Badplanung : „Es gibt nichts Individuelleres als den Mensch“

Barbara Maxonus plant Bäder fürs Leben.

Barbara Maxonus plant Bäder fürs Leben.

- © Bäder fürs Leben

TGA: Barbara, Du hast Dein Installationsunternehmen Bäder fürs Leben 2017 gegründet, im Sanitärbereich bist Du aber schon weitaus länger unterwegs. Wie hast Du den Weg in die Branche gefunden? 

Barbara Maxonus: Mein erster Mann und ich haben uns 2005 selbstständig gemacht. Ich war im Büro für das Kaufmännische zuständig und er als Installateur für die Ausführung und den Verkauf. Was mich aber gestört hat, war es bei Kundengesprächen mit „ich muss meinen Mann fragen“ zu antworten. Über Holter habe ich deshalb die Grundausbildung zur Sanitärfachberaterin gemacht – das war für mich die Initialzündung. Ich glaube, ich habe zehn Jahre lang nur gelernt und tue das noch immer. Nach privaten Veränderungen habe ich 2017 den nächsten Betrieb als alleinige Eigentümerin gegründet. Das war ein Aufruhr in der Branche. Ein großes Glück war, dass mein älterer Sohn Sebastian gelernter Installateur ist und wir gemeinsam nochmal von Null angefangen haben. Seit Oktober 2024 ist er mit mir gemeinsam Geschäftsführer. Große Entscheidungen treffen wir immer zusammen. 

Geschäftsführerinnen sind in der Gebäudetechnik leider immer noch die Ausnahme. Was möchtest Du jungen Frauen in ähnlichen Situationen mitgeben? 

Barbara: Wir dürfen uns nicht unterkriegen lassen. Du darfst Frau sein, du musst nur klare Grenzen ziehen. Dazu gehört es auch zu sagen bis hier, aber da ist Schluss. Das kann man sehr gut auch charmant lösen. Ab und zu fällt einem dann eine blöde Meldung zurück ein – Schlagfertigkeit hilft. Ich persönlich probiere immer wieder viel Neues und bin generell ein mutiger als furchtsamer Mensch. Das ist im Privaten aber noch mehr im Beruflichen eine Riesenstärke, die einen total weiterbringt – gerade in einem sehr männerdominierten Bereich. 

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Barbara und Sebastian Maxonus, Geschäftsführung von Bäder fürs Leben

- © Bäder fürs Leben
In der Automobilindustrie kauft auch niemand ein Auto, weil es ein Lenkrad und vier Radl‘n hat, sondern ein Fahrerlebnis. Bei uns ist es das Baderlebnis.

Bäder im Schauraum erleben

Ihr seid vor kurzem umgesiedelt. Was erwartet Kund*innen am neuen Standort und im Schauraum? 

Barbara: Auf der Schauraumfläche gibt es Kojen unterteilt von günstigen Standardbädern bis zum Exklusivbad – auch barrierefrei, das ist mir besonders wichtig. Wir haben einen eigenen Collagenraum für die Bemusterung, wo wir Fliesenmuster, Möbelmuster, Armaturenmuster und auch verschiedenste Duschflächen oder Materialien zeigen können. Womit ich eine große Freude habe, ist unser Badkino. Das ist ein Raum ohne Fenster mit einem riesengroßen Bildschirm, wo der Kunde sich das Badezimmer in 3D anschauen kann. Und eine VR-Brille haben wir auch noch im Portfolio, der Kunde möchte ja ein Gefühl für sein Bad bekommen. Ich vergleiche das gerne mit der Automobilindustrie. Dort kauft auch niemand ein Auto, weil es ein Lenkrad und vier Radl‘n hat, sondern ein Fahrerlebnis. Bei uns ist es das Baderlebnis, das wir mitverkaufen. 

Worauf legst Du abseits der Barrierefreiheit in der Badplanung noch besonders Wert? 

Barbara: Besonders wichtig ist mir immer der Mensch. Es gibt nichts Individuelleres. Deshalb bin ich sehr darauf bedacht, dass sich jeder im Familienverband verwirklichen kann. Oft gibt es in der Familie einen, der viel redet, einen, der weniger redet und manche, die man gar nicht kennt. Das können zum Beispiel Kinder oder Verwandte sein, die das Bad auch nutzen, aber vielleicht bei der Besprechung nicht anwesend sind. Dann ist mir auch wichtig, ob es körperliche Befindlichkeiten gibt. Bei solchen sehr persönlichen Fragen, muss der Mensch aus sich herauskommen, da braucht es auch Vertrauen. Das muss man wertschätzen und entgegenbringen können. Auch die Farbfamilie ist sehr wichtig. Für sehr aktive Menschen, deren Lieblingsfarbe zum Beispiel rot ist, ist es nicht gut, wenn der Farbton im Badezimmer zu viel integriert ist. Da kommen sie nicht mehr runter. Durch all das habe ich ein gewaltiges Wissen in meinem Kopf: Wenn ich das Gesicht eines ehemaligen Kunden sehe, weiß ich, wie das Bad ausschaut, teilweise sogar, welche Produkte drinnen sind. 

>> Warum Barrierefreiheit unsichtbar sein muss

Der neue Standort in Liezen ist seit Ende März eröffnet. 

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Alternativen zur Badsanierung

Welche drei Dinge mit großem Effekt kann man schnell in jedem Bad ändern, ohne sofort von Grund auf zu sanieren? 

Barbara: Möbel können das Bad mit kleinen Effekten ganz anders wirken lassen. Wenn der Raum hoch gefliest ist, wird es ein bisschen schwerer mit dekorativen Veränderungen. Ist er halb hoch gefliest, kann man einfach nur eine Wand anders ausmalen und der Raum ist ganz anders als zuvor. In fast allen Räumen kann man nachträglich noch eine Gipskartondecke einziehen, oder auch mit Licht spielen und eine andere Stimmung ins Bad bringen. Es muss nicht immer alles gleich saniert werden, man kann auch mit coolen Ideen und einfacheren Tricks arbeiten. 

Auf Eurer Website schreibst Du, Bäder so zu planen, wie Du es auch für Dein eigenes Zuhause tun würdest – wie sieht Dein privates Badezimmer aus? 

Barbara: Mein Badezimmer ist barrierefrei. Ich habe eine Badewanne, die für meine Körpergröße passend ist und eine bodenebene Dusche mit Sitzbank. Außerdem gibt es Nischen bei der Badewanne und der Dusche. Dazu kommt eine separate Beleuchtung, wenn ich einen recht stressigen Tag gehabt habe, gibt es gedämpftes Licht. Dann habe ich natürlich einen Riesen-Spiegelschrank mit Licht, weil Sachen hat man immer viel zu viel. Ein Badheizkörper dient als Raumteiler und gleichzeitig als Sichtschutz für das Dusch-WC. Die Fliesen sind in einem warmen Schlammgrau gehalten, rutschfest und pflegeleicht. Die Möbel haben Eiche-Dekor und die sanitären Einrichtungen sind alle weiß. Als Highlight sind die Armaturen in Brushed-Bronze. 

Barrierefreiheit wird für jüngere Generationen beim Hausbau stärker zum Thema, nimmt Barbara Maxonus wahr.

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Ich glaube, dass der Kunde es verdient, dass man an sich weiterarbeitet und immer am Puls der Zeit ist.

Generationenbad im Kommen

Welche Markttrends kommen im Bad gerade auf – oder verschwinden vielleicht auch wieder? 

Barbara: Der Trend zu Schwarz ist wieder rückläufig. Was mir voll gut gefällt ist, dass die junge Generation beim Haus bauen viel über Barrierefreiheit – wir sagen Generationenbad dazu – nachdenkt. Die haben gewaltig was gelernt. Vielen ist schon bewusst, dass man vielleicht jetzt gesund und fit ist, aber niemand weiß, ob man das in fünf oder zehn Jahren auch noch ist. Ich liebe junge Menschen und diesen Weitblick, den sie haben. Wenn man das mit meiner Generation verbindet, gibt es richtig gute Ergebnisse. 

Wie bleibst Du up to date, was Badtrends betrifft? 

Barbara: Die Fort- und Weiterbildung ist für mich eines der wichtigsten Themen. Was ich in unserer Branchen vermisse, ist dass wir richtig gut Handwerker sind, aber das neue Wissen zu wenig implementieren. Ich nehme das mit einem Augenzwinkern, offensichtlich sind die anderen schon so weise und klug, dass sie keine Ausbildungen mehr brauchen. Wenn ich zu Schulungen fahre, sind nämlich immer die gleichen Gesichter dabei. Es ist voll gut, weil du dich wieder triffst, kennst und austauschen kannst. Aber wir haben in Österreich über 7.000 Installationsbetriebe und ich glaube, dass der Kunde es verdient, dass man an sich weiterarbeitet und immer am Puls der Zeit ist. 

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