Energiemanagement

Kann ein Tool für Gebäudeautomation bei der Klimakrise helfen?

Die Alphabet-Tochter Sidewalk Labs bringt ein System für die Gebäudeautomation auf den Markt, mit der Städte Klimaziele leichter erreichen können sollen. Wie das ganz ohne personenbezogene Daten funktionieren soll, wo der größte Markt für das Tool zu sein scheint und warum Corona den Bedarf sogar verstärkt, lesen Sie hier.

Energiemanagement Gebäudeautomation Sidewalk Labs

Dass es vielen Städten nicht gerade leichtfällt, ihre Klimaziele einzuhalten, zeigt sich immer wieder – für Sidewalk Labs eine Geschäftsidee. Das Unternehmen mit Sitz in New York ist die städtische Innovationsorganisation des Silicon-Valley-Konzerns Alphabet. Vor kurzem stellte es sein neuestes Tool für die Gebäudeautomation vor.

Das System namens Mesa ist dazu gedacht, mittels Automation und basierend auf Echtzeitdaten die Energienutzung von Gewerbeimmobilien zu optimieren. Damit soll Städten geholfen werden, ihre Klimaziele eher zu erreichen – eine Aufgabe, die auch vermehrt Bauten mit kommerzieller Nutzung erteilt wird.

Besonders bei alten und kleineren Immobilien soll Mesa hilfreich sein, die Energiekosten um bis zu 20 Prozent senken und die Energienutzung an die geltenden Regulierungen anpassen. In zwei Bürogebäuden in New York wurde das Tool bereits als Pilotprojekt eingeführt. Sidewalk Labs sieht sich nun nach weiteren Partnern um.

White Paper zum Thema

„Gewerbeimmobilien haben eine übergroße Umwelteinwirkung auf Städte“, sagen Rachel Steinberg, Produktmanagerin, und Jenny Chen, Datenwissenschafterin bei Sidewalk Labs, in einem Blogpost über Mesa. „Lokale Energiestandards verschwinden nicht einfach und die Weltklimakrise ebenso wenig – während aber Städte mit wenig Budget nicht die Ressourcen haben, ältere Gebäude fit für immer strengere Anforderungen zu machen.“

Laut Sidewalk Labs machen beispielsweise in New York Gewerbeimmobilien 15 Prozent der Nutzfläche aus, sind gleichzeitig aber für fast 30 Prozent der Treibhausgasemissionen im Gebäudesektor verantwortlich. Ein aktueller Bericht des Urban Land Institutes und des Rocky Mountain Institutes zeigt jedoch, dass Upgrades im Energiemanagement – in vielen Städten bereits zu einem gewissen Maße verpflichtend – besonders für ältere und kleinere Immobilien teuer und herausfordernd ist.

„Übergroße Umwelteinwirkung“

Für speziell solche Bauten soll Mesa gedacht sein. Energiesensoren sammeln Informationen zur Büronutzung, etwa Raumbelegung und Temperatur. Das automatisierte System kann Heizung und Kühlung steuern, ungenutzte Steckdosen ausschalten und im Falle einer nötigen Wartung das entsprechende Personal verständigen.

Das Tool kann außerdem erkennen, wenn Frischluft notwendig ist und für mehr Ventilation sorgen. Kameras werden für die Datenerhebung nicht verwendet. Alle gesammelten Daten sind nicht-personenbezogen. So erfasst das System auch nur, ob ein Raum belegt ist oder nicht, jedoch nicht, wie oft und lange er belegt ist. Individuen können von Mesa nicht erkannt werden, betont der Hersteller.

Auch externe Daten können eingearbeitet werden, wie etwa das Wetter, sodass Überhitzung oder Unterkühlung von Räumen vermieden werden.

„Energiemanagement mag vielleicht nicht die dringendste Aufgabe für Gewerbeimmobilienbesitzer und -mieter sein, wenn man sich in Zeiten von Covid-19 die unsichere Zukunft von Büros ansieht“, so Steinberg und Chen. Doch eben aufgrund steigender finanzieller Unsicherheit durch die Pandemie, seien leistbare Tools wie Mesa jetzt gebrauchter denn je.

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