Neue Förderung Heizungstausch und Sanierungsbonus : Branchenreaktionen auf die neue Sanierungsoffensive

Endlich ist es so weit: Am 3. Oktober hat Klima- und Umweltminister Norbert Totschnig die Eckpfeiler der neuen Sanierungsoffensive für Heizungstausch und thermische Sanierung bekannt gegeben. Im November soll es dann losgehen mit neuen Anträgen, maximal 30 Prozent Zuschuss vom Bund wird es geben (zu den neuen Details geht's hier). Nach langem Warten – und Bangen – seit dem Förderstopp im Dezember 2024 kann die Branche nun zumindest bis Ende 2026 (oder bis die Fördertöpfe leer sind) planen. Budgetmittel sind sogar jährlich bis 2030 gesichert.

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Das sagen namhafte Branchenvertreter*innen zur neuen Förderschiene: 

  • Anton Berger, neuer Bundesinnungsmeister der Installateure in Österreich
    Anton Berger Bundesinnungsmeister

     

    „Zuallererst bin ich froh, dass es die Offensive jetzt endlich gibt. Trotzdem erfüllt das Paket aber nicht alle Erwartungen. Einige Punkte könnten anders sein, aber wir verfügen nicht über das Budget der Regierung. Wichtig ist, dass die Offensive Planbarkeit bis 2030 schafft. Es motiviert Kund*innen zu investieren, sichert Ausbildungsplätze und lässt die Industrie, ihre Kapazitäten besser planen. Der Anreiz ist in Summe vernünftig. Zwar niedriger als früher, aber jeder investierte Euro rechnet sich."

  • Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin des Dachverbands Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ).
    Martina Prechtl-Grundnig Geschäftsführerin Erneuerbare Energie Österreich

     

    „Die Branche hat in den letzten Monaten eindringlich auf die fehlende Planungssicherheit hingewiesen: Aufträge blieben aus und selbst der Erhalt gut ausgebildeter Fachkräfte war infrage gestellt. Nun gibt es wieder klare Rahmenbedingungen. Haushalte und Unternehmen können ihre Projekte endlich starten.

    Sparen allein führt nicht zum Ziel – es darf dabei der Konjunkturimpuls nicht abgewürgt werden. Nicht nur im Interesse der Konsumentinnen und Konsumenten, sondern auch zum Erhalt der Kapazitäten in Betrieben und für die Arbeitsplätze in dem Bereich braucht es daher ergänzende Maßnahmen.

    Die Aufhebung des Förderstopps ist ein erster Schritt. Jetzt erwarten wir von der Bundesregierung, dass sie rasch für langfristige Stabilität sorgt – und das ist auch budgetschonend möglich. Wird allein auf die heute präsentierte Maßnahme gesetzt, droht die nächste Lücke. Das würde nicht nur den Heizungstausch verzögern, sondern auch regionale Wertschöpfung bremsen und Arbeitsplätze gefährden. Wir riskieren mit angezogener Handbremse zu fahren und damit die Klimaziele zu verfehlen. Österreich braucht einen klaren, gesicherten Pfad mit verlässlicher und langfristiger Planungssicherheit für Haushalte, Betriebe und die gesamte Branche. Weniger Fördermittel dürfen nicht weniger Ambitionen bedeuten."

  • Roger Hackstock_Austria Solar
    Roger Hackstock Geschäftsführer Austria Solar

     

    „Der Solarbonus ist wieder da – mit je 30 Prozent Förderung für Kesseltausch und Solarwärme setzt die Sanierungsoffensive 2026 ein klares Zeichen für die Sonne. Während die Kesseltauschförderung halbiert wurde, werden private Solarwärme-Anlagen unverändert mit 2.500 Euro gefördert. Besonders für mehrgeschossige Wohnbauten ist die Förderung sehr attraktiv. Wohnbauten und Reihenhausanlagen ab drei Wohneinheiten erhalten 400 Euro pro Quadratmeter Kollektorfläche bei Installation einer Solaranlage und Kesseltausch, in Verbindung mit Landesförderungen ist es jetzt sehr lukrativ, im mehrgeschossigen Wohnbau auf Solarwärme zu setzen. 

    Je nach Heizungssystem ist beim Heizungstausch mit Solaranlage eine Gesamtfördersumme bis zu 15.000 Euro möglich, da bei Tiefenbohrungen mit Wärmepumpen ein 5.000 Euro Bonus gewährt wird. Jetzt ist für die Kunden die ideale Zeit, um in Solarwärme-Anlagen zu investieren!"


     

  • Franz Titschenbacher
    Franz Titschenbacher Präsident Österreichischer Biomasse-Verband

     

    „Mit dem vorgelegten Anreizregime werden langjährige Forderungen der Branche nach Kontinuität und Vereinfachung umgesetzt. Das Regime soll bis 2030 gelten und sieht einen technologiespezifischen Fixbetrag vor. Dadurch wissen Konsumentinnen und Konsumenten immer genau, wie viel sie für den Heizungstausch bekommen. Zudem werden kleinere Anlagen und vor allem auch kostensparende Umsetzungen mehr unterstützt als große. Wir gehen dadurch von einer stark steigenden Fördereffizienz und wettbewerbsbedingten Kostensenkungen aus.

    Da mit der Umsetzung bereits heuer gestartet werden kann, erhalten auch jene Haushalte eine Hilfestellung, deren fossile Heizsysteme aus technischer Sicht dringend getauscht werden müssen. Die dem Budgetloch geschuldete Reduktion der Fördertöpfe wird die Anzahl der tatsächlich getauschten fossilen Heizsysteme leider trotz gestiegener Fördereffizienz deutlich reduzieren. Das ist ein großer Wermutstropfen.

    Will Österreich seine gesetzten Ziele der erdgas- und erdölfreien Wärmeversorgung bis 2035 erreichen, keine Milliarden-Strafzahlungen leisten sowie die durch fossile Energiepreissteigerungen ausgelöste Inflation eindämmen, muss der Anreizrahmen für die Energiewende im Raumwärmemarkt noch deutlich verbessert werden. Sobald sich Zielverfehlungen abzeichnen, müssen die Töpfe deutlich erhöht werden."

  • Hagleitner Rotter
    Zukunftsforum SHL

     

    „Die mehrjährige Perspektive schafft Planungssicherheit für Haushalte und Betriebe und entlastet Installateur*innen sowie die Wärmebranche. Langfristige Förderungen geben Sicherheit und beschleunigen den Heizungstausch – im Sinne der Bevölkerung, Wirtschaft und des Klimas. Damit die Wärmewende gelingt, braucht es aber zusätzliche Reformen: ein ressortübergreifendes Paket mit praxistauglichen Anpassungen im Miet-, Wohn- und Steuerrecht, die Vereinheitlichung technischer Standards, beschleunigte Genehmigungsverfahren sowie einen gesetzlich verankerten Ausstiegspfad aus Öl- und Gasheizungen.

    Das Miet- und Wohnrecht ist so zu reformieren, dass Heizungsmodernisierungen in Mehrparteienhäusern erleichtert und nicht von Einzelpersonen blockiert werden. Im Steuerrecht sind gezielte Anreize nötig, damit Investitionen in energetische Sanierungen und Energieeffizienzmaßnahmen rasch ausgelöst werden. Zentrale Basis ist ein Klimaschutzgesetz mit verbindlichem Ausstiegspfad aus Öl- und Gasheizungen sowie eine ressortübergreifende Koordinationsgruppe für die Umsetzung. Ergänzend braucht es einheitliche technische Standards, beschleunigte Genehmigungsverfahren und österreichweit harmonisierte Förderniveaus.

    Das Zukunftsforum SHL plädiert seit Langem für ein umfassendes Reformpaket, das die Rahmenbedingungen für die Wärmewende optimiert. Ansonsten drohen Österreich hohe EU-Sanktionen und Standortnachteile. Die Neuauflage der Sanierungsoffensive setzt ein starkes Signal – jetzt gilt es, die Rahmenbedingungen optimal zu gestalten."

  • Michael Pfeifer
    Michael Pfeifer Obmann proPellets Austria

     

    „Der geförderte Umstieg von Öl- auf Pelletheizungen hat in den vergangenen Jahren nicht nur Hunderttausende Tonnen CO₂ eingespart, sondern auch zwei Milliarden Euro an regionaler Wertschöpfung gebracht. Das abrupte Förderende 2024 hat die Haushalte verunsichert und Industrie, Wirtschaft und Gewerbe vor schwierige Herausforderungen gestellt. Es ist gut, dass wir jetzt wieder Planbarkeit und verlässliche Rahmenbedingungen haben. Wichtig ist, dass die Haushalte schon jetzt garantiert mit der Planung beginnen und ab November die Förderungen beantragen können.“

  • Stefan Ortner ÖkoFEN
    Stefan Ortner Geschäftsführer ÖkoFEN

     

    „Nach langem Warten gibt es nun endlich Klarheit bei den Förderungen für den Heizungstausch. Jetzt geht es darum, die Chance aktiv zu nutzen und sich die Unterstützung zu sichern. Die rechtzeitige Planung und eine exakte Vorab-Berechnung der Förderungen ist daher ein wichtiger erster Schritt. Wer beispielsweise gleich noch im Herbst eine kostenlose Energieberatung in Anspruch nimmt, kann jetzt den Förderstart optimal nutzen und profitiert damit sicher vom aktuellen Topf."

  • Elisabeth Berger
    Elisabeth Berger Geschäftsführerin Vereinigung Österreichischer Kessellieferanten (VÖK)

     

    „Trotz des restriktiven Sparkurses wird der Einbau von Pellets-, Hackgut- und Stückholzheizugen und natürlich Wärmepumpen weiterhin gefördert. Sowohl vom Bund als auch von den Ländern. Wenn man bis zu 50 % der Kosten vom Staat rückerstattet bekommt, ist das in Sparzeiten doch sehr großzügig. Unser einziger Wermutstropfen ist, dass es in Österreich im Gegensatz zu Deutschland noch immer ein Verschrottungsgebot für funktionierende Gas- und Ölkessel gibt. Damit werden attraktive Add-on Hybridlösungen hierzulande verhindert, bei denen dank Nutzung des Eigenstroms bis 80 % Gas/Öl eingespart werden könnten. Aber ich nehme zur Kenntnis, dass Österreich nicht nur das Land des golden Platings, sondern auch der 100 % Lösungen ist - um jeden Preis."

  • Thomas Mader
    Thomas Mader Geschäftsführer von Stiebel Eltron

     

    „Die Neuauflage der Förderung im Heizungskeller gibt Privatleuten und der Branche jetzt die benötigte Planungssicherheit. Ich rate Hausbesitzern, die noch mit Öl oder Gas heizen, den Umstieg auf eine zukunftssichere Alternative wie die Wärmepumpenheizung zu prüfen. Ansonsten droht ihnen aufgrund der CO₂-Preisentwicklung eine Kostenfalle.“


     

  • FBI-Vorstandsvorsitzender Georg Bursik
    Georg Bursik Vorstandsvorsitzender FBI – Forschungsverband der österreichischen Baustoffindustrie

     

    Thermische Sanierungen stärken die regionale Wertschöpfung, schaffen und sichern Arbeitsplätze und verbessern die Qualität von Wohn- und Arbeitsräumen. Mit dem Sanierungsbonus 2026 stellt die Bundesregierung in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die richtigen Weichen. Trotz angespannter Budgetlage ist es gelungen, ein sehr attraktives Paket für die Sanierung zu schnüren. Die thermische Sanierung ist eine besonders effiziente Maßnahme, um Energiekosten zu senken und den langfristigen Werterhalt sicherzustellen. Dank der neuen Förderungen ist jetzt der richtige Zeitpunkt, geplante Vorhaben umzusetzen.