Kreislaufwirtschaft mit Materialkataster : Madaster Free geht an den Start
Bei der Übergabe der Urkunden für Circularity Leader : Markus Auinger, iC Group, Stefan Pany, Rewe, Clemens Neubauer, pde Integrale Planung, Anna-Vera Deinhammer, Circular Economy Forum Austria, FH Wien, Gerald Lanz, Kirchdorfer Gruppe, Werner Weingraber, Madaster und Lucas Artner, iC Group (v.l.n.r.)
- © Madaster/DujmicSeit 28. Jänner gibt es Madaster in einer Freemium-Version. Die Plattform unterstützt dabei, Materialien, Bauteile und Produkte sowie deren ökologische Bewertung über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu erfassen. Damit werden unter anderem gebundene CO₂-Mengen, Wiederverwendungspotenziale und Rückbauoptionen transparent und vergleichbar.
Madaster Free bietet diese Werkzeuge der Kreislaufwirtschaft nun kostenlos an: von Produktdaten über Ökobilanzierung und Zirkularitätsbewertung bis hin zur digitalen Bestandsaufnahme. Die Plattform richtet sich dabei an die gesamte Wertschöpfungskette des Bauens, von Planung und Ausführung über Herstellung und Bauherren bis hin zu Lehre und Forschung. So können auch Studierende den Zugang nutzen. Die Basisversion mit allen Grundfunktionen ist kostenfrei nutzbar, erst bei umfangreicher, kommerzieller Anwendung wird eine Lizenz erforderlich.
„Die Ziele für eine zirkuläre Bauwirtschaft sind da – was fehlt, ist oft das Wissen, wie man beginnt“, betont Werner Weingraber, Geschäftsführer von Madaster Österreich. „Madaster Free senkt die Einstiegshürden für jede*n: Mit realen Projekten unserer Partnerunternehmen, klaren Tools und kostenlosen Schulungen wird Kreislaufwirtschaft erlebbar und praktisch anwendbar.“ 14 Unternehmen aus allen Bereichen der Bauwertschöpfung begleiten die Plattform als sogenannte "Circularity Leader" und stellen als Praxispartner reale Referenzprojeke, Daten und kostenlose Schulungsangebote bereit. Beispiele von fünf der Praxispartnern zeigen den Mehrwert des Materialkatasters.
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Das sind die 14 Circularity Leader bei Madaster Free
ATP sustain, Billa, einzuseins Architektur, Holcim, iC consulenten, IG Immobilien, IKK Group, Knauf, Maba Fertigteilindustrie, pde Integrale Planung und Porr, Vasko+Partner, Wicona, Wienerberger und Würth.
Bauunternehmen: Porr kombiniert mit BIM
In der Porr Gruppe, insbesondere in der Tochtergesellschaft pde Integrale Planung, wird Madaster gezielt eingesetzt, um digitales und zirkuläres Bauen entlang des gesamten Projektlebenszyklus zu ermöglichen. Die Plattform dient dort zur Variantenbetrachtung und macht die Auswirkungen unterschiedlicher Material- und Konstruktionsentscheidungen transparent.
Clemens Neubauer, technischer Geschäftsführer der pde Integrale Planung, erklärt: „In Kombination mit digitalen, BIM-basierten Gebäudemodellen ermöglicht Madaster eine präzise Erfassung und Bewertung von Nachhaltigkeitskennwerten und schafft eine belastbare Grundlage für Berichterstattung, Zertifizierungen und fundierte Entscheidungen.“
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In Kombination mit digitalen, BIM-basierten Gebäudemodellen ermöglicht Madaster eine präzise Erfassung und Bewertung von Nachhaltigkeitskennwerten.Clemens Neubauer, pde
Bauherr: Billa erstellt digitale Materialpässe
Als Bauherr nutzt die Supermarktkette Billa Madaster zur systematischen Erfassung von Materialdaten und zur Erstellung digitaler Materialpässe. Ein prominentes Beispiel ist die Billa-Filiale in der Pilotengasse in Wien, bei der alle verbauten Materialien digital dokumentiert und hinsichtlich Recyclingfähigkeit und CO₂-Fußabdruck bewertet wurden. Stefan Pany, Technischer Direktor bei Rewe, dazu: „Madaster ermöglicht uns bei Projekten wie der Billa-Filiale in der Pilotengasse eine effiziente, digitale Erfassung von Materialdaten und vereinfacht damit die Ökobilanzierung – ein entscheidender Schritt für nachhaltiges Bauen.“ Die zentrale Datenplattform erleichtert auch die Zusammenarbeit mit Planungs-, Beratungs- und Ausführungspartnern.
Hersteller: Track & Trace von Produkten bei Maba
Maba Fertigteilindustrie, Tochter der Kirchdorfer Gruppe, nutzt Madaster zur Hinterlegung von Produkt- und Umweltdaten, Zirkularitätsanalysen und Lebenszykluskennzahlen. Damit können Kund*innen bereits in frühen Planungsphasen Variantenvergleiche durchführen – etwa nach CO₂-Bilanz, Trennbarkeit oder Wiederverwendbarkeit. Ein zentrales Thema ist dabei Track & Trace: Die Rückverfolgbarkeit von Produkten über den gesamten Lebenszyklus hinweg – eine Voraussetzung für Rückbau, Wiederverwendung und künftige Rohstoffmärkte.
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Madaster lässt sich nahtlos in unsere BIM-Prozesse integrieren.Lucas Artner, iC Group
Planung: iC Group schafft Datenbasis
Als interdisziplinäre Planungs- und Beratungsgruppe weiß die iC Group den Materialkataster als Bestandteil ihrer BIM-basierten Nachhaltigkeitsstrategie zu nutzen. Die digitale Erfassung von Materialdaten, Zirkularitätskennzahlen und Ökobilanzen ermöglicht es, Umweltauswirkungen bereits in frühen Planungsphasen systematisch zu bewerten und projektübergreifend vergleichbar zu machen. Lucas Artner, Partner der iC Group, dazu: „Unsere Erfahrung zeigt: Madaster lässt sich nahtlos in unsere BIM-Prozesse integrieren und schafft eine gemeinsame Datenbasis für Zirkularitätsbewertung und Dekarbonisierung.“
Forschung: KI-gestützte Kreislaufwirtschaft
Anna-Vera Deinhammer, Vizepräsidentin des Circular Economy Forum Austria und Stiftungsprofessorin für Sustainable Real Estate Development an der FH Wien der WKW, sieht in der Öffnung der Plattform einen wichtigen Schritt: „Circular Economy im Bauwesen braucht digitale Werkzeuge – aber vor allem wissenschaftlich fundiertes Wissen. In unserem Forschungsprojekt Kraisbau entwickeln wir gemeinsam mit über 30 Partnern Methoden für digitale Materialpässe und KI-gestützte Kreislaufwirtschaft. Die Öffnung von Madaster für Hochschulen ermöglicht Studierenden, mit realen Gebäudedaten zu arbeiten und die Zusammenhänge zwischen CO₂-Bilanzierung, Materialkreisläufen und Immobilienwert nicht nur anzuwenden, sondern kritisch zu bewerten.“
Verschiedene Themen der Kreislaufwirtschaft gewinnen im Zuge europäischer Regulatorik und neuer Anforderungen an Bedeutung. Hier setzt Madaster Free ebenfalls an: Ab Ende Februar 2026 startet eine Reihe kostenfreier Online-Webinare zu konkreten Anwendungsfällen.