Kreislaufwirtschaft in der Praxis : Gründerzeithaus in Wien wird zirkulär saniert

Das Haus in der Wiener Van-der-Nüll-Gasse 22 wird von der Sedlak Unternehmensgruppe nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft saniert.

Das Haus in der Wiener Van-der-Nüll-Gasse 22 wird von der Sedlak Unternehmensgruppe nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft saniert.

- © Sedlak

In Wien wird erstmals ein Bestandshaus nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft saniert. Das Pionierprojekt rund um ein Gründerzeithaus aus dem Jahr 1880 in der Van-der-Nüll-Gasse im 10. Wiener Gemeindebezirk entwickelt die Sedlak Unternehmensgruppe. Das Gebäude nicht nur modernisiert, sondern auch aufgestockt, um zusätzlichen Wohn- und Büroraum zu schaffen. Die Sanierung erfüllt erstmals die von der EU-Taxonomie geforderten Umweltziele 4 – die den Übergang zur Kreislaufwirtschaft beschreiben. Anfang Februar wurde mit den Bauarbeiten begonnen.

Ein zentraler Aspekt des Projekts ist die Wiederverwertung von Baumaterialien. Mindestens 70 Prozent der nicht gefährlichen Bau- und Abbruchabfälle werden recycelt oder direkt wiederverwendet. Beispielsweise bleiben Terrazzoböden erhalten, Mauerziegel aus Abbrucharbeiten werden aufbereitet und erneut verbaut, und Gipskartonplatten untergehen einer seriellen Wiederaufbereitung. Sedlak erstellt für die Immobilie einen digitalen Zwilling sowie einen Gebäuderessourcenpass. 

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Erdwärmesonden und dezentrale Wohnungsstationen

Wie wird das Gebäude kreislaufgemäß erweitert? Die Immobilie, die zuletzt als Arbeiterquartier und Lager genutzt wurde, verfügt im Bestand über 1.155 m2 Bruttogeschossfläche. Rund 400 m2 sollen im Zuge der Aufstockung und des Ausbaus dazu kommen, dies geschieht mit einer rückbaufähigen, sortenreinen Konstruktion, die zukünftige Anpassungen erleichtert und Ressourcen langfristig schont. Das Ganze soll zudem wirtschaftlich bleiben, im September 2025 schätzte die Unternehmensgruppe die Mehrkosten für das Projekt im Zusammenhang mit der Kreislaufwirtschaft auf rund plus 7 Prozent der gesamten Baukosten – Förderungen sind darin nicht berücksichtigt. Ein nachhaltiges Energiekonzept mit Erdwärmesonden und einer dezentralen Warmwasserversorgung mittels Wohnungsstationen sorgt für eine energieeffiziente Nutzung des Gebäudes.

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„Wir wollen umsetzen, wovon seit einiger Zeit alle sprechen. Mit dem Baustart treten wir den Beweis an“, betont Wilhelm Sedlak, Geschäftsführer der Sedlak Unternehmensgruppe. Die Fertigstellung des Projekts ist für Mai 2027 geplant. Das Leuchtturmprojekt ist Teil des Stadterneuerungs-Programms WienNeu+, dessen Ziel es ist, Grätzl klima- und zukunftsfit zu machen.

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