Wisag diskutiert Vergabekultur

FM-Club: "Vergabekultur in Österreich – Haben wir eine oder brauchen wir eine?"

Am 26. April 2017 fand der fünfte FM-Club der Wisag Service Holding Austria zum Thema „Vergabekultur in Österreich – Haben wir eine oder brauchen wir eine?“ statt.

Eine öffentliche Ausschreibung erfordert zwar mehr Kommunikation, garantiert aber der ausschreibenden Seite als auch dem Dienstleister mehr Sicherheit und Transparenz und beugt möglichen Anfechtungen vor. Das betonten alle Diskutanten des fünften FM-Clubs der Wisag Service Holding Austria zum Thema „Vergabekultur in Österreich – Haben wir eine oder brauchen wir eine?“ Auf dem Podium saßen Bruno Ettenauer von der PEMA Gruppe, Norbert Küblböck von der ENGIE Gebäudetechnik GmbH, Herbert Logar von ADEQAT Investment Services, Alexander Redlein von der TU Wien und Markus Werner von Werner Consult ZT-GmbH. Durch die Veranstaltung im Ocean’Sky des Wiener Haus des Meeres am 26. April 2017 führte die Journalistin Gisela Gary. Zu den hochkarätigen Gästen zählten unter anderen Alexander Budasch (Semper Constantia), Anton Bondi (Bondi Consult), Martin Sabelko (Hoi Group), Matthias Dietl (CA Immo), Alexandra Huber (NHK), Isabella Jandl (Wohnservice Wien), Oliver Oszwald und Florian Rode (beide HNP Architekten), Sander van der Rijt (DRS Defect Radar) und Reinhard Waltenberger (S Immo).

v.l. Alexander Redlein (TU Wien), Herbert Logar (ADEQAT Investment Services), Norbert Küblböck (ENGIE Gebäudetechnik GmbH), Michael C. Wisser (Wisag Service Holding Austria), Bruno Ettenauer (PEMA Gruppe) und Markus Werner (Werner Consult ZT-GmbH) © Michael Hetzmannseder /WISAG Service Holding Austria
v.l. Alexander Redlein (TU Wien), Herbert Logar (ADEQAT Investment Services), Norbert Küblböck (ENGIE Gebäudetechnik GmbH), Michael C. Wisser (Wisag Service Holding Austria), Bruno Ettenauer (PEMA Gruppe) und Markus Werner (Werner Consult ZT-GmbH)

Bei Vergaben muss zwischen öffentlich und privat unterschieden werden, denn die Ziele sind jeweils andere, sagt Michael C. Wisser, Geschäftsführer der Wisag Service Holding Austria: „Öffentliche Vergaben sind schwierig, da sie meist preisgetrieben sind und anschließend auch von Kontrollstellen wie dem Rechnungshof geprüft werden. Bei privaten Vergaben kann man auch mit anderen Kriterien punkten als dem Preis. Bei der kulturellen Bewertung dieser beiden Verfahren sollte man sich als Dienstleister jedoch zurückhalten, da der Vorwurf bestehender Eigeninteressen nahe liegt.“

Alexander Redlein von der TU Wien geht anfangs auf das österreichische Vergabegesetz ein und zeigt die damit verbundenen Neuerungen auf. „Es müssen bei einer öffentlichen Vergabe nun auch soziale und ökologische Kriterien berücksichtigt werden. Umfragen bei Unternehmen haben gezeigt, dass es bei der Vergabekultur Unterschiede gibt: In der DACH-Region sind in erster Linie die Kosten wichtig, auch der Werterhalt und eine optimale Arbeitsumgebung für Junge sowie Qualität und Flexibilität sind ein Thema. In Osteuropa ist die Kostentransparenz ein wesentliches Kriterium, Kompetenz und Qualität gewinnen jedoch an Bedeutung.“ Zu beobachten sei zudem der Trend, dass vor allem die Reinigung ausgelagert wird, durch die zunehmende Technik aber auch immer mehr die Wartung.

v.l. Norbert Küblböck (ENGIE Gebäudetechnik GmbH), Herbert Logar (ADEQAT Investment Services), Markus Werner (Werner Consult ZT-GmbH), Alexander Redlein (TU Wien), Bruno Ettenauer (PEMA Gruppe) und Moderatorin Gisela Gary © Michael Hetzmannseder / WISAG Service Holding Austria
v.l. Norbert Küblböck (ENGIE Gebäudetechnik GmbH), Herbert Logar (ADEQAT Investment Services), Markus Werner (Werner Consult ZT-GmbH), Alexander Redlein (TU Wien), Bruno Ettenauer (PEMA Gruppe) und Moderatorin Gisela Gary

„Die Professionalisierung ist sehr weit fortgeschritten“, betont Herbert Logar von ADEQAT Investment Services. „Der Wettbewerb und die Transparenz führen dazu, dass sich die Besseren durchsetzen – und dass sogar mit einem Preis, mit dem sie leben können.“ Natürlich gebe es aber auch Verlierer der Professionalisierung, so Logar, „nämlich die, die sich nicht darauf einlassen und Transparenz als Bedrohung wahrnehmen“.

Bruno Ettenauer von der PEMA Gruppe unterstreicht ebenfalls, dass Vergaben Transparenz und Wettbewerb fördern. „Auch wenn die Regelwerke zunehmend bürokratischer werden, so schaffen sie vergleichbare Konstrukte. Die Zahl der bilateralen Vergaben nimmt ab, da sie Argumentationsnot verursachen. Wir sind hier in den Absicherungsmodus verfallen.“ Er weist darauf hin, dass sich auch viele Private bei Vergaben dem Vergabegesetz beugen, „denn es bringt Sicherheit und man kann seine Entscheidung begründen“.

Markus Werner von der Werner Consult ZT-GmbH betont, dass es „ohne Kommunikation keine Kooperation“ gebe und daher Vergaben eindeutig positiv zu bewerten seien, da sie eine intensivere Kommunikation mit den Bietern verlangen. Auch er findet klare Unterschiede zwischen privaten und öffentlichen Vergaben: „Bei privaten Vergaben wird die Qualität hochgehalten, öffentliche sind stärker reglementiert. Der gesamte Lebenszyklus wird zerpflückt und der Preisdruck beginnt hier bereits bei der Planung“, kritisiert Markus Werner und empfiehlt, hier den Gesamtzyklus zu berechnen. Österreich hätte zudem eine gute Vergabekultur gehabt, aber der Preisverfall habe zu einem Qualitätsverfall geführt und dieser wiederum zu einer Zunahme an Normen, Richtlinien und strengeren Verträgen. „Das ist ein Teufelskreis.“

Auch Norbert Küblböck kritisiert, dass das Budget zunehmend das Design von Objekten vorgebe. Das Thema Nachhaltigkeit werde hingegen noch gar nicht gelebt. „Jeder schaut nur auf seinen Vorteil, daher ist Prozessoptimierung das Ziel. Aber gerade hier wäre es wichtig, den Nutzer einzubeziehen, denn hier liegt in punkto Einsparungen ein hohes Potenzial.“ Er betont, dass bei der Vergabekultur vor allem der gegenseitige Respekt und Wertschätzung eine wichtige Rolle spielen – „und die hängen vom Menschen ab“.