Ein Bundesland in Quarantäne

Lieferengpässe, Umsatzängste und Nachbarschaftshilfe: Wie die Tiroler Installateure mit der Corona-Quarantäne umgehen

Ganz Österreich wurde zurück in den Winterschlaf versetzt und muss nun mit geschlossenen Geschäften und Ausgangssperren verharren. Besonders hart trifft es dabei Tirol, das nun vollkommen unter Quarantäne steht. Was bedeutet das für die dort ansässigen SHK-Betriebe – und wie groß werden die Umsatzeinbußen wohl sein?

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Leere Straßen in Innsbruck: Das ganze Bundesland Tirol steht unter Quarantäne. 

279 Tiroler Gemeinden befinden sich derzeit im absoluten Ausnahmezustand. Nachdem sich das Coronavirus in Tirol rasant verbreitete und Skiurlauber das Virus sogar über die Grenzen hinwegtrugen, zog das Bundesland die notwendige Konsequenz: Quarantäne. Erst sollten die Quarantänemaßnahmen nur bis 5. April gelten, nun wurden sie bis auf 13. April ausgeweitet. Im Gegensatz zum Rest Österreichs, der lediglich einer Ausgangsbeschränkung unterliegt, sind in Tirol nun alle Aktivitäten, die nicht dem Stillen der Grundbedürfnisse dienen, untersagt. Eingekauft werden darf nur noch in der eigenen Gemeinde und die Arbeit soll weitestgehend ins Homeoffice verlegt werden. Doch was bedeutet das für die 542 Tiroler SHK-Betriebe

Installateure im Energiesparmodus

„Wir haben hier alles auf das Notwendigste zurückgestellt“, schildert Andreas Landauer, Marketingleiter der Innsbrucker Armaturenfabrik Gustav Schmiedl, die Situation im Betrieb. „Wir haben die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Urlaub oder Zeitausgleich geschickt. Einige Aufträge werden noch zusammengepackt und wenn möglich verschickt, in den Schauräumen gibt es bereits keine Kundenbesuche mehr und auch der Außendienst ist zu.“ Die Sorge über Umsatzverluste ist bei Landauer trotz des stark eingeschränkten Betriebs recht gering: „Jetzt gibt es ein paar Monate weniger Umsatz, den wird man nachher aber zur Genüge wieder einholen können.“ Wer neue Armaturen benötigt oder größere Umbauprojekte im Badezimmer plant, wird diese auch nach der Coronakrise noch verwirklichen wollen, ist Landauer überzeugt. 

Anders sieht das Andreas Maurer-Weinold, Geschäftsführer des SHK-Betriebs Rainalter in Landeck. Mit Umsatzeinbußen sei ziemlich sicher zu rechnen, meint er. „Wenn möglich, arbeiten unsere Monteure derzeit noch auf den Baustellen weiter, zum Teil sind die Baustellen aber bereits geschlossen.“ Dies empfiehlt auch die Tiroler Wirtschaftskammer dringend: Derzeit darf zwar noch auf Baustellen gearbeitet werden,wenn die Bauarbeiter jederzeit einen Mindestabstand von einem Meter einhalten. "Das ist aber nicht praxisgerecht und lässt sich im Betrieb einer Baustelle beim besten Willen nicht lückenlos einhalten", warnt der Obmann der Landesinnung Bau, Anton Rieder und fordert: „Alle Baustellen, die nicht als Notfall-Arbeiten zur Aufrechterhaltung der Infrastruktur oder zur Stilllegung der Baustelle erforderlich sind, müssen durch behördliche Anordnung geschlossen werden."

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Für die Tiroler Betriebe bedeutet das vor allem eins: Weniger Aufträge. Dass er einige der 64 Mitarbeiter in die Kurzarbeit schicken muss, ist für Maurer-Weinold sehr wahrscheinlich. Die Büro-Angestellten befinden sich im Homeoffice, die restlichen Mitarbeiter wurden in den Urlaub geschickt. Der Rainalter-Geschäftsführer rechnet damit, dass die Situation mindestens einen Monat anhalten und sich spürbar auf die Umsätze auswirken wird.    

Rotkohl statt Rohrzange

Eine kreative Beschäftigungsform hat der Innsbrucker Betrieb Alternativ Installationen für seine Mitarbeiter gefunden: Die Installateure liefern Lebensmittel und Medikamente an Personen, die Unterstützung benötigen, aus. „Wir haben über Facebook einen Aufruf gestartet und uns als Lebensmittel-Lieferanten angeboten“, erklärt Geschäftsführer Peter Garber im Gespräch mit TGA. „Wir bieten an, Besorgungen bezüglich Lebensmittel und Medikamente für Euch zu tätigen. Solltet Ihr Sorge haben Geschäfte zu betreten oder mit einem Öffi zu fahren, wir verstehen Euch. Einer unserer jungen Mitarbeiter wird dann den Einkauf für Euch erledigen“, schreibt das Unternehmen in seinem Facebookpost. 

Die Lieferung ist dabei gratis, bezahlt wird sie aus der Geldbörse des Geschäftsführers. Der Einkaufswert kann direkt bei den ausliefernden Mitarbeitern beglichen oder nach der Quarantäne im Büro des Betriebs bezahlt werden. „Wir haben dafür auf einem separaten Handy eine eigene Nummer eingerichtet, unter der sich Interessenten melden können“, erklärt Garber. 

Zeit dafür haben die 35 Mitarbeiter derzeit, denn auch bei Alternativ Installationen verringert sich die Auftragslage. Ein Mitarbeiter befindet sich bereits in Kurzarbeit, andere greifen auf sporadische Urlaube zurück. Das Team ist aber dennoch motiviert und wickelt alle vorhandenen Aufträge gewissenhaft ab. Auch das Büro ist noch besetzt, wenn auch mit reduzierter Frauschaft: Eine Mitarbeiterin hält die Stellung und kümmert sich um die Organisation. „Wir haben sehr viele Unterlagen in Papierform, deshalb muss bei uns immer jemand im Büro sein“, begründet Garber die Anwesenheit der Mitarbeiterin. 

Material wird knapp

Die größte Schwierigkeit der Tiroler SHK-Betriebe liegt laut Garber in der mangelnden Materialversorgung. Da das gesamte Bundesland unter Quarantäne steht, kommt es vermehrt zu Problemen bei der Zulieferung. Die Quarantäne-Verordnung des Bundeslandes verbietet derzeit die Zufahrten zu und Abfahrten aus den Gemeinden im Landesgebiet. Ausgenommen sind Versorgungsfahrten durch Zulieferer, zum Beispiel für Lebensmitteltransporte, aber auch Fahrten zur Erbringung von Dienstleistungen im Bereich der Daseinsvorsorge. Dienstleister dürfen demnach auch über die Gemeindegrenzen hinweg tätig sein – ohne die notwendigen Materialien können die Betriebe jedoch schlecht arbeiten. 

Auf der Seite des Installateur Service Zentrum (ISZ) heißt es zur Lieferung in Österreich: „Unsere Logistikzentren arbeiten uneingeschränkt. Lieferungen finden planmäßig statt. In behördlich abgesperrten Gebieten Österreichs können wir leider nicht sicherstellen, dass Lieferungen möglich sind. Wir prüfen die Situation daher für jede Region einzeln.“ Beim ISZ-Partner Frauenthal Handel wird weiterhin an die Tiroler Betriebe geliefert, einen kompletten Shutdown soll es nicht geben, so das Unternehmen. 

Generell läuft der Güter- und Warenverkehr von und nach Tirol weiter, wie auch Josef Ölhafen, Geschäftsführer der Sparte Transport und Verkehr der Tiroler Wirtschaftkammer, erklärt: „Der internationale Warenverkehr läuft derzeit eigentlich problemlos. Es gibt momentan auch keine Grenzstaus, die Fahrer werden fallweise gescreent, was aber nicht sehr lange dauert. Natürlich gibt es sowohl bei uns als auch in den Nachbarstaaten Unternehmen, die ihre Betriebe geschlossen haben und daher zugesagte Produktionen nicht ausliefern oder auf der anderen Seite bestellte Waren nicht annehmen. Es gibt auch Unternehmen, die nicht mehr nach Italien liefern.“ Es ist immer auch eine individuelle Entscheidung der Lieferanten, ob sie weiterhin zustellen wollen, einigen ist das Risiko schlichtweg zu groß. Aufgrund dieser individuellen Entscheidungen kommt es dazu, dass einige Betriebe in Tirol nichts von den Lieferengpässen spüren, während andere stark davon betroffen sind. "Das mag fallweise sein, aber wie gesagt: die Versorgung der Bevölkerung und der Betriebe können wir derzeit sicherstellen", so Ölhafen. Einen generellen Lieferstopp gibt es damit nicht, somit dürfte auch Tirol weiterhin gut versorgt werden. 

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