Vernetzte Heimausstattung : Darum lohnt es sich, die eigenen Produkte mit Google Home und Alexa vernetzbar zu machen

Es beginnt mit einem Katalog an Aufnahmekriterien, geht weiter mit einem Bewerbungsprozess und endet mit einer umfangreichen Überprüfung: Wer seine Geräte mit dem Google Home Kit, Alexa oder Apple kompatibel machen will, muss erstmal einen aufwändigen Prozess durchgehen. Sprachassistenz ist in, doch für wen lohnt sich dieser ganze Aufwand überhaupt und warum sollte man das als Hersteller auf sich nehmen? TGA hat dafür zwei Smart Home-Experten befragt.
Nutzer profitieren von der Kompatibilität
„Ziel von Google ist es, dem Nutzer sehr gute Anwendungserfahrungen zu gewährleisten. Dafür müssen die Produkte qualitativ hochwertig sein und eine stabile Verbindung mit dem Internet aufbauen können“, erklärt Tado-Mitgründer Christian Deilmann den aufwendigen Zertifizierungsprozess von Google und Co. Die smarten Heizsysteme von Tado lassen sich natürlich mit Google Home, Alexa und Siri vernetzen und über einen Smart Speaker steuern. Schon bei der Bewerbung muss dafür nachgewiesen werden, dass Hardware, Software und die digitale Erfahrung für den Nutzer ausgezeichnet sind. Erst dann bekommt man die Daten für die technische Integration.
Für den Nutzer soll der Smart Home-Markt damit übersichtlicher werden, erklärt Deilmann: „Der User kann sich darauf verlassen, dass die zertifizierten Produkte einwandfrei funktionieren.“ Ein weiterer Pluspunkt: Ist ein Gerät mit Alexa oder Google Assistant kompatibel, kann es mit vielen weiteren Geräten kombiniert werden. So kann das Heizsystem von Tado zum Beispiel mit der Verschattung kombiniert werden. „Der Nutzer investiert damit in ein multifunktionales System“, so Deilmann.
Vorteile für Hersteller sind vielseitig
Auch die Anbieter profitieren von der Kooperation mit den Smart Home-Riesen. Durch die Verwendung der bestehenden Software fällt die Programmierung deutlich einfacher aus. Die Entwickler müssen damit nur den Kern des Geräts zur Verfügung stellen und eine Schnittstelle zu Alexa und Co einbinden. Damit verringere sich auch die Fehlerquote, da die Systeme von Amazon, Google und Apple schon erprobt und perfektioniert seien, erklärt der Hamburger Digital-Experte Andreas Moring im TGA-Interview.
Auch bei der Datensicherheit ersparen sich Hersteller mit kompatiblen Geräten einiges an Arbeit. „Der Datenbestand muss damit nicht mehr selber gespeichert werden, sondern wird von Apple, Amazon oder Google gespeichert. Das ist unkomplizierter und günstiger, als alle Daten selber zu speichern“, so Moring. Teile der DSGVO können somit an die Big Player abgegeben werden. Je nach Abmachung können die Hersteller dann nicht nur auf die eigenen Nutzerdaten, sondern auch auf die Daten anderer Hersteller zugreifen und ihre Geräte demnach anpassen.
Smarte Geräte ohne Schnittstelle
Laut Moring sind Smart Home-Geräte, die nicht mit anderen Systemen kompatibel sind, nur schwer zu realisieren. „Wenn das Produkt einen ganz speziellen Nischenbedarf oder einen Bedarf im B2B-Bereich deckt, dann könnte das funktionieren. Trotzdem wird es schwer, einen Spitzenbedarf zu finden, der so ausgeweitet ist, dass sich ein neues Produkt lohnt“, erklärt Andreas Moring.
Nest als Konkurrenz?
Google setzt momentan stark auf die Weiterentwicklung seiner eigenen Nest-Produkte. Bei Nest handelt es sich um einen Anbieter für vernetzte Haushaltsgeräte. Im Februar wurde der Hersteller Teil des Google-Konzerns, welcher nun stark in die Produkte investiert. Eine Gefahr für den restlichen Smart Home Markt sieht Christian Deilmann darin aber nicht: „Am Ende ist eine Plattform für den Kunden umso attraktiver, je mehr Produkte, Apps und Services er darauf finden kann. Würde Google nur Nest-Produkte vertreiben, sänke die Attraktivität für den Endverbraucher sehr stark.“ Manche Nest-Geräte sind in Europa zudem gar nicht verwendbar. Das Nest-Thermostat funktioniert bei Heizsystemen im deutschsprachigen Raum nicht, weshalb Google hierbei auf externe Anbieter zurückgreifen muss.
https://youtu.be/METDdcmklVE
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