Aus TGA 6: BIM

"Die Rolle des Planers wird sich in Zukunft verstärken"

BIM-Planung revolutioniert die Bauwirtschaft. Doch ist die Methode auch bei Österreichs Planern angekommen? Georg Brandauer, Geschäftsführer von Allplan, spricht im Interview von 20 bis 30 % aller Planungen, die derzeit mittels Building Information Modeling erfolgen.

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BIM-Planung (Building Information Modeling) ist im haustechnischen Bereich seit einigen Jahren ein viel diskutiertes Thema, aber noch immer eine zarte Pflanze, die gegossen werden muss. Planungsabläufe müssen neu organisiert werden, Prozesse werden in den virtuellen Raum verlagert und miteinander verknüpft, aus groß angelegten Datenbanken können über viele Jahre Planungsdetails abgerufen werden und vieles mehr. Die EU-Kommission empfahl ab 2020 im öffentlichen Bereich nur noch mit BIM zu planen. Wie geht man in österreichischen Ingenieurbüros mit dieser neuen Situation um? Dazu befragte der TGA, stellvertretend für die Haustechnikplaner, DI DI (FH) Georg Brandauer, Geschäftsführer des Ingenieurbüros Allplan in Wien.

Herr Brandauer, Sie sind einer der Geschäftsführer des Planungsbüros Allplan und zuständig für den Bereich Gebäudetechnik. Wie kann man sich die Struktur Ihres Büros vorstellen?

Georg Brandauer: Das Ingenieurbüro Allplan mit 70 Mitarbeitern in Wien und St. Pölten wird von drei Personen geführt, Frau Susanne Schindler, DI Dr. Helmut Berger und von mir. Wir sind jeweils für verschiedene Fachbereiche verantwortlich. Allplan deckt den gesamten Energiebereich in Gebäuden samt der Bauphysik ab. Zudem beschäftigen wir uns schon seit langer Zeit mit den aktuell stark thematisierten Begriffen Umwelt, Klima und Green Deal.

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Worauf legen Sie bei diesem Themenkomplex Wert?

Brandauer: Drei Parameter stehen im Vordergrund: Umweltverträglichkeit, Ressourcenschonung und Einsparung. Zudem sind wir an Entwicklungsprojekten auf dem Sektor Energie und Ressourcen mit der Weltbank, der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) und der ADA (Austrian Development Agency) beteiligt.

Sind Sie auch im Forschungsbereich tätig?

Brandauer: Mit unseren Forschungsprojekten der FFG (Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft) investieren wir in die zukünftige Entwicklung von BIM-Daten (metatag.org) und Digitalisierung (bimbestand.org), wo wir in einem Team mit Bildungs- und Forschungseinrichtungen wie der TU Graz, der TU Wien und dem AIT sind. Wir bauen auf Beständigkeit, erfahrene Mitarbeiter und Innovation. Es sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass sowohl Geschäftsleitung wie leitende Mitarbeiter Vortragstätigkeiten an diversen Fachhochschulen und Universitäten ausüben.

Wie sehr ist BIM in Ihren Arbeitsalltag integriert?

Brandauer: BIM begleitet uns ständig und es ist selbstverständlich, dass alle MitarbeiterInnen darauf ausgebildet sind. BIM ist eine Veränderung eines etablierten und standardisierten Prozesses und betrifft somit alle MitarbeiterInnen. Allplan ist mitten in einem Weiterentwicklungsprozess, „fit for future”, wovon zwei wesentliche Punkte die Digitalisierung und Standardisierung sind.

Verfügen Sie über eine BIM-fähige Software für eine dreidimensionale Planung?

Brandauer: Ja, natürlich, denn wir haben schon vor Jahren über eine intensive SWOT-Analyse die Stärken und Schwächen der verschiedenen BIM-Software analysiert. Wir haben uns für ein Programm entschieden, bei dem die Möglichkeit gegeben ist, unser Know-how am besten zu implementieren. Wir arbeiten daher mit Autodesk Revit.

Wird man in Österreich seitens der (öffentlichen) Bauherren zur BIM-Planung verpflichtet?

Brandauer: Große Auftraggeber, privat oder öffentlich, planen verstärkt mit BIM und haben ihre AIAs (Auftraggeber-Informations-Anforderung) darauf abgestimmt.

Wieviel Prozent machen BIM-Planungsprozessen in Ihrem Büro aus?

Brandauer: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass BIM oft mit einer 3-D-Planung mit einem Anteil von ca. 90 % verwechselt wird. Diese jedoch lediglich ein Bestandteil von BIM ist. Deshalb würde ich sagen, dass der Anteil eines reinen BIM-Planungsprozesses zurzeit etwa bei 20 bis 30 % liegt.

Stoßen Sie auf Widerstände anderer Beteiligter, beispielsweise Architekten, wenn Sie einen BIM-Planungsprozess vorschlagen?

Brandauer: Nein, gerade Architekten sind gegenüber BIM sehr aufgeschlossen.

Funktionieren die Schnittflächen zwischen den Programmsystemen Ihrer Meinung nach?

Brandauer: Grundsätzlich ja.

Welchen Einfluss hat BIM auf gewohnte Routinen im Büro?

Brandauer: In vielerlei Hinsicht verändert BIM die Abläufe, allein was die datenbasierenden Abläufe betrifft, oder die Rollenbilder, so werden Zeichner und Techniker noch mehr verschmelzen.

Halten Sie die bestehende Honorarordnung in Hinblick auf aufwendige BIM-Planungsprozessen noch für zeitgerecht?

Brandauer: Ich glaube, es wird zukünftig noch stärkere Verschiebungen zwischen den Leistungsphasen, wie z. B. von Ausführungs- zur Entwurfsplanung und von der Montage- zur Ausführungsplanung geben.

Gibt es Voraussetzungen, die Sie bei BIM bisher vermissen?

Brandauer: Es fehlt noch der Merkmal-Server, wo die Mindestmerkmale der Gebäude technisch definiert sind, damit alle Beteiligten mit einheitlichen Mindeststandards arbeiten. Die Rolle des Planers wird sich in Zukunft verstärken, indem er für die Durchgängigkeit der Daten in der Planung und Errichtung bis hin zur Übergabe an den Betrieb verantwortlich ist.