Walz 4.0 : Builtech schickt Gesellen auf die Walz

Batuhan Caliskan bei der Abdichtung des Wassertanks im Spital: „Man sieht und erlebt Dinge, die man in Europa nicht kennt“

Batuhan Caliskan bei der Abdichtung des Wassertanks im Spital: „Man sieht und erlebt Dinge, die man in Europa nicht kennt“

- © Builtech

Die Walz ist eine jahrhundertealte Tradition, bei der Handwerksgesellen auf Wanderschaft gehen, um ihre Fähigkeiten zu erweitern und neue Erfahrungen zu sammeln. Mit der „Walz 4.0“ hat Builtech dieses Konzept modernisiert: Heuer ermöglicht das Unternehmen jungen Handwerkern bereits zum vierten Mal, für einige Wochen an internationalen Hilfsprojekten mitzuwirken. Erstmals war dabei ein Wiener Geselle dabei: Batuhan Caliskan vom einzigen österreichischen Builtech-Unternehmen, dem Wiener „Topinstallateur“, machte sich im April 2025 auf den Weg nach Sumbawanga in Tansania. Diese auf 2.000 Metern Seehöhe gelegene Stadt ist in den letzten vierzig Jahren fast auf das Zehnfache angewachsen und beherbergt heute 180.000 Menschen. 

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Aus Simmering nach Tansania

Das Ziel der Builtech-Gesellen – neben Batuhan Caliskan aus Wien-Simmering machte sich noch der Elektriker Alexander Möller von Backes + Scholz aus dem nordrhein-westfälischen Dorf Petersburg auf die Reise – war das Atiman Memorial Hospital, das von der deutschen Hilfsorganisation Interplast unterstützt wird. Die Gesundheitsinfrastruktur der Stadt ist nämlich nicht annähernd in gleichem Tempo gewachsen wie die Einwohnerzahl: So gibt es im Umkreis von 600 km genau einen Facharzt für Chirurgie. Heuer ging es darum, die neue Geburtsstation auszubauen. Zu den Aufgaben der Gesellen aus Europa gehörte es beispielsweise, Rohre für die Trinkwasserversorgung zu verlegen, Wassertanks abzudichten, Monitore aus dem OP neu zu verkabeln und die Oxygeneratoren zu reparieren. 

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Das Ziel der Builtech-Gesellen war das Atiman Memorial Hospital in Sumbawanga, Tansania.

- © Builtech
Ich habe gelernt, dass wir Dinge, die wir in Österreich und Europa haben, mehr wertschätzen müssen und nicht als selbstverständlich nehmen!
Batuhan Caliskan, Topinstallateur

Mehr Wertschätzung

Organisiert wird die „Walz 4.0“ von der Builtech-Academy, die das Motto „Weiterbildung Next Level“ hier sehr weit fasst. Die Bewerber für Walz 4.0 kommen aus allen Regionen der Gruppe, werden in der Regel von Ihren Betrieben nominiert und genau ausgewählt, sagt Tatjana Rabe von der Builtech-Academy: Das ist nötig, denn die Anforderungen an die Gesellen sind hoch, alleine die Anreise nach Sumbawanga dauert bis zu 40 Stunden.

Für Batuhan Caliskan hat sich die Reise in jedem Fall gelohnt: „Man sieht und erlebt Dinge, die man in Europa nicht kennt“. Zu den ungewöhnlichsten Erlebnissen gehörte für ihn das Mittagessen mit dem örtlichen Bischof, dem er Tipps geben konnte, wie die Solaranlage effizienter genutzt werden kann. Sein Fazit: „Ich habe gelernt, dass wir Dinge, die wir in Österreich und Europa haben, mehr wertschätzen müssen und nicht als selbstverständlich nehmen!“

Builtech: Die Nachfolgeproblemlöser

Gerade in Deutschland und Österreich gibt es viele Handwerksbetriebe ohne interne Nachfolgeregelung. Wir bieten diesen Unternehmen eine attraktive Lösung an“, so fasst Builtech-CEO Maurice Freiherrr von Dalwigk das Geschäftsmodell des Unternehmens zusammen. Derzeit gehören bereits über 30 Handwerksunternehmen aus den Gewerken HLKS und Elektrotechnik zur Gruppe, die im Eigentum des Berliner Finanzinvestors Auctus steht. 

Der Schwerpunkt liegt derzeit in Deutschland und Schweden, in der Schweiz ist Builtech im Vorjahr gestartet und steht kurz vor dem Abschluss mit weiteren Betrieben. In Österreich ist der „Topinstallateur“ aus Wien Simmering seit 2020 das einzige zur Gruppe gehörende Unternehmen, wobei von Dalwigk einer Expansion in Österreich nicht abgeneigt ist: „Wir wollen auch hier weiter wachsen und schauen uns regelmäßig neue Betriebe auf der Suche nach Top-Performern an. Dabei liegt unser Fokus auf Unternehmen mit gewerblichen Kunden. Besonders interessant finden wir Betriebe mit einem Kundenschwerpunkt in den Bereichen Handel, Logistik, Industrie und Infrastruktur.“ 

Maurice Freiherr von Dalwigk, CEO Builtech, will in den kommenden drei bis vier Jahren den Umsatz seiner Handwerker-Gruppe auf einer Milliarde Euro verdoppeln: Dabei will er auch Österreich weitere Betriebe übernehmen.

- © Builtech

Wachstumsziele auch in Österreich

Vor allem eine zentrale Voraussetzung für den Einstieg von Builtech muss erfüllt sein, so der CEO: “Die Voraussetzung dafür ist, dass ein Unternehmen erfolgreich ist. Ideale Übernahmekandidaten sind Betriebe mit einer gesunden Marge im zweistelligen Bereich. Auch die Größe ist relevant, vor allem, wenn wir in einer Region Fuß fassen wollen. Interessant wird es für uns ab etwa zehn Millionen Euro Jahresumsatz und 50 Mitarbeitern“, wobei auch kleinere Unternehmen interessant sein können, wenn die Ausrichtung und das Menschliche stimmen. Builtech schätzt, dass in Deutschland etwa 7.000 Handwerksunternehmen in dieses Profil passen, in Österreich etwa 500. Der Wachstumsplan von Builtech sieht vor, die derzeit 550 Mio. Euro Jahresumsatz in den kommenden drei bis vier Jahren auf eine Milliarde auszubauen. 

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Neben einer Lösung für die Nachfolgeproblematik bietet die Gruppe den Handwerksbetrieben Synergien und Innovationen in Bereichen, für die einzelne Betriebe in der Regel zu klein sind und die nicht zu den „Steckenpferden“ von Handwerkern zählen: Marketing, Finanzwesen, IT, Einkauf, HR und Recruiting zählt von Dalwigk als Beispiele auf – aber auch die hauseigene Academy mit innovativen Ansätzen für Aus- und Weiterbildung wie etwa die Walz 4.0 zählt dazu.