Preis fürs Plagiat : Hansgrohe versus Produktpiraten

2. Preis beim Plagiarius 2026: Links die originale Axor MyEdition-Armatur, rechts die Fälschung.

2. Preis beim Plagiarius 2026: Links die originale Axor MyEdition-Armatur von Hansgrohe, rechts die Fälschung.

- © Aktion Plagiarius e.V.

Auf der Frankfurter Messe Ambiente wurde eine Kopie der Axor MyEdition-Waschtischarmatur mit dem zweiten Platz des Negativpreises Plagiarius ausgezeichnet. Die Hansgrohe Group hatte 2025 in enger Zusammenarbeit mit den chinesischen Behörden ein professionell organisiertes Fälschernetzwerk aufgedeckt. Die Fälscher hatten unter den international geschützten Unternehmensmarken Hansgrohe und Axor Produkte kopiert und online zu Niedrigpreisen verkauft. Die gefälschte Armatur war eines der bei der Aktion aufgegriffenen Produkte.

„Gefälschte Sanitärprodukte sind ein Sicherheitsrisiko. Minderwertige Materialien können Schadstoffe oder Schwermetalle ins Wasser abgeben. Gleichzeitig entsteht unserer Branche ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden“, erklärt Carmen Vetter, Leitung Schutzrechte bei Hansgrohe. Für den Bad- und Küchenspezialisten aus dem Schwarzwald entspricht der Schaden laut Unternehmensangaben einer Größenordnung von geschätzt fünf bis zehn Prozent des weltweiten Umsatzes.

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Onlinehandel erschwert Nachverfolgung

Bereits mit der Einführung der Raindance-Duschlinie Anfang der 2000er Jahre traten Hansgrohe-Fälschungen im großen Stil auf. Damals beschlagnahmten Behörden gefälschte Ware aus China noch containerweise und das Unternehmen setzte auf öffentlichkeitswirksame Vernichtungsaktionen mit Dampfwalze und Schredder. Auch der Zollrundgang über die Stände außer-europäischer Anbieter bei der SHK-Fachmesse ISH habe bis heute zu zahlreichen Aufgriffen geführt, so das Unternehmen. „Heute arbeiten Fälscher hauptsächlich auftragsbezogen in Kleinstmengen. Die Ware gelangt über Onlineplattformen in den Handel oder wird direkt zum Endkunden geliefert, das erschwert die Nachverfolgung“, weiß Vetter.

Vernichtungsaktion von 12.000 Raindance-Kopien in Schiltach 2011

- © Hansgrohe SE/Braxart

Razzia an zwei chinesischen Standorten

In China beauftragte Hansgrohe verdeckt ermittelnde Partner, die Lagerhallen des Netzwerks zu lokalisieren. Das Kaiping Public Security Bureau führte dann mit ausreichender Beweislast die Razzia in zwei Standorten in Jiangmen City in der Provinz Guangdong durch. Die Behörden beschlagnahmten Fälschungen – darunter auch von weiteren Sanitärherstellern – verhafteten drei Hauptverantwortliche und leiteten strafrechtliche Schritte ein. 

Der Warenwert vergleichbarerer Hansgrohe und Axor-Originalprodukte lag bei diesem Aufgriff bei rund 360.000 Euro. Rund 95 Prozent der gefälschten Hansgrohe Produkte stammen laut dem Unternehmen aus China. Der Markt sei gleichzeitig Produktions- und Absatzort. Auf Online-Plattformen finden Fälscher Reichweite, leichte Abwicklung und Anonymität. Die rechtliche Lage ist außerdem komplex: Oft werden KI-Tools genutzt, um Marketinginhalte nah am Original zu erstellen sowie eigene IP Anmeldungen, um Originalhersteller zu blockieren. 

Mit einem fälschungssicheren Label in Form eines eigenen QR-Codes für jedes Einzelprodukt will Hansgrohe nun seine Kund*innen in China zusätzlich schützen. Per App können diese ihre gekauften Produkte künftig verifizieren und registrieren.

Das Kaiping Public Security Bureau führte dann mit ausreichender Beweislast die Razzia in zwei Standorten in Jiangmen City in der Provinz Guangdong durch. 

- © Hansgrohe SE

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