Teurer Wasserverbrauch : Der große Bluff: Warum die Plastikbälle in kalifornischen Seen doch nichts gegen die Wassernot nützen

Kalifornien ist der drittgrößte Staat der USA und wird von drei verschiedenen Klimazonen überdeckt. Während die Westküste Kaliforniens an den Pazifik grenzt, beherrschen Wüsten den Südosten des Staats. Und auch der restliche Teil von Kalifornien ist von trockenem und warmen Klima beeinflusst. Mit 2011 begann in Kalifornien eine ungewöhnlich starke und lange Dürrephase. In Teilen des Staats herrschte eine außergewöhnlich lange Trockenzeit und 2013 war das trockenste Jahr Kaliforniens seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1895. Schnelle Lösungen waren gefragt.
Ein vermeintlich guter Plan
Um ein Wasserreservoir in der Nähe von Los Angeles vor der Dürre zu schützen, wurden 2015 96 Millionen schwarze Plastikkugeln in den See gerollt. Die apfelgroßen Bälle bedecken nun das Wasser und schützen es so vor Verdunstung und chemischen Schadstoffen. Die sogenannten Shade Balls schirmen Sonneneinstrahlungen ab, wodurch das Wasser gekühlt wird und nicht so schnell verdunsten kann. Rund 1,15 Millionen Kubikmeter Wasser sollen so jährlich vor dem Verdunsten geschützt werden.
Forscher um Erfan Haghighi vom Massachusetts Institute of Technology MIT in Cambridge berechneten nun aber den Wasserverbrauch der Produktion der Plastikbälle. Für die Produktion der 96 Millionen Shade Balls werden, je nach genauer Zusammensetzung des Plastiks, bis zu 2,9 Millionen Kubikmeter Wasser benötigt. „Die Shade Balls rentieren sich nur dann, wenn sie mehrere Jahre im Wasser bleiben. Über einen längeren Zeitraum ist jedoch mit starken Abnutzungen an den Kugeln aus Plastik zu rechnen, wodurch zusätzliche Bälle benötigt werden würden“, so Erfan Haghighi im TGA-Interview. Außerdem würden die Bälle Mikroplastik an das Wasser abgeben, erklärt Haghighi.
https://youtu.be/xjs4-eCaHUs
Wohlfühlort für Bakterien
Zusätzlich zum hohen Wasserverbrauch, kann der See durch die Shade Balls auch zum Paradies für Bakterien werden. „Durch die schwarzen Bälle kann sich eine Wärmedecke über dem Wasser bilden. Durch die Feuchtigkeit des Sees herrschen dann optimale Bedingungen für ausgeprägtes Bakterienwachstum“, beschreibt Haghighi das Problem.
Laut dem Forscher ist nicht zwangsläufig die geringe Verfügbarkeit des Wassers das große Problem in Kalifornien. Viel ernstzunehmender sieht er den hohen Wasserverbrauch des Staats. „Während mit den schwarzen Bällen 1,15 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr gesichert werden können, werden beim Fracking täglich 0,01 Millionen Kubikmeter Wasser verschwendet“, so Haghighi. Auch in der Landwirtschaft ist Einsparpotenzial gegeben: Würde man den Wasserverbrauch in der Agrarwirtschaft um nur fünf Prozent senken, könnten monatlich 1,9 Milliarden Kubikmeter Wasser gespart werden. Auch die Konsumenten sowie die Industrie müssten zu einem nachhaltigeren Umgang mit Wasser bewegt werden, meint Erfan Haghighi. Weiter erklärt er: „Es ist wichtig den globalen Wasserverbrauch zu berücksichtigen. Es nutzt nichts die Wasserressourcen eines anderen Landes zu nutzen, um teure Plastikbälle zu produzieren, die dann im eigenen Land ein bisschen Wasser vor dem Verdunsten schützen sollen.“ Rund 35 Millionen US-Dollar hat die Anschaffung der Shade Balls gekostet. Der Wert des dadurch vorm Verdunsten geretteten Wassers liegt bei rund zwei Millionen Dollar. Für die Bälle-Produzenten war das ein lukratives Geschäft, für den globalen Wasser-Fußabdruck wohl eher nicht.
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