Aus TGA 5: Facility Management

Stadien und Sportanlagen zu Coronazeiten

In den letzten Monaten waren Stadien und Sportanlagen geschlossen, auch im Spitzensport galten strenge Regeln. Das Resultat: Dort, wo sich üblicherweise Menschenansammlungen drängten, herrschte gähnende Leere. Nicht nur der finanzielle Ertrag, sondern auch das Trinkwasser in den Leitungen stagnierten.

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Werden Teile einer Hausinstallation als Folge fehlender oder zu geringer Entnahme nicht ausreichend durchströmt, werden sie als Totleitungen bezeichnet. Das von ihnen ausgehende Risiko hängt von zahlreichen Faktoren ab. Besonders heikel ist das stehende Wasser in einem Temperaturbereich zwischen 25 und 45 °C, denn in diesem finden Bakterien optimale Bedingungen zur Vermehrung. Um den gefährlichen Temperaturbereich zu vermeiden, gibt die Trinkwasserverordnung als Indikatorparameter eine Maximaltemperatur von 25 °C vor. Für Warmwasser in Stadien und Sportanlagen sind sowohl in der ÖNORM B 5019 als auch in der ÖNORM B 5021 Mindesttemperaturen festgelegt. Steht das Wasser allerdings in den Leitungen, so gleicht sich dessen Temperatur an die Umgebungstemperatur an. Dies lässt sich selbst durch die beste Dämmung nicht verhindern, sondern nur um wenige Stunden verzögern.

Duschen als potentieller Übertragungsort

Bei Nutzungsunterbrechungen von mehreren Tagen hat die Dämmung daher keinen relevanten Einfluss auf das Temperaturverhalten des stehenden Wassers. Dies kann rasant die Vermehrung von gefährlichen Mikroorganismen, wie beispielsweise Legionellen oder Pseudomonaden, fördern. Gerade in der aktuellen Coronasituation ist auf Legionellen besonders zu achten, denn auch sie können eine tödliche, mit hohem Fieber einhergehende Lungenerkrankung auslösen. Die Übertragung erfolgt wie bei COVID über feinste Aerosole. Besonders exponiert sind daher Duschen, die längere Zeit nicht oder nur unzureichend genutzt wurden. Genau diese sind in vielen Stadien und Sportanlagen derzeit vorzufinden.

Um seine hervorragende Qualität nicht zu verlieren, muss das Trinkwasser frisch sein. Betriebseinschränkungen und Schließungen, wie aktuell während der Coronakrise, verursachen Stagnation und haben so einen negativen Einfluss auf die Trinkwasserhygiene. Um dies zu verhindern, fordert die ÖNORM B 5019 Spülmaßnahmen zur Sicherstellung eines regelmäßigen Wasseraustauschs. In der Praxis werden diese Spülungen oft noch durch personalintensives manuelles Öffnen und Schließen der Armaturen durchgeführt. Doch dies ist nicht mehr zeitgemäß, denn es entstehen hohe Personalkosten und die Spülmengen sind in den meisten Fällen völlig undefiniert. Darüber hinaus sind unterlassene Spülungen aufgrund von Feiertagen, Urlauben und Krankenständen organisatorisch kaum zu verhindern. Händisches Spülen ist ein vermeidbarer Risikofaktor.

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Automatische Freispülung

Genau an diesem Punkt setzen automatische Spülsysteme an: Sie spülen möglichst nahe dem Point-of-Use das belastete Stagnationswasser aus und stellen so den regelmäßigen Wasseraustausch sicher. Damit werden auch die letzten Meter bis zu den Entnahmestellen sicher erfasst. Bei modernen Systemen erfolgt die Freispülung bedarfsgerecht mit dem geringstmöglichen Wassereinsatz nur bei Betriebsunterbrechung und unzureichender Nutzung, bei ausreichender Entnahme wird kein zusätzliches Wasser verschwendet. Alle Spülvorgänge werden dokumentiert, um im Falle des Falles den bestimmungsgemäßen Betrieb auch nachweisen zu können. Damit sichern diese Systeme die Verantwortlichen für das Facility Management rechtlich ab, machen den gefährlichen Legionellen und Pseudomonaden das Leben schwer und sind in der Lage, die Trinkwasserhygiene nachhaltig zu verbessern.

Fazit

Die Auswirkungen des Lockdowns sind weitreichend. Durch den eingeschränkten Betrieb von Stadien und Sportanlagen stagniert das Wasser in den Leitungen und wird zu einer Gefahr für Sportler und Besucher. Automatische Spülsysteme helfen, die Trinkwasserhygiene in den Hausinstallationen zu gewährleisten und die Verantwortlichen des Facility Managements rechtlich abzusichern.