Rechtstipp

Gewährleistung, Garantie, Schadenersatz: Nur verschiedene Begriffe für einen Anspruch?

Was unterscheidet die Begriffe Gewährleistung, Garantie und Schadenersatz? Oder handelt es sich gar um dasselbe? Rechtsexpertin Sylvia Unger klärt auf.

Von
Installateur Gebäudetechnik Sylvia Unger Rechtstipp

Was versteht man unter Gewährleistung, Garantie und Schadenersatz? 

So viel bereits zu Beginn: Alle drei Begriffe meinen Unterschiedliches. Vor allem Gewährleistung und Garantie werden oft verwechselt oder für ein und dasselbe gehalten. Um für Klarheit zu sorgen, werden nachfolgend die wesentlichsten Unterscheidungsmerkmale zusammengefasst:

Gewährleistung

Der Verkäufer (Übergeber, Schuldner, Händler, Werkunternehmer, etc.) gewährleistet, dass die Ware bei Übergabe oder die Erbringung der Leistung dem Vertrag (der Vereinbarung) entspricht und mängelfrei ist. Er muss für Mängel, die die Ware bei Übergabe oder die Leistung bei Erbringung aufweist, einstehen. Gewährleistungsansprüche bestehen, ohne diese vereinbaren zu müssen. Der Käufer (Kunde, Übernehmer, Werkbesteller etc) hat einen gesetzlichen Anspruch. 

Die Gewährleistungsfrist beträgt für bewegliche Sachen zwei Jahre und für unbewegliche Sachen drei Jahre. Innerhalb der ersten sechs Monate muss der Verkäufer nachweisen, dass bei Übergabe kein Mangel vorlag. Danach muss der Käufer beweisen, dass der Mangel bereits bei Übergabe bestand.

White Paper zum Thema

Der Käufer kann im ersten Schritt die Verbesserung oder den Austausch verlangen, außer diese sind nicht möglich. Erst im zweiten Schritt besteht gegebenenfalls ein Anspruch auf Preisminderung oder Aufhebung (Wandlung) des Vertrags. Wichtig ist: Es besteht ein Rechtsanspruch auf Gewährleistung. Die oft verlangte Aufbewahrung der Originalverpackung ist unerheblich.

Garantie

Die Garantie ist eine freiwillige Zusage des Händlers oder Herstellers. Der Inhalt und Dauer der Garantie ergibt sich aus der Vereinbarung. Die Garantie ist nicht gesetzlich verpflichtend. Wird eine Garantie erteilt, muss sich der Hersteller oder Händler natürlich an diese halten. Die Garantie kann auch an Bedingungen geknüpft werden. Klassisches Beispiel ist die Aufbewahrung der Originalverpackung. 

Die Gewährleistung wird durch eine Garantiezusage nicht eingeschränkt und besteht weiterhin. Verbraucher sind auf diesen Umstand ausdrücklich hinzuweisen. Zusammengefasst: Eine Garantie wird freiwillig eingeräumt und oft an Bedingungen geknüpft.

Schadenersatz

Schadenersatz ist die gesetzliche Haftung des Vertragspartners für Schäden, die von diesem (oder dessen Gehilfen) schuldhaft verursacht wurden. Schadenersatzansprüche umfassen den Schaden an der Sache und Folgeschäden.

Ein Beispiel: Bei der Verlegung der Installationen in einem Badezimmer wird aufgrund unsachgemäßer Verlegung durch austretendes Wasser die Wand zerstört. Es kann die Reparatur der Installationen (Mangel) und auch der Wand (zusätzliche Schäden) verlangt werden. 

Ansprüche verjähren drei Jahre nach Kenntnis von Schaden und Schädiger (jedenfalls nach 30 Jahren). Es kann sich somit ergeben, dass die Gewährleistungsfrist bereits abgelaufen ist, die Frist für den Schadenersatz hingegen noch nicht begonnen hat. 

Fazit: Alle drei Begriffe lösen verschiedene Ansprüche aus und haben verschiedene Grundlagen und Fristen. Die Gewährleistung darf nicht mit Verweis auf eine nicht erfüllte Bedingung der Garantie abgelehnt werden.