KI im Weltraum

Eine Alexa fürs All

Das Deutsche Zentrum für Raum- und Luftfahrt DLR hat einen intelligenten Assistenten fürs Weltall entwickelt. Er soll Astronauten die tägliche Arbeit im Raumschiff erleichtern und gleichzeitig als komplexe Datenbank dienen.

CIMON kann sehen, hören, verstehen, sprechen - und fliegen. Er ist rund, hat einen Durchmesser von 32 Zentimetern und wiegt fünf Kilogramm.

CIMON (Crew Interactive MObile companioN) ist der weltweit erste autonome Astronauten-Assistent mit einer künstlichen Intelligenz. Der etwa medizinballgroße Technologie-Demonstrator kommt bei der horizons-Mission von ESA-Astronaut Alexander Gerst im Columbus-Modul der ISS zum Einsatz.

Zeichentrick-Charakter als Vorbild

CIMON kann sehen, hören, verstehen, sprechen - und fliegen. Er ist rund, hat einen Durchmesser von 32 Zentimetern und wiegt fünf Kilogramm. Sein robotisches Vorbild war in den 1980er Jahren in der Zeichentrickserie Captain Future Professor Simon Wright, das fliegende Gehirn mit Sensoren, Kameras und einem Sprachprozessor. Fast 40 Jahre später könnte jetzt mit CIMON, einem astronautischen Flugbegleiter und Assistenzsystem, aus Science Fiction tatsächlich Science Fact werden.

CIMON ermöglicht es dem Astronauten, beide Hände frei zu haben: Durch den vollständig sprachgesteuerten Zugriff auf Dokumente und Medien kann der Astronaut bequem durch Bedienungs-, Reparaturanleitungen und Prozeduren für Experimente und Anlagen navigieren. CIMON dient somit als komplexe Datenbank mit allen notwendigen Informationen für Arbeiten auf der ISS und kann zeitgleich als mobile Kamera für Dokumentationszwecke genutzt werden.

White Paper zum Thema

https://youtu.be/bVfXoWYjmmk

Entwicklung und Bau des interaktiven Astronauten-Assistenten wurden vom Raumfahrtmanagement des DLR mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie in Auftrag gegeben und von Airbus in Friedrichshafen und Bremen umgesetzt. Als sprachgesteuerte Künstliche Intelligenz dient die Watson KI-Technologie aus der IBM Cloud. Die menschlichen Aspekte des Assistenzsystems wurden von Wissenschaftlern des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München LMU mitentwickelt und betreut. Ein rund 50-köpfiges Projektteam von DLR, Airbus, IBM und der LMU arbeitet seit August 2016 an der Realisierung von CIMON.

Ausbaufähiges Projekt

Dabei verfügt der intelligente künstliche Assistent bei seiner Premiere im All noch nicht über alle denkbaren und von seinen Entwicklern angedachten Fähigkeiten: "Mittelfristig wollen wir uns auch Gruppen-Effekten widmen, die sich bei kleinen Teams über lange Zeit hinweg entwickeln und bei Langzeitmissionen zu Mond und Mars auftreten können. Denn die soziale Interaktion zwischen Mensch und Maschine, zwischen Astronaut und mit emotionaler Intelligenz ausgestattetem Flugbegleiter, könnte eine wichtige Rolle für den Erfolg dieser Missionen spielen", verdeutlicht Till Eisenberg, CIMON-Projektleiter bei Airbus.

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