Klopapier

Feuchtpapier, das tatsächlich runtergespült werden kann

Während der Coronakrise wurden mehr denn je Papiere in der Toilette runtergespült, die dort eigentlich nicht hingehören. Das Resultat sind schnell wachsende Fettberge und verstopfte Kanäle. Ein Universitätsprojekt arbeitet nun an Feuchttüchern, die sich wie normales Klopapier zersetzen sollen. Von der Technologie dahinter lesen Sie hier.

Forschung Toilette Klopapier Hygiene

Dass feuchtes Toilettenpapier belastend für die Umwelt ist, ist bekannt – trotzdem scheinen viele nicht darauf verzichten zu wollen oder können. Einige Hersteller werben auf der Verpackung auch damit, ihr Produkt sei leichter abbaubar – doch auch diese Varianten verrotten nicht so schnell wir normales Klopapier und sorgen so für Papierberge in den Kanalsystemen.

Diese Fettberge, wie sich auch genannt werden, führen zu Kanalverstopfungen und müssen beseitigt werden – was Zeit und Geld kostet. In London wurde eine solcher Verstopfung gefunden, wo der Berg bereits 250 Meter hoch war. Und jetzt, während der Pandemie, sind die Berge sogar noch schneller gewachsen als sonst.

Während das Bidet eine gute Lösung wäre, die in unseren Breiten noch allzu wenig Anklang findet, setzt ein Team der Universität Toledo in Ohio an einem anderen Punkt an – feuchtes Toilettenpapier tatsächlich genauso umweltverträglich zu machen wie trockenes.

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Was das feuchte vom trockenen Papier unterscheidet, sind die Textilfasern – je robuster, desto weniger leicht lassen sie sich von Wasser zersetzen. Das Projekt der Uni steht nun unter dem Titel: „Feuchttücher, die sich nach dem Runterspülen in Toilettenpapier verwandeln“. Ein Prototyp wird derzeit entwickelt, finanziell unterstützt von der United States Environmental Protection Agency, einer Regierungsbehörde für Umweltschutz.

Gemeint ist allerdings nicht nur Feuchtpapier, das speziell für den Toilettengang gedacht ist, sondern Feuchttücher ganz allgemein. Denn laut dem Entwicklerteam wird auf vielen Verpackungen behauptet, die Wischtücher könnten im Klo runtergespült werden – doch nur weil sie sich runterspülen lassen, sind sie noch lange nicht unbedenklich für das Kanalsystem.

Selbstauflöser

„Funktioniert unser Prototyp, hat unsere Technologie große Zukunft“, sagt Yakov Lapitsky, Professor für Chemietechnik an der Universität und Leiter des Teams, zum Magazin Forbes. „Solange es Kinder gibt, werden die Menschen Feuchttücher verwenden wollen.

Was das Papier leichter auflösbar machen soll, ist eine spezielle Technik, die Selbstassemblierung. Ihr Vorteil ist ihre relativ leichte Umkehrbarkeit – die Tücher können sich also nicht nur zusammensetzen, sondern auch zerlegen. Am Ende der derzeitigen Projektphase wird das Team sein Design in einem Wettbewerb der Environmental Protection Agency vorstellen. Der Gewinner erhält 100.000 Dollar, um sein Design marktfähig zu machen.

Die Vorstellrunde ist derweil für kommenden Frühling geplant. Die Coronakrise wird entscheiden, ob der Termin einhaltbar ist – oder ob die Berge fetter werden müssen.