem das Interesse und Wissen der Kunden, das steigt. Mittlerweile wissen die Verbraucher meist was ein Dusch-WC ist und welche Vorteile es mit sich bringt“, erklärt Andrea Leifert.

Auch Christian Buchbauer freut sich über die gute Marktentwicklung des Segments Dusch-WC: „Das System wird immer bekannter und das liegt auch daran, dass es immer mehr zu einem Lifestyle- und Wellness-Produkt wird. Wir bewegen uns mehr Richtung Komfort-Vorteile.“ Das steigende Interesse der Verbraucher regt aber nicht nur die Marktentwicklung an, sondern auch die Konkurrenz. Buchbauer sieht das aber als positive Entwicklung: „Die höhere Aktivität bei den Mitbewerbern ist auf jeden Fall spürbar. Das beweist die stärkere Wahrnehmung des Segments am Markt und fördert das Marktwachstum zusätzlich.“

Auf Kundenakquise im Hotel

Zunehmend interessieren sich auch Kunden aus der Hotellerie für die ungewöhnlichen Toiletten. „Kunden erzählten mir oft, dass asiatische Gäste sich vor der Buchung häufig erkundigen, ob die Hotelzimmer denn mit einem Dusch-WC ausgestattet sind. Viele Gäste machen ihre Entscheidung über den Hotelbesuch davon abhängig“, erzählt Andrea Leifert. In der gehobenen Hotellerie zählt ein Dusch-WC zum Service, der auch im deutschsprachigen Raum stark verbreitet ist. Das WC muss dafür vor allem eins: schön aussehen. „In Asien werden vor allem bodenstehende Exemplare verkauft, in Europa greift man vorzugsweise zu einem wandhängenden Modell. Die Optik spielt dabei eine große Rolle. Das WC muss ein gutes Design haben und elegant aussehen“, meint Leifert.

Bei Geberit wählt man die Hotellerie indes ganz gezielt aus, um Kunden für Dusch-WCs zu begeistern. Das Unternehmen kooperiert mit einigen Hotels und möchte so auf die Vorteile und den hohen Komfort der Installation aufmerksam machen. Bei Veranstaltungen kommt die sogenannte WC-Oase, ein Container, in dem sich eine Luxus-Toilette befindet, zum Einsatz. „Wir bieten den Verbrauchern viele Möglichkeiten, ein Dusch-WC auszuprobieren. Damit wollen wir die Hemmschwelle senken und die Kunden ihre eigenen Erfahrungen sammeln lassen“, erklärt Christian Buchbauer.

Handwerker als Vermittler

Auch wenn die Verkaufszahlen in der DACH-Region steigen, sind sich die beiden Experten einig: Das Dusch-WC muss dringend enttabuisiert werden. Hier müssen Hersteller und Verkäufer tätig werden. „Die Installateure müssen das Dusch-WC über den Handel kommunizieren, zum Beispiel durch das Ausstellen im Schaufenster. Außerdem sind Schulungen zu der richtigen Beratung und korrektem Einbau für die Mitarbeiter sehr wichtig“ ist Andrea Leifert überzeugt.

Villeroy & Boch versucht wie auch Geberit, seine Verbraucher über Online-Kampagnen zu erreichen. Auf der Website bietet Villeroy & Boch zahlreiche Informationen zu den individuellen Installationsmöglichkeiten. Außerdem will Villeroy & Boch seine Kunden mit informativen und unterhaltsamen Videos erreichen. Auf Youtube finden sich einige originelle Videos, mit denen das Thema viral gehen soll. Denn jüngere Menschen könnten sich eher für ein Dusch-WC begeistern als ältere Konsumenten: „Wir bemühen uns, vor allem die jüngere Zielgruppe online zu erreichen“, erklärt Leifert.

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