Überflutung

Wie China mit Sponge-Cities für mehr Sicherheit und bessere Wassernutzung sorgen will

Im Juli 2012 war die chinesische Stadt Beijing einer fürchterlichen Naturkatastrophe ausgesetzt. Aufgrund einer Sturzflut mussten 56.933 Menschen evakuiert werden, 79 Personen starben. Wie das Land solche Katastrophen zukünftig verhindern will.

China hat aus den Überflutungen der letzten Jahre gelernt.

In Städten kann starker Regen schnell zum Problem werden: Durch den hohen Anteil an verbauter Fläche kann das Wasser nicht versickern und fließt in die Kanalisation. Diese ist jedoch meist schnell erschöpft, wodurch ein Rückstau des Wassers ausgelöst wird und das Wasser zurück auf die Straße gelangt. Bei längerem Regenfall kann das Wasser sogar in die Häuser eindringen und Sturzfluten auslösen. In China haben die Städte dabei besonders häufig mit solchen Sturzfluten zu kämpfen. 2012 verursachten Überflutungen in Beijing und 2016 in Wuhan, Nanjing und Tianjin gewaltige Schäden. 

Extreme Hitze durch fehlenden Rasen

Doch auch im Sommer ist die hohe Flächenversiegelung problematisch. Glas-, Stahl-, und Betonfassaden speichern durchgehend die Wärme der Sonne und bilden dadurch urbane Hitzeinseln. Extreme Temperaturen und langanhaltende Trockenheit sind die Folgen. Eine natürliche Kühlung durch verdunstetes Wasser ist nicht möglich. Normalerweise regeln Grünflächen die Wasserbilanz aus Niederschlag, Verdunstung und Versickerung. Daran hat sich China nun ein Beispiel genommen und ein Pilotprojekt in Shanghai gegründet. Mehrere Stadtteile werden Teil der Sponge-City Initiative. Zahlreiche Bäume, Gärten und Wiesen werden dort angelegt, um das natürliche Wassermanagement zu unterstützen. 

Vor allem in älteren Vierteln gestaltet sich die Durchsetzung jedoch schwierig. Die Stadt nutzt deshalb auch begrünte Dächer, die Wasser aufnehmen und Straßen damit vor Sturzfluten schützen sollen. Beim Bau neuer Wohngebiete wird außerdem auf eine sehr ausgeprägte Schwammfunktion geachtet, damit die niedrige Wasseraufnahme älterer Viertel kompensiert werden kann.

White Paper zum Thema

Regierung fördert Ausbau

Ziel der Regierung in Shanghai ist es 400.000 Quadratmeter an Dachgärten zu errichten. Bis 2020 sollen 20 Prozent der bebauten Regionen in den Pilotvierteln mit Schwammfunktionen ausgestattet sein. Damit können rund 70 Prozent des Regenwassers gesammelt und wiederverwendet werden. Bis 2030 sollen sogar 80 Prozent aller chinesischen Städte dieses Ziel erfüllen. Für die Integration von Grünflächen und Schwammfunktionen in ihre Bauprojekte werden die öffentlichen Auftraggeber finanziell unterstützt.

Schwammstadt Berlin

Ganz nach dem Vorbild der Chinesen soll auch Berlin zu einer Schwammstadt werden. Am Potsdamer Platz werden bereits 85 Prozent des Regens auf begrünten Dächern, in Zisternen oder Teichen festgehalten. Auch die restlichen Teile Berlins sollen nun ergrünen: Parkflächen und Zufahrten sollen entsiegelt und mit Rasengittersteinen ausgestattet werden. Die Fläche zwischen Straßenbahngleisen können zusätzlich als Grünstreifen genutzt werden. Und auch Dächer und Straßenränder sollen für die Wasseraufnahme genutzt werden. 

https://youtu.be/_elnqk_GQgU

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