Geberit will Fachkräftemangel stoppen : „Wenn das Klo tropft, bringt mir der Programmierer auch nichts“

Wirtschaftlich läuft es für das Sanitär-Unternehmen Geberit ja gerade sehr gut: „Seit 2015 geht der Trend der TGA-Branche nach oben und dieser Trend nimmt uns natürlich auch mit“, so Stephan Wabnegger, Geschäftsführer des Geberit Vertriebs, bei einer Pressekonferenz. Die Auftragsmenge nimmt zwar zu, die Zahl der qualitativen Arbeitskräfte jedoch ab. Die Branche klagt über einen Fachkräftemangel, durch den wichtige Aufträge verloren gehen könnten.
Badezimmer gewinnt an Stellenwert
„Früher galt das Bad als Nasszelle, die nur der Körperhygiene dient. Mittlerweile investiert man aber in eine private Wohlfühloase“, erklärt Helmut Schwarzl, Geschäftsführer der Produktion von Geberit. Dadurch steigt die Zahl der Aufträge zwar, durch den Fachkräftemangel kann es aber - jedenfalls in Deutschland - zu Wartezeiten von elf Wochen kommen, die Kunden oftmals nicht in Kauf nehmen wollen.
Unterqualifizierte Installateure
Dabei fehlt es nicht an den Arbeitskräften per se. Viel mehr sind die Arbeiter einfach zu schlecht ausgebildet, als dass ein verantwortungsbewusstes und selbstständiges Arbeiten möglich wäre. Helmut Schwarzl sieht die Verantwortung bei den Unternehmen: „In unserem Unternehmen machen 50 Prozent der Auszubildenden eine Lehre mit Matura. Das kostet zwar Zeit, jedoch lohnt sich das für die jeweiligen Unternehmen.“ Geberit achtet sehr genau darauf, motivierte und gute Fachkräfte an den Betrieb zu binden und somit ein möglichst qualitatives Spektrum an Arbeitskräften zu erreichen.
Verantwortung liegt in der Bildungspolitik
Um dieses Problem zu beheben, bräuchte es einen Neuansatz in der Bildungspflicht. Thomas Salzer, Präsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich, wünscht sich deshalb eine bessere Förderung der Lehre mit Matura. Absolventen wären nach Abschluss nicht nur besser ausgebildet, sondern auch reifer. Zudem müssen Arbeiter aus dem Ausland gefördert werden, um die offenen Arbeitsplätze zu besetzen. Außerdem müssen technische Schwerpunkte in den Schulen eingeführt werden, um die Schüler auf die Digitalisierung der Arbeitswelt vorzubereiten.
Wertschätzung des Installateur-Berufes
Der Beruf des Installateurs und die Lehre im allgemeinen müsse wieder einen höheren Stellenwert erlangen: „Lehrlinge gelten als junge Menschen zweiter Klasse“, so Schwarzl bei der Pressekonferenz. Kinder und Jugendliche sollen ihren Berufswunsch klar ausleben dürfen, egal ob der Weg dorthin ein Studium oder eine Lehre voraussetzt. Laut Schwarzl gibt es ohnehin einen Überschuss an Akademikern: „Wenn das Klo tropft, bringt mir der Programmierer auch nichts.“
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