Digitales Handwerk

Ist 2020 das Jahr der Digitalisierungs-Pandemie?

Die Corona-Krise gilt als Digitalisierungsboost und soll österreichische Unternehmen zu einem schnellen digitalen Wandel bewegen. Im Gewerbe und Handwerk steht man dem vermeintlichen Wandel aber noch skeptisch gegenüber.

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Immer mehr Handwerker:innen greifen in der Arbeit zu digitalen Helfern.

„Digitale Techniken und Dienste bringen in allen Sektoren der Wirtschaft neue Sichtweisen. Gerade der Mittelstand erkennt zunehmend: Wir müssen diesen digitalen Wandel als Chance begreifen und die Kräfte bündeln, um im Wettbewerb bestehen zu können“, sind WKOÖ-Vizepräsidentin Angelika Sery-Froschauer überzeugt. Als solch eine Chance wird die Digitalisierung im Gewerbe und Handwerk aber noch längst nicht betrachtet. Zwar stehen 32 Prozent der österreichischen Handwerksbetriebe dem Thema positiv gegenüber und sehen die Digitalisierung als Chance, für zwölf Prozent kommt sie aber auch mit einigen Risiken daher, wie eine Umfrage der Wirtschaftskammer zeigt. 46 Prozent der Umfrage-Teilnehmer:innen sind noch unschlüssig und sehen die Digitalisierung gleichzeitig als Chance und Risiko. 

Digitalisierung wird gefördert

Um auch die zweifelnden Entscheider:innen der kleinen und mittleren Betriebe in Österreich zu überzeugen, haben das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort und die WKÖ das Förderprojekt „KMU Digital“ ins Leben gerufen. Setzt ein Unternehmen ein Digitalisierungsprojekt mit Investitionskosten zwischen 5.000 und 20.000 Euro um, kann ein nicht rückzahlbarer Zuschuss von bis zu 30 Prozent beantragt werden.

Das soll sich nicht nur für die Unternehmen lohnen, sondern auch für den Wirtschaftsstandort Österreich: „Österreichs KMU sichern rund sieben von zehn Arbeitsplätzen in Österreich. Wenn diese Betriebe den digitalen Anschluss verpassen, hat das weitreichende Folgen für unseren Wirtschafts- und Arbeitsstandort und bremst unsere Ambitionen Richtung Innovationsführer“, so WKÖ-Präsident Harald Mahrer. 

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Im Kleinen digital

Die ersten Digitalisierungsschritte im eigenen Unternehmen müssen dabei keine Großprojekte sein. Schon ein Online-Auftritt mit eigener Webseite und zugehörigen Social Media-Accounts fallen unter den Begriff Digitalisierung. Zusätzlich können Handwerksbetriebe Portale wie my-hammer.at nutzen, um von Kundinnen und Kunden schneller gefunden zu werden. 

Dabei bringen schon kleine Maßnahmen entscheidende Vorteile mit sich, wie die WKÖ-Umfrage zeigt. Fragt man nach dem Nutzen, der von der Digitalisierung im eigenen Unternehmen erwartet wird, werden vor allem drei Vorzüge genannt: bessere Kontaktpflege mit Kundinnen und Kunden, effizienteres Arbeiten und neue Geschäftsfelder. Dafür braucht man nicht zwingend aufwendige Software, viele Arbeitsabläufe können bereits mit Apps für Smartphone und Tablet vereinfacht werden. Bei der Kommunikation wird vermehrt auf virtuelle Lösungen gesetzt und auch die Baustellendokumentation erfolgt einfach und schnell per App

Besonders während der vergangenen Pandemie-geprägten Monate wurde deutlich, dass die Digitalisierung immer mehr vom Soll zum Muss wird. Laut Wirtschaftskammer hat sich im März und April gezeigt, dass jene Unternehmen, die bereits früh in digitale Technologien investiert haben, im Vergleich besser durch die Krise gekommen sind. Bei den KMU braucht es schleunigst einen Sinneswandel, damit nicht mehr nur ein Drittel der österreichischen Handwerksbetriebe die Digitalisierung als Chance wahrnimmt und sich die Digitalisierung pandemisch ausbreiten kann.