Stimmen aus der Branche

So gehen Installateure und Gebäudetechniker mit dem Coronavirus um

Ein Normalbetrieb ist derzeit in keinem Unternehmen der Branche denkbar. Die interne Kommunikation muss großteils digital stattfinden und auch in den Produktionsstätten gibt es einige Änderungen. TGA hat Installateure und Gebäudetechniker gefragt, wie sie mit der Coronavirus-Krise umgehen.

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In den meisten Produktionsstätten wird versucht, so normal wie möglich weiterzuarbeiten. Das Coronavirus wirkt sich aber spürbar auf den Arbeitsalltag der Branche aus.

Es ist die wohl größte Ausnahmesituation, die die heimischen Unternehmen derzeit bewerkstelligen müssen. Das Coronavirus SARS-CoV-2 breitet sich rasant aus: In Österreich sind derzeit rund 1.500 Personen mit dem neuartigen Virus infiziert, in Deutschland gibt es mit aktuellem Stand über 8.000 bestätigte Fälle. Erste virusbedingte Umsatzverluste sind bereits spürbar – nicht nur beim Bierhersteller Corona. In der SHK-Branche wirken sich vor allem die fehlenden Messen auf die Präsenz und damit auch den Vertrieb der Firmen aus. „Das Virus schlägt sich bei rund 80.000 Besucherinnen und Besuchern mit einem Minus von rund 18 Prozent nieder“, resümiert Robert Schneider, Geschäftsführer der Messe Wels, zur Energiesparmesse 2020. 

Auch der Alltag der Hersteller hat sich verändert. Den Unternehmen bleibt derzeit wenig Handlungsspielraum, sie müssen sich an die Anweisungen der Regierung halten. Die Geschäfte und Schauräume müssen geschlossen bleiben und die Mitarbeiter sollen weitestgehend im Homeoffice arbeiten. Für den Anbieter von Smart Home Systemen Loxone ein Heimspiel: „Da wir ein international und digital agierendes Unternehmen sind, sind wir bereits seit letzter Woche Mittwoch in diesem Arbeitsmodus. Dies konnte rasch ohne großen Aufwand umgestellt werden“, erklärt Loxone-Chef Rüdiger Keinberger.

Kein Kontakt unter Mitarbeitern

Auch an den Produktionsstätten gilt es gewisse Richtlinien einzuhalten, die laut Christian Buchbauer, Marketingleiter bei Geberit, mittlerweile ohnehin „State of the Art“ sind: „In unserer Produktion gelten die gängigen Hygienevorschriften: Regelmäßiges Händewaschen und -desinfizieren, Ansammlungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gilt es zu vermeiden und die Schichtübergabe läuft bei uns nun ohne direkten Kontakt ab. Ich denke, dass diese Regeln bereits viele Unternehmen beherzigen.“ Zumindest bei Loxone werden diese Hygiene-Standards eingehalten, wie Keinberger erklärt: „Im Lager und in der Logistik fahren wir in getrennten Schichtmodellen. Dort haben wir höchste Hygienestandards eingeführt.“

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Spürbar schwierig ist Einschätzung der wirtschaftlichen Folgen für die jeweiligen Unternehmen. Deutliche Prognosen abzugeben, traut sich derzeit noch kein Unternehmen. Bei Loxone laufe derzeit aber noch alles nach Plan, meint Keinberger: „Wir sind in unserer Lieferfähigkeit voll aufrecht. Durch die hohe Wertschöpfung inklusive Produktionsstandorte in Europa gibt es aktuell keine Einschränkungen in der Lieferfähigkeit. Wir evaluieren natürlich täglich die Maßnahmen für das Unternehmen neu.“ Eine Einschätzung der generellen Auswirkungen kann man bei Geberit derzeit noch nicht abgeben, Buchbauer ist aber zuversichtlich: „Wir produzieren nach wie vor und sind derzeit auch weder bei der Zulieferung noch beim Personal eingeschränkt.“ Als gewöhnlichen Zustand könne man die derzeitige Situation nicht betrachten, bei Geberit sei man jedoch bemüht, den Normalbetrieb weitestgehend fortzuführen: „Wir versuchen den Produktions- und Geschäftsbetrieb so normal und so lange wie möglich aufrecht zu erhalten“, meint Christian Buchbauer gegenüber TGA. 

Installateur-Notdienste werden forciert

Trotz geschlossener Geschäfte sind die Installateure weiterhin erreichbar und auch der österreichweite Notruf des Marketingverbands 1a-Installateure ist aktiv, so Geschäftsführer Paul Apfelthaler. „Wir evaluieren täglich die Auswirkung der Krise auf unsere Branche beziehungsweise auf die 1a-Installateure. Natürlich gibt es aufgrund der Bestimmungen der österreichischen Bundesregierung veränderte Situationen. Es ist aber noch zu früh, präzise zu sagen, wie sich das umsatztechnisch auswirkt. Kein Mensch weiß mit Sicherheit, wie lange das dauern wird“, kommentiert Apfelthaler die hohe Unsicherheit der Situation. Die österreichischen Baustellen dürfen weiterhin betrieben werden und auch akute Schadensbehebungen bei Strom, Wasser und sind weiterhin zulässig, da sie als Notfall-Dienstleistungen gelten. Wartungen und Reparaturen durch Installateure dürfen damit weiterhin durchgeführt werden. 

Dennoch, es ist keine normale Situation, in der sich die TGA-Branche und damit Installateure und Gebäudetechniker derzeit befinden. Rüdiger Keinberger beobachtet vor allem den internationalen Umgang mit dem Virus mit Sorge: „In Österreich sind wir auf einem soliden Weg. International gibt es unterschiedliche Zugänge. Wir wissen nicht, was uns die Zukunft etwa in Amerika bringen wird. Wichtig wird sein, wie wir mit den sich täglich veränderten Situationen umgehen. Das erfordert natürlich eine hohe Anpassungsfähigkeit, die wir bis dato gut erfüllen konnten.“

Wie gehen Sie in Ihrem Unternehmen mit den Auswirkungen des Coronavirus um? Welche Folgen erwarten Sie für Ihren Betrieb? Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen auf Facebook mit! 

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