Aus TGA 9: Heizen - morgen

Schlüsselfaktor Wärmewende

Kein Green Deal ohne Wärmewandel. Heizen morgen, das heißt auf fossile Brennstoffe zu verzichten – ein nicht unumstrittener Weg, wie Statements aus den Branchenverbänden zeigen

Der Gebäudebereich spielt eine entscheidende Rolle, sollen die ambitionierten Ziele des Green Deals erreicht werden. Die Energieversorgung soll in neu errichteten Gebäuden ohne CO₂-Emissionen erzielt werden. Das „Aus“ fossiler Energieträger im Neubau ist im Regierungsprogramm 2020 – 2024 festgeschrieben, in der Sanierung soll dem kurzfristigen Öl- ein längerfristiger Gasausstieg folgen. Gewerbe und Industrie, aber auch die Branchenverbände sind gefordert, Ihren Beitrag zu leisten. In einer TGA-Umfrage haben wir nachgefragt:

  • Was kann Ihre Institution beitragen, um diese Ziele umzusetzen? Und: Sind diese Ziele Ihrer Meinung nach zu realisieren?
  • Welche Technologien sind Ihrer Ansicht nach jene, die sich in Neubau und Sanierung durchsetzen werden?
  • Welcher Maßnahmen bedarf es Ihrer Meinung nach noch von Seiten der öffentlichen Hand, um die Energiewende im Gebäudebereich zu erreichen?
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© Wilke

Roger Hackstock, Geschäftsführer Verband Austria Solar: „Es braucht starke Maßnahmen"

Die Ziele des Regierungsprogramms sind auf jeden Fall erreichbar, die Sanierungsraten bei Heizungen müssen dafür aber steigen. Die Förderaktion „Raus aus Öl“ hat einiges in Bewegung gebracht, im letzten Jahr wurden tausende Ölheizungen getauscht, zu zwei Drittel durch Pelletsheizungen und ein Drittel Wärmepumpen. Wichtig ist, bei diesem Rennen alle erneuerbaren Energien einzusetzen, auch Solarwärme. Wir haben eine Online-Suche nach solarerfahrenen Installateuren eingerichtet, um den Heizungskunden die Entscheidung zu erleichtern.

Eine wichtige Unterstützung der öffentlichen Hand wäre die Ergänzung der Förderaktion „Raus aus Öl“ um einen Solarbonus wie in Deutschland, wo der Markt bei Solaranlagen wächst. Um die Energiewende im Gebäudebereich zu erreichen, braucht es jedenfalls stärkere Maßnahmen. Diese sollten im kommenden Wärmegesetz verankert sein. Der größte Hebel ist ein Preis für CO₂, wenn wir die Klimakrise eindämmen wollen. Dieser wurde für Anfang nächsten Jahres angekündigt. Wir hoffen, dass der Termin hält.

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Roger Hackstock, Geschäftsführer Verband Austria Solar: „Es braucht starke Maßnahmen"

Die Ziele des Regierungsprogramms sind auf jeden Fall erreichbar, die Sanierungsraten bei Heizungen müssen dafür aber steigen. Die Förderaktion „Raus aus Öl“ hat einiges in Bewegung gebracht, im letzten Jahr wurden tausende Ölheizungen getauscht, zu zwei Drittel durch Pelletsheizungen und ein Drittel Wärmepumpen. Wichtig ist, bei diesem Rennen alle erneuerbaren Energien einzusetzen, auch Solarwärme. Wir haben eine Online-Suche nach solarerfahrenen Installateuren eingerichtet, um den Heizungskunden die Entscheidung zu erleichtern.

Eine wichtige Unterstützung der öffentlichen Hand wäre die Ergänzung der Förderaktion „Raus aus Öl“ um einen Solarbonus wie in Deutschland, wo der Markt bei Solaranlagen wächst. Um die Energiewende im Gebäudebereich zu erreichen, braucht es jedenfalls stärkere Maßnahmen. Diese sollten im kommenden Wärmegesetz verankert sein. Der größte Hebel ist ein Preis für CO₂, wenn wir die Klimakrise eindämmen wollen. Dieser wurde für Anfang nächsten Jahres angekündigt. Wir hoffen, dass der Termin hält.

© VÖK

Dr. Elisabeth Berger, Geschäftsführerin VÖK: „Die aktuellen Technologie- und Innovationsverbote sind völlig kontraproduktiv"

Die Klimaerwärmung gebietet den Ausstieg aus FOSSILEN Brenn- und Treibstoffen. Da die neuen CO₂-freien bzw. neutralen Energien aufwändiger herzustellen sind und auch nur begrenzt verfügbar sein werden, ist das oberste Gebot die effiziente Verwendung dieser. Ich möchte hier mal klar und deutlich festhalten, dass es KEINE fossilen Heizsysteme gibt - alle bekannten Heizsysteme können mit erneuerbaren Brennstoffen und erneuerbarem Strom betrieben werden - das heißt, wir können die vorhandene Infrastruktur weiter nutzten, müssen die Gebäude nicht abreißen oder komplett aushöhlen. Allerdings müssen alle Geräte durch hocheffiziente Heizsysteme ersetzt werden - durch Brennwertgeräte, Wärmepumpen und hocheffiziente Pellets- und Holzheizungen. Energieverschwendung können wir uns in dem Szenario nicht mehr leisten.

Wir werden weiterhin die Vielfalt an Energieformen - feste, flüssige, gasförmige Energie sowie Strom - benötigen. Dies sollte aber nicht zum Ausbau von Atomstrom führen, sondern möglichst rasch die Kapazitäten für die Produktion von Wasserstoff, Biomethan, Bioöl usw. geschaffen werden, sowie zu einer umfassenden Nutzung der in Österreich reichlich vorhanden Ressource Holz. Hier sehen wir noch großen Forschungs- und Innovationsbedarf und wir vermissen die Erstellung von Roadmaps für alle Energieträger unter Einbindung aller Akteure. Dabei möchte ich die Einbindung betonen - das ist wie mit dem Impfzwang - Verbote und Diktat von oben bewirken meist das Gegenteil. Die Transformation kann nur mit und durch die freie Marktwirtschaft und den Wettbewerb der Ideen stattfinden, per Dekret von oben wird das sicher nichts! 

TGA: Was kann die VÖK beitragen um diese Ziele umzusetzen? Sind die Ziele des Green Deal zu realisieren?
Berger: Die Heizungsindustrie ist trotz fehlender Zeitpläne für die Transformation des Energiesektors in Vorleistung getreten und hat Gasthermen und Brennstoffzellen entwickelt, die mit Wasserstoff und Biomethan betrieben werden können, hocheffiziente Heizkessel wurden für Stückholz, Pellets und Hackgut in kürzester Zeit entwickelt, die kaum messbare Emissionen haben, der COP bei Wärmepumpen steigt beinahe halbjährlich und das mit immer umweltfreundlicheren Kältemitteln; Ölkessel können problemlos mit Bioöl betrieben werden. Unser Job ist und war Heizgeräte mit geringstmöglichem Energieverbrauch, niedrigen Emissionen und hohem Komfort auf den Markt zu bringen - und genau das machen wir! Welche Systeme und Kombination dann optimal für das konkrete Gebäude sind, ist individuell nach Lage, Nutzung und finanziellen Möglichkeiten vom Installateur und Endnutzer zu entscheiden - sowohl bei Neubau als auch bei Sanierung. Aus Sicht der Heizungstechnologie benötigen wir keine fossilen Brennstoffe mehr. Damit der Zeitfaktor beim Einbau für die Installateure und Kunden überschaubar bleibt, werden immer mehr „Plug-and-Play" Systeme angeboten. Denn es nutzen die besten Heizsysteme nichts, wenn sie aus Zeit- und Kostengründen nicht eingebaut werden. Klar ist, dass erneuerbare Brennstoffe und erneuerbarer Strom vor allem im Winter künftig teurer werden; allerdings wird dieser Preisanstieg durch den geringeren Verbrauch, die Produktion und Lagerung vor Ort wieder kompensiert werden. Diese Entwicklung konnte man in letzten Jahrzehnten schon beim Verkehr beobachten.

Welche Technologien sind es, die sich in Neubau und Sanierung durchsetzen werden?
Berger: Es wird unverändert eine große Vielfalt an Technologien zum Einsatz kommen - vermehrt als Hybridanlagen: PV mit Wärmepumpen und Brennstoffzellen, Holzheizungen mit Brauchwasserwärmepumpen, aber auch immer noch Brennwertgeräte mit der bewährten Solarthermie, in dicht verbauten Stadtzentren die Fernwärme. Die Gebäude und Bewohner sind vielfältig, die passenden Heiztechnologien auch. Es ist eine Illusion, alle Gebäude über einen Kamm scheren zu wollen.

Welcher Maßnahmen bedarf es noch von Seiten der öffentlichen Hand um die Energiewende im Gebäudebereich zu erreichen?
Berger: Die öffentliche Hand muss endlich gemeinsam mit der Öl- und Gaswirtschaft eine realistische Roadmap zur schrittweisen Substitution von fossilem Öl und Gas durch Grünes Gas und Grünes Öl erstellen. Alle Akteure müssen wissen, wann welche erneuerbaren Energien in welchem Mischverhältnis verfügbar sind. Mehr Realismus in den Plänen wäre ebenfalls hilfreich: Die vollständige Elektrifizierung des Wärmesektors würde zwar vor Ort zu keinen CO₂-Emissionen führen, allerdings müsste der Strom im Winter importiert werden - aus Atomkraftwerken oder umgerüsteten alten Braunkohlekraftwerken. Der im Sommer produzierte Überschussstrom kann so nicht im Winter für Heizzwecke verwendet werden. Es kann damit aber Wasserstoff produziert werden, der über das Gasnetz dann sehr wohl im Winter genutzt werden kann.  Die aktuellen Technologie- und Innovationsverbote sind jedenfalls völlig kontraproduktiv. Das führt zu einem Reparaturmarkt ineffizienter und veralteter Geräte mit nicht unerheblichen Sicherheitsrisiken und qualmende Rauchfänge sollten nicht mehr zum Landschaftsbild Österreichs gehören!

Ing. Michael Mattes, Bundesinnungsmeister Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker: „Der politische Wille wird schön gerechnet"

Aktuell können wir uns über den Auftragsstand in der Branche nicht beschweren, welcher aus meiner Sicht durch enormen Nachholbedarf und Mitnahmeeffekt von den vielen Förderungen bei finanzkräftigen Kunden verursacht wird. Den Rohstoffmangel sehe ich entspannt, weil er bei entsprechender Zeitplanung die Branche nur am Rande trifft – sprich, die Kunden müssen halt warten. Ich befürchte, dass mit der Verbotsstrategie und Zwangsmaßnahmen bald ein Ende zu erwarten ist, wenn es einkommensschwächere Gruppen trifft. Leider ist es so, dass der politische Wille schön gerechnet wird und nicht den Gesetzen der Physik entspricht. Zum Beispiel kann mit einer PV-Anlage im Winter nicht geheizt werden!

Unsere Frau Minister rechnet mit bilanziellem erneuerbarem Strom über das Jahr verteilt, jedoch fehlen uns 20 % bis 25 % in der kalten Jahreszeit, der dann aus einem tschechischen Atomkraftwerk stammt. Bis jetzt hat noch niemand begriffen, dass mit Strom-Überschuss aus dem Sommer speicherbare Energie produziert werden sollte. Auch der Kraftwerks- und Leitungsbau wird bei uns seit 40 Jahren verhindert! Eines ist klar, dass wir auch erneuerbare, speicherbare Energieträger importieren müssen, da unsere eigene Produktion das nie schafft.

TGA: Der Gebäudebereich spielt eine entscheidende Rolle, sollen die ambitionierten Ziele des Green-Deal erreicht werden. Die Energieversorgung soll in neu errichteten Gebäuden ohne CO₂-Emissionen erzielt werden. Das „Aus“ fossiler Energieträger im Neubau ist im Regierungsprogramm 2020-2024 festgeschrieben, in der Sanierung soll dem kurzfristigen Öl- ein längerfristiger Gasausstieg folgen…
Mattes: Das wäre der Wunsch, jedoch ist fraglich, ob mit Erdgas eine Stromproduktion mit einem Wirkungsgrad von 30 % bis 40 % sinnvoll ist und dann die entstehende Abwärme als CO₂-freie Fernwärme zu bewerben? Das vor kurzem verabschiedete EAG ist meiner Meinung nur eine versteckte Finanzierung für den fragwürdigen Fernwärmeausbau! Im Vergleich ist bei einer dezentralen Wärmeversorgung (Brennwert) ein Wirkungsgrad von mind. 92 % möglich und mit einer gasbetriebenen Wärmepumpe könnten dazu noch +60 % Umweltwärme (z.B. kostengünstig aus Grundwasser) gewonnen werden.

Den österreichischen Installateuren kommt bei der Realisierung dieser Pläne eine Schlüsselrolle zu. Sehen Sie die Unternehmen dafür schon richtig aufgestellt?
Mattes: Mit abgelegter Meisterprüfung ist das erforderliche Wissen hinsichtlich Bauphysik, Planung, Anlagenbau und Energieeffizienz garantiert vorhanden und dieser Betrieb dafür geeignet. Leider ist die „Schlüsselrolle“ fraglich, da meiner Meinung nur auf selbsternannte „Experten“ gehört wird, deren Aussagen dem politischen Willen entspricht.

Großes Potenzial liegt vor allem in der Sanierung. Welcher Maßnahmen bedarf es Ihrer Meinung nach um die Sanierungsrate zu steigern?
Mattes: Hier muss ich die in Österreich nicht gelebte EU-Richtlinie 2010/31 (Inspektion von Heizungsanlagen) und Ökodesign-Richtlinie aus 2015 nennen, womit eine enorme CO₂-Einsparung nur mit einer Effizienzsteigerung verabsäumt wurde. Weiter muss, wie schon eingangs erwähnt, eine Sanierung leistbar sein! Mit einer Hybridanlage (z.B. das Nachrüsten einer Wärmepumpe zu einer intakten, bestehenden Öl- oder Gas-Wärmeversorgung, bei einem vorhandenem Wärmeabgabesystem mit hoher Versorgungstemperatur) kann mit geringsten Anschaffungskosten locker der Green Deal (Reduktion von 65 % an CO₂) erreicht werden und das noch ohne erneuerbare Energieträger!

Welche Technologien sind Ihrer Ansicht nach jene, die sich in Neubau und Sanierung durchsetzen werden?
Mattes: Im Neubau ist alles geplante möglich, jedoch im Sanierungsfall ist auf die Temperatur vom bestehenden Abgabesystem zu achten und eine passende Wärmeversorgung auszuwählen.

Welcher Maßnahmen bedarf es Ihrer Meinung nach noch von Seiten der öffentlichen Hand, um die Energiewende im Gebäudebereich zu erreichen?
Mattes: Wie schon festgestellt, muss ein Umbau leistbar sein. Weiter wäre es endlich an der Zeit, einen funktionierenden Fahrplan für die Zukunft in Österreich zu erstellen und dabei den wirklichen (nicht politisch gefärbten) CO₂-Anteil der Energieträger zu berücksichtigen.

© Foto Weinwurm GmbH

DI Vera Immitzer, Geschäftsführung Bundesverband Photovoltaic Austria: „Wieviel Neubau/ Wieviel Sanierung?"

Welche Rolle spielt die Photovoltaik in der Wärme, wenn damit eigentlich Strom erzeugt wird? Die Photovoltaik kommt vor allem im Neubau durch dessen unglaublich niedrigen Wärmebedarf ins Spiel. Hier kann der verbleibende Bedarf über eine Wärmepumpe, oder durch den gezielten Einsatz elektrischer Heizsysteme (z.B. einer Infrarotheizung) direkt in Wand, Decke oder Fußboden verbaut, gedeckt werden. Der Strom dazu muss freilich aus erneuerbaren Quellen stammen, am besten vor Ort erzeugt mittels PV-Anlage am Gebäude. Die Devise lautet „Ich erzeuge mir Strom und Wärme selbst!“ Die Überlegungen der Bauleute müssen zukünftig aber mehr in Richtung Kühlung gehen. Angesichts der Klimaerhitzung.

Die Sanierung ist ein ganz anderes Feld. Je nach Elan des Gebäudebesitzer bieten sich unterschiedliche umweltfreundliche Möglichkeiten an. Ein kompromissloser Ersatz der fossilen Heizungen ist, eine thermische Sanierung vorausgesetzt, in der Regel die umweltfreundlichste Lösung. Für zögernde Besitzer bietet sich die Vor-Investition in Infrarot Heizung oder Heizstab an, um so die alte Heizung in einem ersten Schritt erneuerbarer zu machen.

Klar ist jedenfalls, dass der Tausch der über 600.000 Öl- sowie 900.000 Gaskessel ein Mammutprojekt ist. In Anbetracht der beworbenen Betriebsdauer von rund 20 Jahren und der angestrebten Klimaneutralität in 20 Jahren ist daher das bundesweite Verbot von fossil betriebenen Kesseln im Neubau unerlässlich! Eine Entschuldigung, es jetzt nicht zu tun, gibt es nicht – Konzepte und Förderungen sind vorhanden. Worauf warten wir?

© proPellets Austria/ Wilke

DI Dr. Christian Rakos, Geschäftsführer proPellets: „Welche Rolle werden Pellets spielen?"

Hohe Förderungen, der angekündigte Ölheizungsausstieg und die geplante Ökosteuerreform zeigen schon jetzt ihre Wirkung: Die Verkäufe von Pelletheizungen erleben derzeit einen Boom. Sie werden 2021 bis zu 60 % über dem Vorjahr liegen. Noch dynamischer als in Österreich steigen derzeit die Verkaufszahlen für Pelletheizungen in Deutschland und in Frankreich. Das Zeitalter der erneuerbaren Energie ist auch im Heizungsmarkt angebrochen.

TGA: Kann da die Pelletproduktion Schritt halten?
Rakos: Absolut, derzeit produziert Österreich mit 1,5 Mio. Tonnen wesentlich mehr Pellets als die 1 Mio. Tonnen, die im Inland benötigt werden. Weitere 350.000 Tonnen Produktionskapazität sind im Bau. Pellets werden dabei ausschließlich aus Sägenebenprodukten hergestellt. Der Boom beim Holzbau sorgt für weiter steigenden Rohstoffanfall. Die Herstellung unter Nutzung von erneuerbarer Energie und die kurzen Transportwege sorgen für eine CO₂-Reduktion von rund 97 % gegenüber Heizöl. Pelletheizungen werden sich aus meiner Sicht dort langfristig als System der Wahl durchsetzen, wo es um einen höheren Wärmebedarf geht, bzw. wo das Heizsystem eine höhere Vorlauftemperatur benötigt. Neben dem Ersatz von Ölheizungen in Einfamilienhäusern - dem aktuell größten Markt - werden in Zukunft vor allem gewerbliche Objekte, Industriebetriebe und der verdichtete Wohnbau wichtige Märkte sein. Flexibler Einsatz, niedrige Betriebskosten, hoher Komfort und nahezu emissionsfreier Betrieb sind die maßgeblichen Vorteile, die Pelletheizungen einen festen Platz in der klimafreundlichen Wärmeversorgung der Zukunft sichern.

© Österreichischer Biomasse-Verband

DI Antonio Fuljetic, Pressesprecher Österreichischer Biomasse-Verband: „Holzheizung für jeden Anlass"

Holz ist der wichtigste erneuerbare Energieträger im Wärmebereich. Ein Drittel des heimischen Raumwärmeeinsatzes entfielen im Jahr 2019/20 auf Scheitholz-, Pellets- oder Hackgutheizungen. Zählt man aus Biomasse erzeugte Fernwärme dazu, kommt man annähernd auf einen Anteil von 41 %. Dennoch muss noch einiges getan werden, um die Energiewende zu meistern. Dazu benötigt es neben Anreizen in Form von Förderungen auch dringend gesetzliche Rahmenbedingungen. Deshalb erwartet die Wärmebranche sehnsüchtig das für heuer angekündigte Erneuerbare-Wärme-Gesetz. Darin sollen sich die Ziele der Bundesregierung manifestieren: Bis 2035 kompletter Ausstieg aus fossilen festen und flüssigen Energiequellen sowie Flüssiggas. Bis 2040 soll auch keine Erdgasheizung in einem Haushalt mehr eingesetzt werden.

Die Biomasse-Branche verspürt schon jetzt die wachsende Nachfrage und bereitet sich dementsprechend vor. Die Produktionskapazitäten der Kesselhersteller schnellen in die Höhe. Die Energieholzpreise bleiben aber konstant. Dahingegen steigen die Kosten für öl- und gasbetriebene Heizungen wieder. Einen weiteren Impuls für die Branche erwarten wir mit der Einführung einer CO₂-Abgabe, die für das kommende Jahr angekündigt worden ist.  Die Auswirkungen kann man bereits in Deutschland ablesen. Ob im Neubau oder Sanierung – eine passende Holzheizung ist immer zu finden.