Trinkwasser

Die Wasserkrise rückt näher

Wasserhahn auf, Wasser raus, fertig. So einfach ist es in Österreich an sauberes und hygienisch unbedenkliches Trinkwasser zu kommen. Das ist ein Privileg, das oftmals unterschätzt wird, wie der internationale Vergleich zeigt.

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In Österreich ist der Zugang zu Trinkwasser eine Selbstverständlichkeit.

Trinkwasser ist in Österreich nahezu immer verfügbar und kann problemlos konsumiert werden. Die Wasserversorgung hierzulande funktioniert einwandfrei und Probleme in der Trinkwasserversorgung zählen zur Ausnahme. Dass dies nicht überall der Fall ist, zeigt der globale Vergleich. 

Wasserversorgung in Österreich

In Österreich werden nahezu 100 Prozent des Trinkwassers aus Grund- und Quellwasser gewonnen. Für stets sauberes und hygienisch unbedenkliches Trinkwasser sorgen das österreichische Wasserrechtsgesetz sowie die öffentlichen Wasserversorger. Insgesamt kümmern sich 5.500 Wasserversorgungsunternehmen um die Trinkwasserversorgung von 90 Prozent der Bevölkerung. Ein Leitungsnetz mit rund 78.000 Kilometern Länge sorgt dafür, dass jedes Haus einen Zugang zu sauberem Trinkwasser erhält.

Die restlichen zehn Prozent der Bevölkerung versorgen sich über Hausbrunnen und Quellen selbst mit Trinkwasser. Die Besitzer sind selbst für regelmäßige Kontrollen der Wasserqualität verantwortlich und erhalten keine öffentliche Unterstützung. In den österreichischen Haushalten wird der Großteil des Trinkwassers die Toilette hinuntergespült. Ganze 34 Prozent fließen täglich durch die Klospülung. Weitere 29 Prozent werden für die Körperpflege benötigt und nur drei Prozent des Trinkwassers werden tatsächlich als Lebensmittel, also zum Trinken und Kochen, verwendet.

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Vom österreichischen Gesamtwasserverbrauch fließen nur etwa fünf Prozent in die Landwirtschaft und ein Drittel in die Haushalte. Knapp zwei Drittel des Wassers werden in der Industrie verbraucht. Durch neue Technologien in den Produktionsverfahren und die Verwendung von Kreislaufführungen, die gebrauchtes Wasser wieder nutzbar machen, kann im Industriesektor eine große Menge Wasser eingespart werden. Für die Betriebe bedeutet das aber eine Investition, die sich viele nicht leisten wollen.

Trinkwassermangel ist in Österreich eine Seltenheit. Im Sommer kam es zwar in vereinzelten Gemeinden Niederösterreichs zu Trinkwasserknappheit, diese Ereignisse zählen aber zu den Ausnahmen. Österreich ist ein sehr wasserreiches Land. Hier steht uns genügend Trinkwasser aus Grund- und Quellwasser zur Verfügung. Das hohe Süßwasservorkommen macht die Verwendung unkompliziert und dank moderner Technologien können wir bereits genutztes Wasser wieder verwendbar machen. Anders sieht das im weltweiten Vergleich aus.

Wasseraufkommen weltweit

1,6 Milliarden Kubikkilometer Wasser gibt es auf der gesamten Erde. Das klingt nach sehr viel, als Trinkwasser geeignet sind jedoch nur 2,5 Prozent des Weltweiten Wasservorkommens. Diese 35 Kubikkilometer Süßwasser sind zudem sehr ungleich verteilt und zu einem großen Teil in Eiskappen und Gletschern gebunden. 30 Prozent des Süßwassers befinden sich als Grundwasser unter der Erdoberfläche und nur 0,3 Prozent sind tatsächlich Oberflächenwasser und somit direkt nutzbar.

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Laut einem Bericht der Word Health Organisation WHO und UNICEF haben drei von zehn Menschen, das sind rund 2,1 Milliarden Personen, keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Davon haben 844 Millionen Menschen nicht einmal Zugang zu elementarer Wasserversorgung. 263 Millionen Personen müssen mehr als eine halbe Stunde pro Weg in Kauf nehmen, um zu einer Wasserquelle zu gelangen. Vor allem in den Ländern Afrikas ist die Trinkwasserversorgung problematisch.

Day Zero in Kapstadt

Für die 4,5 Millionen Einwohner der südafrikanischen Metropole Kapstadt ist jeder Tropfen Trinkwasser wertvoll. Die Stadt bangt der Stunde Null, auch Day Zero genannt, entgegen. Das ist jener Moment, an dem die Verwaltung aufgrund des Wassermangels gezwungen ist, alle Leitungen stillzulegen. Im Oktober 2017 kündigte die Stadt an, dass der Day Zero bald eintreten würde. Im April 2018 sollte es so weit sein. Doch die Stadt reagierte schnell. Dank einer extremen Verringerung des Wasserverbrauchs und besserem Wassermanagement schaffte die Bevölkerung es, den Day Zero immer weiter nach hinten zu verschieben. Jeder Einwohner Kapstadts musste seinen Wasserverbrauch auf maximal 25 Liter pro Tag verringern. Niemand wäscht mehr sein Auto oder gießt den Rasen. Dafür ist das Wasser zu wertvoll.

Die Angst vor Day Zero hat den Menschen in Kapstadt bewusst gemacht, wie wertvoll Wasser in Wirklichkeit ist. Day Zero konnte damit zwar nicht völlig umgangen, aber mittlerweile bereits um 1,5 Jahre hinausgezögert werden. Kapstadt hatte aber auch Glück: Regen füllte die Grundwasserspeicher der Region wieder etwas auf.

Grundwasser ist vielerorts problematisch

Um das Grundwasser nutzen zu können, wird es an die Erdoberfläche gepumpt. Durch Niederschläge oder Migration aus Seen und Flüssen werden die Grundwasserkörper gefüllt. Das Abpumpen des Wassers führt dazu, das sich die Speicher langsam leeren und sich die Masse unter der Erdoberfläche verdichtet. Die Oberfläche rutscht damit etwas ab und mit ihr auch die Gebäude darauf.

In der 21 Millionen Einwohner Stadt Mexiko City ist das Trinkwasser knapp und so bleibt der Bevölkerung schon seit langem keine andere Möglichkeit, als maßlos Grundwasser an die Oberfläche zu Pumpen. Obwohl es in der Stadt viele Regentage gibt, gelingt es nicht eine funktionierende Trinkwasserversorgung zu generieren. Reinigungs- und Wiederverwendungsanlagen für Abwasser sind nur sehr spärlich ausgebaut. Durch die unzureichende Wasserversorgung kommt es zur Ausbeutung der Reserven unter der Stadt, wodurch Mexiko City immer mehr versinkt.  

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Wasserverbrauch steigt an

Zwischen 1930 und 2000 hat sich der weltweite Wasserverbrauch etwa versechsfacht. Grund dafür ist einerseits die Verdreifachung der Weltbevölkerung, andererseits die Verdoppelung des durchschnittlichen Wasserverbrauchs pro Kopf. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen soll der Wasserverbrauch bis 2030 um weitere 40 Prozent ansteigen. Laut der Food and Agriculture Organization of the United Nations FAO entfällt knapp die Hälfte der weltweiten Wasserentnahme auf die drei Länder Indien, China und die USA.

Auch wenn Österreich noch nicht stark vom Trinkwassermangel betroffen ist, so rückt er dennoch näher. 2017 war die Wasserversorgung Roms in Gefahr, vergangenes Jahr kämpfte Spanien mit akuter Wasserknappheit und auch die Vorfälle in Niederösterreich dürfen nicht unter den Teppich gekehrt werden. Intelligentes Wassermanagement sowie ein sparsamer Umgang mit der wertvollen Ressource sind gefragt, um auch zukünftig genug Wasser zur Verfügung zu haben. Vor allem in den Industrieländern wird vergessen, dass Wasser das wichtigste Lebensmittel für den Menschen ist. Das größte und am schwierigsten zu lösende Problem wird aber auch weiterhin die ungleiche Verteilung der globalen Wasservorkommen sein.

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