Technik im Krankenhaus

„Je informierter die Mitarbeiter, desto besser das Energiemanagement“

Die Tirol Kliniken haben sich ein ambitioniertes Ziel gesteckt: Bis 2035 sollen 50 Prozent des Energiebedarfs der Kliniken aus regenerativen Quellen stammen. Nachhaltigkeit in der Gebäudetechnik beginnt für Alois Radelsböck von den Tirol Kliniken schon bei der Planung eines neuen oder zu sanierenden Krankenhauses und zieht sich bis hin zu den einzelnen Mitarbeitern.

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Die Gebäude der Tirol Kliniken werden nachhaltig und zukunftsorientiert gestaltet.

Die Nachhaltigkeit eines Gebäudes beginnt bei der Planung und geht bis hin zu jedem einzelnen Mitarbeiter, ist Alois Radelsböck, Leiter der Abteilung Bau und Technik bei Tirol Kliniken, überzeugt. Vier Landeskrankenhäuser zählen zu dem Unternehmen. Wie diese Stück für Stück energieeffizienter werden und welche Gebäudetechnik dabei eine wichtige Rolle spielt, erklärt Alois Radelsböck im TGA-Interview.

TGA: Sie sprechen davon, dass die Nachhaltigkeit eines Gebäudes schon bei der Planung beginnt. Wie früh setzt man dabei aber wirklich an?

Alois Radelsböck: Das beginnt bereits im Wettbewerbsstadium, wenn Architekten sich für ein Bauwerk bewerben. Bereits dann muss der Bauherr genau wissen, was er mit dem Gebäude erreichen will. Er muss sich im Vorhinein Gedanken über die Gebäudehülle sowie die Prozesse im Gebäude machen. Wie werden die Wege im Gebäude am besten ausgelegt? Wie hoch soll der technische Ausstattungsgrad sein? Wie hocheffizient soll das Energiemanagement des Gebäudes sein? All das sind Aspekte, die schon von Beginn an beachtet werden müssen, damit ein Gebäude effizient errichtet und betrieben werden kann.

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TGA: Bleiben wir gleich bei der Gebäudetechnik: Welche Installationen können die Energieeffizienz eines Gebäudes besonders verstärken?

Alois Radelsböck: Am wichtigsten ist es, auf Niedertemperatur-Systeme zurückzugreifen. Für die Wärmeverteilung im Gebäude eignet sich deshalb eine Fußbodenheizung besonders gut. Diese kann im Sommer zusätzlich zum Kühlen genutzt werden. Da wir in Österreich immer heißere Sommertage und Tropennächte verzeichnen, steigt der Kühlbedarf enorm. Zukünftig ist damit zu rechnen, dass der Bedarf an Heizenergie etwas sinkt, dafür aber deutlich mehr Kühlenergie benötigt wird. Das muss natürlich auch in der Gebäudeausstattung bedacht werden. Außerdem sollte sich der Bauherr gleich zu Beginn überlegen, welche Energieform er verwenden möchte. Am umweltfreundlichsten ist es natürlich auf Wärmesysteme wie Geothermie oder die Wärmepumpe zurückzugreifen.

TGA: Welche dieser Energieeffizienz-Maßnahmen hat Tirol Kliniken auch wirklich umgesetzt?

Alois Radelsböck: Bei der Gebäudehülle haben wir uns intensiv mit der der richtigen Beschattung beschäftigt. Dabei wurde natürlich der Wärmedurchgangskoeffizient berücksichtigt, damit die Temperatur im Innenraum möglichst effizient reguliert werden kann. All unsere neuen oder sanierten Gebäude laufen außerdem mit Niedertemperatursystemen, über die geheizt und gekühlt wird. Früher gab es in einigen Gebäuden eine Deckenkühlen. Diese wurde nun durch die Kühlung über die Fußbodenheizung ersetzt. Gekühlt wird außerdem mit dem eigenen Brunnenwasser. Das etwa zwölf Grad kalte Wasser gibt die Temperatur über einen Wärmetauscher an das Wasser im Kühlsystem weiter. Damit werden dann Großgeräte sowie Räume gekühlt.

TGA: Und wie sieht es in Sachen Energiemanagement aus? Was machen die Tirol Kliniken in diesem Bereich?

Alois Radelsböck: Neben einer hocheffizienten Wärmerückgewinnungsanlage sowie den Niedertemperatursystemen achten wir auch auf eine organisatorische Energieeffizienz. Dafür holen wir unsere rund 8.500 Mitarbeiter mit ins Boot und klären sie über Energiesparmaßnahmen auf. Dafür haben wir zum Beispiel auch die Kampagne „5 Mal mehr Energie am Arbeitsplatz“ gestartet, wo wir unseren Mitarbeitern fünf Energiespartipps mit auf den Weg geben, durch die sich der Energieverbrauch der Landeskliniken spürbar reduzieren lässt.

TGA: Wie hoch sind diese Energieeinsparungen genau?

Alois Radelsböck: Der Energieverbrauch konnte nachweislich um zwei bis drei Prozent gesenkt werden. Das ist schon wirklich markant, wenn man bedenkt, dass dafür nur häufiger das Licht abgeschaltet und die Computer heruntergefahren werden mussten. Durch die elektronischen Geräte wird ja nicht nur Energie verbraucht, sondern auch Wärme erzeugt. Unachtsame Mitarbeiter erhöhen den Energieverbrauch somit gleich doppelt so stark. Wenn man seine Mitarbeiter nicht ordentlich aufklärt, kommt es bei energieeffizienten Geräten schnell zum sogenannten Rebound-Effekt. Tauscht man zum Beispiel alle Leuchtmittel durch LEDs aus, denken viele, dass die energiesparenden Lichter sowieso dauernd an sein können. Die Energieeinsparungen sind dann aber sehr gering. Deshalb informieren wir unsere Mitarbeiter, damit das Energiemanagement besser wird.

Am 23. Mai ist Alois Radelsböck zu Gast auf der Technik im Krankenhaus-Tagung der WEKA Industrie Medien. Dort wird er einen groben Überblick über energieeffiziente Gebäudetechnik geben und dann genauer auf die CO2-Bilanz von Krankenhäusern eingehen. Nähere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.

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