Fachverband der Ingenieurbüros

Den Smalltalk bei einem Glas Wein nicht unterschätzen!

Der neue Obmann des Fachverbands für Ingenieurbüros, DI Dr. Rainer Gagstädter, setzt auf mehr Kommunikation und Vernetzung intern wie extern - und will bei aller Digitalisierung die menschliche Komponente dabei nicht vermissen lassen.

Der Fachverband der österreichischen Ingenieurbüros hat seit Dezember 2020 einen neuen Obmann. DI Dr. Rainer Gagstädter aus Ried im Innkreis betreibt seit 28 Jahren ein Ingenieurbüro für Technische Chemie. Gagstädter ist zumindest in Oberösterreich kein Unbekannter, denn schon 1995 hat er seine Funktionstätigkeit als Ausschussmitglied in der oberösterreichischen Fachgruppe der Ingenieurbüros begonnen, die 2014 in der Funktion des Fachgruppenobmanns gipfelte. Der Leitspruch seines Ingenieurbüros lautet: „Wir machen Sie fit für die Zukunft" - TGA hat beim neuen Obmann nachgefragt, wie er seine Rolle anlegen wird und wie er den Fachverband für die Zukunft fit machen will. Das Interview führte Ulrich Baron.

Wo sehen Sie die Schwerpunkte Ihrer zukünftigen Tätigkeit?

Gagstädter: Im Vordergrund steht die Kommunikation mit unseren Ingenieurbüros und den potentiellen Kunden. Wir müssen auch die Vernetzung untereinander forcieren. Ich bin selber als kleines Büro bei vielen großen Projekten dabei, weil ich mit anderen Büros vernetzt bin, bzw. andere Büros spezielle Dienstleistungen zukaufen. Oft ist die Angst vor Kooperationen groß. Hier gilt es Veranstaltungsformate und digitale Möglichkeiten zu schaffen, damit Vernetzung möglich wird. So was hätte ich mir auch in meinen Anfangsjahren als Ingenieurbüro gewünscht. Daneben gibt es viele Bereiche, von der Neuausrichtung dem Normenpaket, über die Befähigungsprüfung mit NQR7 (Nationaler Qualifikations Rahmen) bis hin zur Einbringung von wichtigen Themen wie Energieeffizienz, Decarbonisierung oder Digitalisierung. Die Ingenieurbüros sind hier am Puls der Zeit und müssen ihre Rolle mit ausgezeichneten technologischen Leistungen am Markt auch innerhalb von Institutionen wie der WKO wie auch im Bereich der Gesetzwerdung bei der Umsetzung von neuen Technologien stärker einbringen.

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Durch wen wird der Haustechnikbereich in Zukunft im Fachverband vertreten sein?

Gagstädter: Das wird Ing. Christoph Passecker, Fachgruppenobmann-Stellvertreter von Wien sein. Herr Passecker betreibt ein Ingenieurbüro für Installations- und Elektrotechnik. 

Wer sind Ihre Stellvertreter und aus welchen Bereichen kommen diese?

Gagstädter: Meine Stellvertreter sind der Fachgruppenobmann KR Ing. Helmut Pichl aus NÖ (Maschinenbau) und DI Karl Albrecht Grießhammer (Elektrotechnik) aus Kärnten. Zur Halbzeit der Periode löst KR Mag. Petra Brandweiner-Schrott, die Fachgruppenobfrau Steiermark (Landschaftsplanung-Architektur) Herrn Pichl ab.

Wie sieht die Unterstützung im Fachverband nach dem Abgang der langjährigen Geschäftsführerin Dr. Ulrike Ledòchowski aus?

Gagstädter: Ich bin sehr froh, dass die ehemalige Stellvertreterin von Dr. Ledòchowski, Mag. Sarah Fisegger, die Geschäftsführung im Fachverband übernommen hat. Sie hat gut vorbereitet das Amt angetreten. Des weiteren konnte im Herbst 2020 die zweite Juristenstelle im Fachverband mit Mag. Vasco Alton besetzt werden. Mit Alton besitzt das Fachverbandsbüro wieder die vollständige Personenkapazität für die Vertretung nach außen.

Wie sieht die internationale Vernetzung des österreichischen Fachverbandes aus?

Gagstädter: Über die ACA, der die Ingenieurbüros sowie die Zivilingenieure angehören, sind wir europäisch bestens vernetzt. Derzeit ist Dr. Walter Painsi Präsident der Zivilingenieure und DI Klaus Thürriedl sein Stellvertreter. Gleichzeitig ist Thürriedl auf europäischer Ebene Präsident des European Council of Engineers Chambers.

Wird 2021 der Staatspreis Consulting der ACA (Austrian Consultants Association) vergeben?

Gagstädter: Der Staatspreis Consulting der ACA wurde vom Ministerium auf 2022 verschoben. Ebenso wird der PlannING Day in Velden heuer im Juni nicht stattfinden können. Wir sind jedoch gerade in der Planung für eine Veranstaltung im digitalen Format. Ich freue mich jedoch schon sehr, wenn wir wieder aktiv netzwerken können, denn trotz der Vorzüge der Digitalisierung und den wirklich zeitsparenden Videokonferenzen, darf man die menschliche Komponente samt Smalltalk bei einem Bier oder einem Glas Wein nicht unterschätzen.

Sie sind Inhaber eines Ingenieurbüros, FGO von Oberösterreich, nun auch noch FVO der österreichischen Ingenieurbüros und zudem als Musiker auch noch Bandleader. Wie bewältigen Sie dieses Pensum?

Gagstädter: Mein Büro für Technische Chemie führe ich seit fast 28 Jahren mit drei Mitarbeitern. Mein Job ist mein Hobby und ich liebe meine Tätigkeiten, den Umgang mit Menschen und eine komplexe Themenlandschaft, die sich ständig verändert.  Musik mache ich seit meinem sechsten Lebensjahr. Andere gehen Golfen oder fahren mit ihrem Motorrad. Ich mache halt Musik und gehe mit meiner Lebensgefährtin normalerweise wöchentlich Tanzen, was derzeit leider aufgrund von COVID-19 nicht möglich ist.  Ein gutes Zeitmanagement und um 6:30 Uhr im Büro macht die Arbeit auch viel leichter.