Smart Office : Vernetzte Gebäudetechnik: Von der Kaffeemaschine bis zum Türöffner

© Edge Technologies

Etwas außerhalb des Stadtzentrums Amsterdams befindet sich das Edge Olympic, ein Gebäude das nicht nur einen außergewöhnlichen Namen trägt, sondern auch außergewöhnliche Gebäudetechnik beinhaltet. Obwohl das Bürogebäude nur wenig mit den olympischen Spielen verbindet, hat es doch eine Spezialdisziplin: Die Raumluft. In jedem Winkel von Edge Olympic befinden sich Sensoren, die neben herkömmlichen Parametern wie Luftfeuchtigkeit und Temperatur auch den CO2-Gehalt und die Lichtverhältnisse dokumentieren. Insgesamt befinden sich über 15.000 Sensoren im Gebäude. „Vor allem für Asthmatiker spielt die Luftqualität eine große Rolle. Durch Möbelstücke und Reinigungsmittel befinden sich verschiedene Partikel in der Luft, die die Raumluftqualität stark beeinflussen können“, erklärt Erik Ubels, Technikvorstand des niederländischen Unternehmens Edge Technologies, im Gespräch mit TGA.

Digitale Raumluftsteuerung

Auch Nicht-Asthmatiker werden von schlechter Raumluft beeinflusst, vor allem Produktivität und Konzentration lassen dadurch schnell nach. „Sobald die Sensoren feststellen, dass die Luftbedingungen in einem Raum nicht gut genug sind, wird durch die Lüftungsanlage frische Luft von außen in das Gebäude geleitet“, erklärt Ubels. Auch die Lichtverhältnisse haben Auswirkungen auf den Komfort eines Raums, weshalb die Sensoren auch messen, ob genug Tageslicht durch die Fenster fällt. Je nach Bedingungen wird die Beschattung dann geöffnet oder geschlossen. Gleichzeitig messen Infrarotthermometer die Temperatur im Raum. „Durch diese Technologie wird die Temperatur nicht rund um die Sensoren und damit an der Decke, sondern direkt am Arbeitsplatz gemessen. Wir können damit viel präziser bestimmen unter welcher Temperatur die Mitarbeiter gerade tätig sind“, so der Experte.

Vernetzt von der Kaffeemaschine bis zum Türöffner

Die intelligente Kommunikation aller Sensoren erfolgt über ein IP-Backbone. Egal ob die Sensoren, die Kaffeemaschine oder der Türöffner – alle Komponenten stehen miteinander im Austausch und kommunizieren über dasselbe Netzwerk. Die Daten werden in einer Cloud-Umgebung eingebettet und visualisiert. So kann zu jeder Zeit überprüft werden wie das Gebäude arbeitet und wo Verbesserungspotenzial besteht.

Auch um den Brandschutz haben sich die Planer von Edge Olympic intensiv Gedanken gemacht. Bei den Möbeln wurde deshalb darauf geachtet, dass so feuerresistente Materialien wie möglich verwendet werden. Im Gesamten Gebäude befindet sich außerdem eine Sprinkleranlage. „Dieses System ist zwar sehr aufwändig und teuer, doch im Ernstfall lohnt es sich“, meint Erik Ubels.

The Edge

Edge Olympic ist dabei nicht das erste Gebäude des niederländischen Unternehmens. 2014 trumpften Erik Ubels und sein Team bereits mit The Edge, dem angeblich nachhaltigsten Gebäude der Welt, auf. Bei den niederländischen Gebäudeanalyse-Experten BREEAM-NL kommt The Edge auf einen Nachhaltigkeitswert von 98,36 Prozent. Wie auch beim großen Bruder Edge Olympic werden beim ersten Gebäude von Edge Technologies Licht und Wärme der Sonne mittels Glasfassaden optimal genutzt. Auf der Südseite des Gebäudes befinden sich Solarpaneele, die einerseits Energie erzeugen und gleichzeitig als Schutz vor Erhitzung dienen.

https://youtu.be/JSzko-K7dzo

Bei der neuen Edge-Version wurden einige Konstruktionen des ersten Gebäudes übernommen, vieles wurde aber auch verbessert. „Bei The Edge mussten wir noch auf viele unterschiedliche Sensoren von verschiedenen Unternehmen zurückgreifen. Dadurch hat die Technologie nicht perfekt zusammengespielt und das Gebäude war weniger vorausschauend. Bei Edge Olympic haben wir gemeinsam mit großen Unternehmen wie Schneider Electric und Philips eigene Sensoren, die perfekt auf das Gebäude abgestimmt sind, entwickelt“, so Ubels. Außerdem konnten im neuen Gebäude bereits die Nutzerdaten des ersten Projekts herangezogen werden. „Wir haben uns die historischen Daten von The Edge angesehen und analysiert was den Nutzern wichtig ist. Dadurch konnten wir die Energieperformance gegenüber einem herkömmlichen Gebäude um 50 bis 70 Prozent verbessern“, erklärt der Experte.

Individueller Arbeitsplatz per App

Die Nutzer stehen bei Edge Technologies an erster Stelle. Deshalb kann mit einer App jeder Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz personalisieren. Lichtverhältnisse und Temperatur können so individuell verändert werden. Außerdem erhält jeder App-Nutzer Live-Daten zu den aktuellen Luftbedingungen im Raum. Mit derselben App erhalten die Mitarbeiter Zugang zum Gebäude und Informationen zu freien Meeting-Räumen oder Arbeitsplätzen. Außerdem können per Smartphone alle Kollegen lokalisiert und kontaktiert werden.

Rund 1,5 Jahre lang wurde das Gebäude geplant, zwei Jahre dauerte der Bau selbst. Bei der Planung legten das Team von Edge Technologies und die Architekten nicht nur Wert auf die Intelligenz des Gebäudes, sondern auch auf die Nachhaltigkeit. „Wir haben uns sowohl auf die Fertigstellung von Edge Olympic konzentriert, als auch auf den gesamten Gebäudekreislauf. Deshalb wurde einerseits mit nachhaltigen Materialien gearbeitet, andererseits haben wir die Gebäudetechnik so konzipiert, dass das Objekt mitlernt und selbstständig intelligenter wird“, erklärt Ubels. Bei der Installation wurde außerdem darauf geachtet, die Kabel so effizient wie möglich zu verteilen. Dadurch werden Ressourcen wie Kupfer eingespart. Zudem gibt es zu allen Materialien einen eigenen Pass, der dokumentiert wie viel von einem Material verwendet wurde und wie es später weiterverwendet werden kann. Nach der langen Planungs- und Bauphase ging Edge Olympic 2018 in Betrieb und bietet nun jungen Unternehmen genug Platz und angenehme Raumluftbedingungen, um effizient zu arbeiten.