Interview

„Der Klimawandel macht wegen Corona keine Pause“

Gebäudetechnik ist auch in Krisenzeiten gefragt, ist Georg Bayer, Portfoliomanager bei Siemens Österreich, überzeugt. Wie das Unternehmen die Coronakrise ohne Kurzarbeit überstehen will und was das mit der Erderwärmung zu tun hat, erklärt er im TGA-Interview.

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"Siemens ist ein Unternehmen, das Digitalisierung in den verschiedensten Bereichen widerspiegelt und als digitales Unternehmen freuen wir uns auch auf eine virtuelle Tagung", so Georg Bayer über die Technik im Krankenhaus-Tagung. 

„Wir sind zuversichtlich“, zeigt sich Georg Bayer, Portfoliomanager bei Siemens Österreich, derzeit gelassen. Das Unternehmen will gut auf die Coronakrise vorbereitet sein und auch danach ausreichend Aufträge an Land ziehen können. Wie das gelingen soll, erklärt Bayer im Interview mit TGA. 

TGA: Wie hat sich der Arbeitsalltag der Siemensianer durch die Coronakrise verändert?

Georg Bayer: Bei uns sind alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter recht rasch ins Homeoffice gezogen – zumindest, wenn das möglich war. Man konnte bei Bedarf vorübergehend auch Bildschirme aus dem Unternehmen holen und seither läuft der Büroalltag im Homeoffice ab. Kurzarbeit wird bei Siemens Österreich nach Möglichkeit vermieden, im Unternehmen wird derzeit auf den Urlaubsabbau gesetzt. Der Außendienst strukturiert sich derzeit über Videokonferenzen und präsentiert den Kunden dort unsere Produktlösungen. 

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TGA: Die Büromitarbeiter kann man gut ins Homeoffice schicken, aber was macht man mit den Technikern?

Georg Bayer: Bei unseren Technikern ist Homeoffice natürlich keine Möglichkeit, sie sind aber trotzdem im Einsatz. Vor allem Wartungen an Anlagen in systemrelevanten Gebäuden wie Krankenhäusern müssen weiterhin Durchgeführt werden. Wir rechnen außerdem damit, dass Neubauprojekte fertiggestellt werden und unsere Gebäudetechnik auch hier von den Technikern installiert werden kann. Derzeit läuft das Geschäft also einigermaßen normal weiter, wir haben auch keine Probleme bei der Materialversorgung. 

TGA: Und wie wird es in naher Zukunft aussehen?

Georg Bayer: Erstmal wird es keine halbfertigen Bauruinen geben, da die Projekte ja fertiggestellt werden. Wie es dann weitergeht ist fraglich. In der Gebäudetechnik werden Krisen immer erst mit deutlicher Zeitverzögerung spürbar, also in einem halben Jahr bis Jahr. Wir sind aber zuversichtlich, denn die Zahlen sind bisher in Ordnung. Zudem löst die Coronakrise ja nicht das Problem des Klimawandels. Wir müssen also parallel zur Krise weiterhin überlegen, wie wir Gebäude energieeffizienter machen können. Die EU gibt uns Maßnahmen vor, die umgesetzt werden müssen und durch die Krise nicht einfach fünf Jahre nach hinten verschoben werden können. Das Thema Energieeffizienz in Gebäuden wird uns in den nächsten Jahren stark beschäftigen und hier wird es auch zu Investitionen kommen, die sehr gut in unser Portfolio passen. Wir werden mit einem blauen Auge davonkommen.

TGA: Nun beschränkt sich die Arbeit von Siemens nicht nur auf Österreich, der Konzern ist international tätig. Wie sieht es derzeit mit Standorten in China aus? Wird dort produziert?

Georg Bayer: Richtig, einige Komponenten werden in den Siemenswerken in China gefertigt. Diese Werke waren im Jänner und Februar teilweise geschlossen, gleichzeitig gab es natürlich Schwierigkeiten mit dem Transport nach Europa. Wir mussten teilweise auf den Transport per Flugzeug zurückgreifen, da das Material sonst nicht zu uns gekommen wäre. Die Situation hat sich nun aber wieder deutlich gebessert. Die chinesischen Werke produzieren wieder und sind gerade dabei, die Rückstände aufzuholen. Nun lautet die Strategie von Siemens, die Produktverfügbarkeit im Lager hochzufahren. Damit wollen wir gerüstet sein, wenn ein einigermaßen normaler Betrieb wiederkehrt. 

TGA: Und wie sieht es mit Kunden in Tirol aus? 

Georg Bayer: In Tirol haben wir Kundschaften aus der gehobenen Hotellerie und Topgastronomie. Das sind Unternehmen, die 365 Tage im Jahr durchgehend geöffnet sind und sich deshalb mit der Planung von Wartungen schwertun. In den letzten Jahren hat sich dort viel Instandhaltung gestaut, die wir nun abarbeiten können. Von kleinen Hotelbetreibern werden wir häufig um das Verschieben des jährlichen Wartungstermins gebeten.

TGA: Was kann die österreichische Wirtschaft aus dieser Krise lernen?

Georg Bayer: Man wird darüber nachdenken müssen, ob es sich wirklich lohnt, in Asien zu produzieren und was besser in Europa produziert wird. Wahrscheinlich ist es sinnvoller die Schlüsselkomponenten in Europa zu produzieren und damit Sicherheit und Wertschöpfung für die europäische Wirtschaft zu schaffen. Und einige Unternehmen werden nun auch merken, dass es höchste Zeit ist, auf den Digitalisierungstrend aufzuspringen.

TGA: Das Thema Digitalisierung greifen wir auch mit der ersten virtuellen Technik im Krankenhaus-Tagung auf. Sie werden sozusagen vor Ort sein, was werden Sie am 12. Mai präsentieren? 

Georg Bayer: Wir werden Neuheiten beim Intelligent Valve Ventil vorstellen, die Daten von der Anlage in Echtzeit liefern. Erklären werden wir das Ganze anhand des Krankenhauses St. Johann in Tirol, eines unserer Referenzprojekte.  Siemens ist ein Unternehmen, das Digitalisierung in den verschiedensten Bereichen widerspiegelt und als digitales Unternehmen freuen wir uns auch auf eine digitale Tagung. 

Die erste Technik im Krankenhaus-Tagung findet am 12. Mai statt. Nähere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier

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