Planer im Porträt: Johann Ettel : Beistand beim Brandschutz
Johann Ettel, Gründer und Geschäftsführer von ADSUM
- © ADSUMFür die Übersetzung des Firmennamens ADSUM aus dem Lateinischen braucht es zum Glück keinen Stowasser, die Erklärung liefert Gründer und Geschäftsführer Johann Ettel frei Haus: „Ich bin da, ich stehe bei.“ Kurz und prägnant, wie auch Ettel selbst, dessen präziser Sprache man den allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen für Brandschutzwesen durchaus anmerkt. Seit mehr als 20 Jahren ist sein Ingenieurbüro ADSUM unter dem Motto „Wir gestalten Sicherheit – vor dem Brand für Sie“ im Brandschutz tätig und zählt am Wiener Hauptstandort und einer Außenstelle in Linz insgesamt 14 Mitarbeitende.
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Wir sind in allen Bereichen des Brandschutzes tätig.
Weniger Großprojekte, mehr Sanierungen
Ob Planung, betrieblicher Brandschutz, Brandschutzorganisation oder sogar Ausbildungen – „wir sind in allen Bereichen des Brandschutzes tätig“, wie Ettel erklärt. Auch Anlagentechnik wie Brandmeldeanlagen, Sprinkleranlagen, Gaslöschanlagen und Co. konzipiert, plant und überprüft das Ingenieurbüro. Zudem ist ADSUM im Brandschutzmanagement tätig und unterstützt Unternehmen bei der Einführung von Brandschutzmanagementsystemen. Als zugelassene Ausbildungsorganisation für betriebliche Brandschutzorgane ist die hauseigene Sicherheitsakademie auch zur Ausstellung bzw. und Verlängerung des Brandschutzpasses berechtigt.
Als umsatzstärksten Zweig von ADSUM benennt Ettel die Brandschutzplanung. Grund dafür seien zahlreiche Großprojekte wie etwa der Austria Campus, der über einige Jahre hinweg die größte Hochbau-Baustelle in Österreich war. Dementsprechend hat ADSUM die Neubauflaute zu spüren bekommen. „Neue Großprojekte sind eher zurückgegangen. Stattdessen sind aber viele Umbauten, Sanierungen, Renovierungen im Gange.“ Umsatztechnisch sei es dadurch zu keinen groben Einbußen bekommen, die Art der Projekte habe sich aber verändert, wie der Bauingenieur zusammenfasst.
Direkt aus der Praxis
Ettel selbst bewegt sich bereits seit über 40 Jahren in der Brandschutzbranche. Auf eine Ausbildung zum Bauingenieur folgten über 30 Jahre als Offizier der Wiener Berufsfeuerwehr. „Ich habe mich schon im Zuge meiner Tätigkeit bei der Berufsfeuerwehr sehr stark mit Brandschutz befasst und war auch viele Jahre in der Prüfstelle für Brandschutz tätig“, fasst er zusammen. Dort habe er reichlich Erfahrung sammeln können, bevor er 2002 mit ADSUM den Schritt in die Selbstständigkeit machte.
Vom Schilfdach zum Kaufhaus Lamarr
Warum dem Ingenieurbüro sein guter Ruf vorauseilt, wird an den zahlreichen Projekten ersichtlich, in die ADSUM bereits involviert war. Neben der Karlskirche, dem Schulzentrum Gloggnitz, dem MedCampus Linz und vielen mehr war ADSUM auch in das Großprojekt Kaufhaus Lamarr involviert. Mit der Signa-Pleite kam der Rückschlag für das Ingenieurbüro. „Nun hat bekanntlich die Stumpf-Gruppe übernommen und wir haben das Glück, dass wir dort wieder im Planungsteam sind und weiterarbeiten können“, verrät Ettel.
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In Weiden am See in Burgenland wirkte ADSUM ebenfalls federführend dabei mit, zuerst ein Einfamilienhaus und in Folge auch eine Hotelanlage mit Schilfdächern zu verwirklichen. Denn obwohl die Schilfdächer die entsprechende Bandprüfung nicht bestehen, konnten die Projekte nach einem Vergleich von unterschiedlichen Schilfdächern, Brandversuchen und Strahlungsberechnungen genehmigt werden. „Glücklicherweise erlaubt die OIB-Richtlinie es, die Schutzziele auf alternativem Weg zu erreichen. Und hier kommen wir mit unserer Brandschutz-Expertise ins Spiel. Das sind zwar sehr kleine, dafür aber sehr auffällige Projekte“, zeigt sich Ettel stolz. Das Projekt wurde prompt mit dem Bauherr*innenpreis 2024 ausgezeichnet.
Grundsätzlich sollten sich Brandschutzingenieure nicht nur auf das Ausrollen von Richtlinien beschränken, sondern wirklich Ingenieursarbeit leisten und diese Methoden beherrschen.
Nicht nur Richtlinien ausrollen
Die Möglichkeit, im Rahmen der OIB-Regelungen bei korrekter Nachweisführung auch von den Vorgaben abweichen zu können, werde zudem immer gefragter, wie der Planer weiß – „weil man eben die Möglichkeit hat, ein bisschen flexibel zu agieren und nicht mehr nur mit 100 Prozent Vorschriften arbeiten muss“. Hier kommt die Ingenieurmethode Brandsimulation ins Spiel, entweder für Situationen, die nicht durch die Norm berücksichtigt wurden oder wenn die Anwendung der Norm aus ästhetischen, bautechnischen oder anderen Gründen nicht möglich ist.
„Meiner Ansicht nach gehört es zur Tätigkeit von Brandschutzingenieuren, solche Methoden anwenden und auch prüfen zu können. Grundsätzlich sollten sich Brandschutzingenieure nicht nur auf das Ausrollen von Richtlinien beschränken, sondern wirklich Ingenieursarbeit leisten und diese Methoden beherrschen“, ist Ettel überzeugt. Seit 2023 engagiert er sich daher im Vorstand des Vereins SFPE Austria.
Die Brandschutzplanung ist eine richtige Querschnittsmaterie und wirklich Spezialistentum.
SFPE Austria – Verein für Brandschutzingenieurwesen
SFPE Austria ist das österreichische Chapter der Society of Fire Protection Engineers. Die Vereinigung mit Sitz in den USA ist in über 70 Ländern mit mehr als 5.500 Mitgliedern aktiv. Erklärtes Ziel des österreichischen Vereins ist es, das Brandschutzingenieurwesen hierzulande zu stärken – und die Brandschutzplanung auf ein neues wissenschaftliches Fundament zu stellen.
„Wir sind jetzt um die 20 Mitglieder in Österreich und kooperieren sehr eng mit unseren Kollegen in Deutschland und der Schweiz“, so Ettel. Aus der Zusammenarbeit ging bereits eine neue Richtlinie für die Anwendung von Ingenieurmethoden im Brandschutz hervor. Obwohl es zum Thema bereits viel Forschung gäbe, seien in Österreich noch nicht ausreichend Handlungsanweisungen verfügbar gewesen, was die Anwendung und Prüfung von Brandschutz-Simulationen betrifft.
Mitglieder des Vereins haben außerdem das Leistungsbild Brandschutz, das eine Basis für die Aufgaben der Planungsarbeit schafft, aktiv mitgestaltet. Das sei deshalb so wichtig, weil „die Brandschutzplanung eine richtige Querschnittsmaterie ist und wirklich Spezialistentum ist“, wie Ettel abschließend hervorhebt. Gerade deshalb braucht es klare Wegweiser – und Fachleute, die diese auch weiterentwickeln.