Building Information Modeling

So entwickelt sich BIM in der SHK-Branche

Bei der Verwendung von BIM hinken deutsche SHK-Unternehmen deutlich hinterher. Nur fünf Prozent der Handwerker sind aktuell in der Lage nach BIM zu arbeiten. Woran das liegt und welche Chance diese Unternehmen verpassen, lesen Sie hier.

Die Nutzung von BIM ist in der deutschen SHK-Branche noch deutlich ausbaufähig.

Welche Bedeutung hat Building Information Modeling BIM für die deutsche SHK-Branche? Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima ZVSHK hat diese Frage zusammen mit der Unternehmensberatung Munich Strategy in einer neuen Studie untersucht. Befragt wurden 1.400 Akteure der deutschen SHK-Branche – Hersteller, Handwerker und Architekten.

Die gemeinsame Untersuchung zeigt: BIM wird sich auch in der SHK-Branche langfristig durchsetzen. Während die Arbeitsmethode BIM in westeuropäischen Ländern wie Großbritannien und den Niederlanden schon weit verbreitet ist, gehört Deutschland allerdings bei der Nutzung bisher nur zu den Schwellenländern. Das soll sich jedoch bald ändern. Immer mehr Auftraggeber sollen auf BIM setzen, denn Vergleiche zwischen BIM-Gebäuden und Gebäuden, die auf traditionelle Weise gebaut werden, mache deutlich: Die Nutzung von BIM könne die Gesamtkosten im Lebenszyklus um bis zu 30 Prozent reduzieren. Wichtig dafür sei allerdings ein einheitliches Verständnis von BIM und darauf aufbauend Standards zur Anwendung.

Unterschiedliche Akzeptanz

Ein weiteres Ergebnis der Studie offenbart, dass BIM in den einzelnen Gruppen der SHK-Branche sehr unterschiedlich behandelt und verstanden wird. Die Akzeptanz sinkt entlang der Wertschöpfungskette. Während 46 Prozent der Hersteller und 37 Prozent der Architekten und Planer nach eigener Einschätzung aktuell dazu in der Lage sind, nach BIM zu arbeiten, gaben dies bei den Handwerkern nur fünf Prozent an. Nur ein Viertel der Handwerksbetriebe wurde überhaupt bereits mit BIM konfrontiert – obwohl sich die Hälfte aller Betriebe an öffentlichen Ausschreibungen beteiligt, die ab 2020 das Arbeiten nach BIM voraussetzen. Der erhöhte Mehraufwand sowie technische Herausforderungen werden in allen drei Gruppen als wichtigste Gründe genannt, BIM nicht zu nutzen. Gleichzeitig erkennen BIM-Nutzer eine Steigerung der Effizienz im Vertriebs-, Planungs-, Kommunikations- und Verarbeitungsprozess.

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© ZVSHK

Analoge Kanäle wie E-Mail und Telefon beherrschen nach wie vor die SHK-Branche. Plattformbasierte Funktionen wie Portale oder Ausschreibungstools, die für BIM Voraussetzung sind, verwenden nur 36 Prozent der Hersteller, neun Prozent der Architekten und 18 Prozent der Handwerker. Auch bei der Frage, ob BIM die Entscheidungsprozesse in der Branche verändert, zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Gruppen. Während 40 Prozent der Hersteller davon ausgehen, dass BIM eine Chance für neue Anbieter im Markt ist, sehen dies nur zwei Prozent der Architekten. Fazit der Studie: BIM ist derzeit Schlagwort und Treiber des Digitalisierungsprozesses im SHK-Bereich. Digitalisierung ist aber mehr. Sie verändert Rollen und Geschäftsmodelle. Es gilt neue Datenpool-Modelle zu etablieren, die es Herstellern ermöglichen, ihre Produkte einer breiteren Zielgruppe anzubieten. Solange die Architekten ihren Selektionsprozess nicht verändern, wird der Mehrwert für die Industrie allerdings gering sein.

Die Zukunft von BIM

SHK-Unternehmen, die sich heute intensiv mit dem Thema BIM beschäftigen, wahren ihre Chance, an der zukünftigen Entwicklung erfolgreich zu partizipieren. Für die restlichen Akteure wird sich das Wettbewerbsumfeld laut der Studie mittelfristig stark verändern. Sie werden sich zwangsläufig auf Teilsegmente des Marktes wie den privaten Wohnbau sowie Renovierungs- und Reparaturarbeiten konzentrieren müssen, in denen BIM zunächst noch keine Rolle spielen wird. Die Studie entwirft das Szenario, dass bis zum Jahr 2030 75 Prozent aller Bauvorhaben nach BIM umgesetzt werden, da neben dem öffentlichen Bereich auch große gewerbliche Investoren BIM einfordern werden.