Wasserhygiene

„Im Sommer ist das Trinkwasser besonders anfällig für Legionellen“

Legionellen sind ein häufig unterschätzter Krankheitserreger, der im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen kann. Martin Taschl, Generalsekretär des Forum Wasserhygiene, erklärt im Gespräch mit TGA warum die Bakterien im Sommer verstärkt auftreten und wie das Legionellenrisiko bereits beim Gebäudebau reduziert werden kann.

Legionellen fühlen sich bei 30 bis 45 Grad besonders wohl.

Sie sind unsichtbar und kommen über das Trinkwasser in unsere Küchen und Badezimmer: Legionellen. Die Bakterien können bei Menschen die Legionärskrankheit auslösen und dadurch zu schweren, manchmal tödlich verlaufenden Lungenentzündungen führen. Wie die Bakterien in unser Trinkwasser gelangen und was dagegen unternommen werden kann, erklärt Martin Taschl, Generalsekretär des Forum Wasserhygiene, im Interview mit TGA.

TGA: Die aktuell recht hohen Temperaturen erwärmen auch die Gebäude und dadurch die Wasserrohre. Kann sich das auf die Qualität des Wassers auswirken? 

Martin Taschl: Ja, auf jeden Fall. Durch die erhöhte Umgebungstemperatur steigt nicht nur die Temperatur im Gebäude. Schon beim Transport des Trinkwassers nimmt es die Wärme aus der Umgebung auf und kommt somit bereits erwärmt bei einem Gebäude an. Somit hat nicht nur der Bewohner mit wärmerem Wasser zu kämpfen, sondern auch der Wasserversorger

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Welche Folgen kann das für Konsumenten haben?

Durch die hohen Temperaturen im Sommer ist das Kaltwasser im Gebäude anfälliger für Legionellen. Das mikrobiologische Wachstum der Legionellen erreicht bei etwa 30 bis 45 Grad sein Optimum. Bei diesen Temperaturen können sie sich besonders schnell vermehren. 

Betrifft das nur das Kaltwasser oder können auch im Warmwasser Legionellen entstehen?

Das Warmwasser ist weniger gefährdet, weil es auf 55 bis 60 Grad erhitzt wird. Dadurch sterben die Legionellen ab. Wenn sich aber im Kaltwasser Legionellen befinden und das Warmwasser nicht hoch genug temperiert ist, dann können sich auch dort Legionellen gut vermehren. Das Primärrisiko geht vom Kaltwasser aus, da dieses auch das Ausgangsprodukt für das Warmwasser ist.

Welche Möglichkeiten gibt es für Konsumenten, das Legionellenrisiko im Trinkwasser zu reduzieren?

Man sollte dringend darauf achten, dass die Verweilzeit des Wassers nicht zu lange ist. Das ist im Sommer aufgrund der Urlaubszeit aber sehr schwierig. Im Idealfall findet man jemanden, der im Urlaub regelmäßig in die Wohnung oder das Haus kommt und das Wasser laufen lässt. Vielleicht muss ohnehin jemand die Pflanzen gießen oder die Katze füttern, dann kann das gleich zusammen erledigt werden. Ist das nicht möglich, dann hilft nur, das Wasser nach der Rückkehr ausreichend lange laufen zu lassen und die Rohre dadurch ordentlich durchzuspülen. 

Und welche baulichen Maßnahmen gibt es, auf die Handwerker schon bei der Installation achten können?

Im Idealfall werden die Rohre für Warm- und Kaltwasser in getrennten Schächten verlegt. Es hilft zwar, die Rohre zu dämmen, wenn das Wasser allerdings länger stagniert, überträgt sich die Wärme vom Warmwasser auf das Kaltwasser. Die Trennung der Schächte ist zwar schon längst in den Normen verankert, leider wird das aber häufig missachtet.

Woran liegt das?

Am Geld. Zwei Schächte bedeuten, dass mehr Platz benötigt wird. Dadurch entsteht mehr tote Fläche, die von den Investoren nicht als Nutzfläche verkauft oder vermietet werden kann. Deshalb ist es lukrativer, die Rohre in einen Schacht zu legen und damit möglichst viel Fläche zu gewinnen. 

Bräuchte es hier gesetzliche Änderungen, damit die Empfehlung eingehalten wird?

Eine gesetzliche Änderung würde auf jeden Fall etwas bringen. Ich denke, dass man sich früher oder später sowieso genauer damit auseinandersetzen muss. Der Temperaturtrend geht nach oben, es gibt immer weniger Kalttage und die Sommer werden wärmer. Die Wärmeauswirkungen auf das Trinkwasser werden dadurch immer stärker, das bedeutet mehr Risiko für eine nachteilige Wasserqualität

Bei Neubauten kann diesem Problem mit guter Dämmung und getrennten Schächten vorgebeugt werden. Was aber soll mit der Trinkwarmwasser-Zirkulation in Bestandsgebäuden passieren?

Oft hilft hier nur das Gebäude zu entkernen und entsprechend neu aufzubauen. Viele Sünden lassen sich lindern und manche auch beheben, aber oft ist das die einzige Option. Im Bereich Wasserkühlung gibt es aber bereits einige spannende Technologien. Einerseits kann die Klimaanlage oder eine Kälteleitung auch für die Kühlung des Kaltwassers genutzt werden. Zum anderen kann auch Erdkälte eingesetzt werden, die das Trinkwasser auf seinem Weg durch das Gebäude kühlt. Daran wird momentan noch geforscht. Der Trend geht aber eindeutig Richtung Vermeidung der Trinkwassererwärmung und wenn der Klimatrend so anhält, bedeutet dies in Zukunft in großen Objekten gezielte Wasserkühlung.      

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