Gebäudetechnik

Wann ist ein Smart Home ein Smart Home?

Verbraucher sehen im Smart Home keinen Mehrwehrt und greifen deshalb lieber zu konventionellen Geräten. So jedenfalls eine neue Studie des Verbraucherzentrale Bundesverbands. Das Problem daran: Der Begriff ist nicht genau definiert und die Frage, ab wann ein Haus als Smart Home gilt, bleibt offen. Die Branche ist sich da hingegen einig.

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Reicht ein Smart Speaker oder braucht ein Smart Home umfassende Gebäudetechnik? 

Es sind ernüchternde Zahlen für Smart Home-Anbieter: 49 Prozent der deutschen Verbraucher haben kein Interesse am Smart Home, nur zwölf Prozent sind wirklich stark daran interessiert. Das zeigt eine Umfrage unter über 1.000 Personen der Dachorganisation Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Hauptgrund für das mangelnde Interesse ist dabei für 59 Prozent der Befragten der fehlende Mehrwert. 51 Prozent haben Datenschutz-Bedenken und 47 Prozent finden smarte Geräte schlichtweg zu teuer. 

Pseudowissen lässt Mehrwert sinken

Laut eigener Aussage wissen 56 Prozent der Befragten ziemlich genau, was ein Smart Home ist, 35 Prozent geben an, schon davon gehört, aber keine genaue Vorstellung davon zu haben. Lediglich sieben Prozent haben keine Ahnung was unter den Begriff Smart Home fällt. Was die Befragten letztendlich wirklich unter dem Begriff verstehen, wird in der Befragung nicht weiter erörtert. „Bei solchen Online-Umfragen ist man bemüht, die Fragen möglichst einfach zu halten, weshalb ich auch keine seitenlange Definition zum Begriff Smart Home anführen kann“, erklärt Thomas Engelke, Leiter des Teams Energie und Bauen bei des vzbv, die mangelnde Begriffserklärung.

Mit Nachlässigkeit bei der Smart Home-Definition hat die Branche immer wieder zu kämpfen. Schnell wird dadurch bereits aus einer Wohnung mit intelligentem Staubsaugerroboter ein Smart Home. Für Verbraucher ist der Begriff schwer zu durschauen und umfassende Systeme rücken hinter die Smart Speaker der Elektronikkonzerne. „Wenn für viele ein Smart Home bedeutet, dass ich mit einer App oder einer Sprachsteuerung etwa ein Licht ein- und ausschalten oder die Beschattung öffnen und schließen kann, dann sucht man natürlich vergeblich nach einem großen Mehrwert für den Verbraucher“, so Bianca Gattringer, Pressereferentin von Loxone, zur Umfrage. „Ich denke auch, dass zu wenig auf eine Komplettlösung, wie die bei Loxone, eingegangen wurde, in der alle Gewerke miteinander kommunizieren und somit dem Bewohner zigtausende Handgriffe abnehmen, weil das Haus selbst weiß was zu tun ist und so viele Aufgaben in punkto Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz übernehmen.“

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Eine übergreifende Definition des Begriffs würde bei Gebäudetechnik-Unternehmen und Konsumenten für mehr Klarheit sorgen, ist Günther Ohland, Gründer der Smart Home Initiative Deutschland, überzeugt: „Leider ist der Begriff  ‚SmartHome‘ nicht so eindeutig wie ‚Saugerroboter‘ oder ‚HD-Fernseher‘. Es werden Produkte mit  Smart Home bezeichnet, über die ich nur den Kopf schütteln kann. Es fehlt der Mehrwert. Warum soll ich eine Leuchte per Smartphone einschalten? Warum soll mein Kühlschrank mir sagen, ob noch ein Tetrapack Milch enthalten ist, wenn er nicht sagen kann, wie viel Milch in der Packung ist? 

Dazu kommen als smart bezeichnete Produkte, die eigentlich nur den Sinn haben, Kundenverhalten zu ermitteln und deshalb nur über das Internet funktionieren.“ Sowohl für Günther Ohland, als auch für Bianca Gattringer wird ein Smart Home durch zunehmenden Komfort und Nutzen für den Verbraucher definiert. Prozesse müssen vereinfacht werden, ob mit oder ohne Internetverbindung ist dabei an den jeweiligen Anwendungsfall anzupassen. So bietet Loxone beispielsweise ein Smart Home ohne Internet an, gleichzeitig kann aber auch ein Smart Speaker mit Sprachsteuerung zu einem Smart Home führen, wenn er sinnvoll eingesetzt wird. Steuert der Nutzer Rollos, Heizung, Licht und Alarmanlage über Alexa und agieren die einzelnen Komponenten sinnvoll untereinander, darf sich auch diese Komposition Smart Home nennen. 

Hersteller sind mit Schuld

Den meisten Verbrauchern ist dieser feine Unterschied jedoch nicht klar, weshalb das Smart Home weiterhin für Verwirrung sorgt. Laut Ohland haben die Hersteller in den vergangenen Jahren zu dieser Verwirrung beigetragen: „Industrie, Handwerk und Handel haben in der Vergangenheit und zum Teil auch noch zu oft über Technik und überhaupt nicht über den Nutzen gesprochen. Das rächt sich nun, denn die technikverliebten Kunden haben ohnehin ein Smart Home und die restlichen Menschen sind ausschließlich am Nutzen orientiert. Wenn der nicht vermittelt werden kann oder sogar fehlt, gibt es keine Kundennachfrage.“

Fehlende Definitionen und Zuständigkeitsbereiche führen zu einem unübersichtlichen Markt und machen das Smart Home für Kunden damit uninteressant. Eine häufige Angst von Verbrauchern ist, dass sie bei Smart Home-Geräten schlechter aussteigen als bei vergleichbaren analogen Produkten. Kann ich die Software für meine vernetzte Waschmaschine auch in zehn Jahren noch nutzen? Wer haftet im Falle einer falschen Programmierung des Geräts? Und wie sicher sind vernetzte Geräte wirklich? Auf diese Fragen müssen Hersteller offensichtlich besser eingehen, damit sie Verbrauchern das Smart Home schmackhaft machen können.

Angst vor veralteter Technik und Hackern

Laut vzbv-Umfrage haben 46 Prozent der Deutschen bedenken darüber, wie ausgereift die Geräte sind. Die Verbraucher befürchten, dass heute moderne Geräte schon in wenigen Jahren nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen und damit schnell unbrauchbar werden. Günther Ohland hebt diese Bedenken auf: "Die Unterhaltungselektronik wird sich bestimmt ändern, hier kann ich nicht gut planen. Ein Rollo-Aktor hingegen wird in 30 Jahren dieselbe Aufgabe haben wie heute: Er wird das Rollo rauf und runter fahren. Auch ein Lichtschalter wird in Zukunft dasselbe machen wie heute. Wichtig ist hier, dass das Gebäude zukunftsfähig erweiterbar bleibt." Mit der richtigen Beratung ist das Gebäude auch für die Technik der Zukunft gewappnet und Nutzer werden lange Freude daran haben, meint der Experte. 

Eine weitere Sorge, die bei der Umfrage deutlich wurde, ist, dass das System von Kriminellen gehackt und damit manipuliert werden kann. Neben dem fehlenden Mehrwert schreckt der potenzielle Missbrauch persönlicher Daten die meisten Verbraucher vor der Nutzung smarter und vor allem internetfähiger Geräte ab. Das richtige System könnte diese Bedenken widerlegen, meint Bianca Gattringer: "Loxone einen entscheidenden Vorteil - alle Daten bleiben in den eigenen vier Wänden, da unsere Lösung keine Cloud-basierende, sondern eine Miniserver-basierende Lösung ist. Sämtliche persönliche Nutzungsdaten liegen auf dem Loxone Miniserver und verlassen das Gebäude nicht. Darüber hinaus funktioniert das Loxone System auf Wunsch auch gänzlich ohne Internetanbindung." Um lange vom smarten und sicheren Zuhause zu profitieren, sollten sich Kunden deshalb immer auf eine fachgerechte Beratung setzen und nicht auf den Warenkorb eines Online-Konzerns.

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