Wasser statt Feuchttücher

Wie Dusch-WCs die städtischen Klärwerke entlasten können

Feuchttücher verstopfen nicht nur Rohre, sondern können auch sehr schwer zersetzt werden und belasten dadurch die Umwelt. Eine Lösung können Dusch-WCs sein. Sie sind nicht nur besonders hygienisch, sondern auch sanft zur Haut.

Für Kläranlagen sind Feuchttücher eine Herausforderung.

2,25 Tonnen – so viel Restmüll erreicht das Klärwerk Pfullendorf in Baden-Württemberg monatlich. Tendez steigend. Darunter: Strumpfhosen, Unterwäsche, Windeln, Lebensmittelreste – und Feuchttücher. In ganz Baden-Württemberg zeigt sich ein ähnliches Bild. Rund 1.000 Tonnen Restmüll erreichen nach Angaben der Stadtverwaltung Mannheim das dortige Klärwerk pro Jahr, das sind etwa 40 Müllsäcke pro Tag. Und auch Maximiliane Kühl, Betriebsingenieurin beim Eigenbetrieb Stadtentwässerung Stuttgart klagt: „Feuchttücher landen immer häufiger in der Kanalisation.“ Da sie reißfest seien, lösten sie sich nicht im Wasser auf und verklumpten. „Die dadurch entstehenden Verstopfungen müssen von Hand aus der Pumpe beseitigt werden“, berichtet Kühl.

Gestiegener Wartungsaufwand kostet Zeit und Geld

Der Wartungsaufwand sei durch dieses veränderte Hygieneverhalten immens gestiegen: Mussten die Pumpstationen des Klärwerks Pfullendorf etwa vor einigen Jahren nur einmal pro Woche kontrolliert und gereinigt werden, sind die Mitarbeiter der städtischen Abwasserbeseitigung an einigen Stationen inzwischen dreimal pro Woche aktiv, um Verstopfungen vorzubeugen. Das kostet Zeit und Geld – aus Sicherheitsgründen müssen solche Einsätze immer von zwei Mitarbeitern im Team ausgeführt werden. In Mannheim und Stuttgart versuchen die Verantwortlichen dem Problem mit technischen Lösungen vorzubeugen: „Wir haben an einigen Stellen Zerkleinerer in die Leitungen eingebaut, die ähnlich einem Gartenhäcksler die Feuchttücher zerkleinern. Das Problem bei diesen Vliestüchern ist jedoch, dass sie aus langen Fasern bestehen, die nach diesem Prozess trotzdem wieder neue Klumpen bilden können“, erklärt Maximiliane Kühl.

Dusch-WC als Lösung

Noch besser wäre es, wenn diese Art von Müll gar nicht erst entstehen würde. Dusch-WCs können dabei helfen. Trockenes sowie feuchtes Toilettenpapier werden überflüssig, wenn der Duscharm den Intimbereich mit warmem Wasser reinigt und der integrierte Föhn anschließend die Haut sanft trocknet. Dies bestätigt auch Dieter Müller, der beim Sanitäranbieter Geberit beschäftigt war, bevor er Abwassermeister der Kläranlage Pfullendorf wurde.

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Müll zu vermeiden sehen viele Verbraucher als Vorteil für Dusch-WCs. In einer von Geberit in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage war das Thema Umweltschutz 33 Prozent aller Befragten wichtig – und landete damit auf Platz zwei, gleich nach der Hygiene mit 38 Prozent. Tatsächlich lassen sich mit dem Dusch-WC rund zwei Drittel des Toilettenpapierverbrauchs einsparen, wie Volker Röttger, Leiter der Marketing Kommunikation bei Geberit weiß: „Der Dusch-WC-Nutzer benötigt das Toilettenpapier nur noch zum Abtrocknen – wenn überhaupt. So kommt er auf durchschnittlich 35 statt 104 Rollen pro Jahr. Die Ersparnis von feuchtem Toilettenpapier nicht einberechnet.“

Da nicht jeder umgehend auf ein Dusch-WC umsteigen kann, empfiehlt der Abwassermeister der Stadt Pfullendorf recyclebares Toilettenpapier aus nachhaltigen Quellen. Ein bewusster Umgang mit Feuchttüchern und ähnlichen Hygieneartikeln sei ebenso wichtig wie Aufklärungskampagnen, was in die Toilette gehöre und was nicht. Die Stadt Mannheim etwa weist an Infoständen darauf hin, dass weder Essensreste noch Feuchttücher oder anderer Abfall über die Toilette entsorgt werden dürfen. Sie gehören ausschließlich in den Restmüll.

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