Windhager & Heliotherm : 100 Mio. in fünf Jahren: Was Weißenbacher und Bangheri gemeinsam vorhaben
Windhager-Geschäftsführer Andreas Weißenbacher (links, mit dem roten Windhager-Kapperl) und Heliotherm-Chef Andreas Bangheri (rechts) bei der Präsentation der bereits angelaufenen Kooperation.
- © TGA / PaukovitsWas gut informierte Branchen-Spatzen seit einigen Tagen von den Dächern gepfiffen haben, stellten Andreas Weißenbacher und Andreas Bangheri am Mittwoch, 27. August 2025 in Mondsee vor: Eine "strategische Allianz für nachhaltiges Heizen". Diese Partnerschaft ist nicht nur für beide Unternehmer Neuland, sondern hat in dieser Form auch kaum Parallelen in der Heizungsbranche.
Doch die Ziele sind, wie man es vom BWT-Gründer Weißenbacher gewohnt ist, sehr ehrgeizig: „Wenn wir in fünf Jahren nicht 100 Mio. Euro Umsatz bei Windhager machen, dann haben wir etwas falsch gemacht", legt sich der Windhager-Geschäftsführer die Latte gleich zu Beginn der Zusammenarbeit hoch.
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Wenn wir in fünf Jahren nicht 100 Mio. Euro Umsatz bei Windhager machen, dann haben wir etwas falsch gemacht.Andreas Weißenbacher
Windhager - made by Heliotherm
Worum es im Kern gehen wird: Unter dem von BWT bereits bekannten Slogan „For you and Planet blue“ bieten Windhager und Heliotherm künftig weltweit maßgeschneiderte Wärmepumpenlösungen für alle Kundensegmente, in allen Größen und mit allen Energiequellen an: Von privaten Haushalten über Hotellerie und Industrie bis hin zu Kommunen, mit Luft, Erde, Wasser und "Waste Heat" sowie intelligenten Kombinationen aus "Multi-Source-Wärmepumpen" und Hybridlösungen mit den Biomasse-Heizungen von Windhager und den Wärmepumpen von Heliotherm.
Dafür werden Technik, Forschung, Entwicklung und Produktion am Heliotherm-Standort Langkampfen in Tirol ab sofort laufend ausgebaut. Vertrieb und Service der gemeinsamen Wärmepumpen "Windhager - Made by Heliotherm" erfolgen über Windhager / BHT (Best Heating Technology) und deren Tochtergesellschaften in Europa.
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Während also Heliotherm seinen bestehenden Kund*innen wie bisher mit dem bewährten, breiten Produktportfolio der Marke Heliotherm beliefern wird, erfolgt die Neukundenakquise nun über die Vertriebsorganisationen des Seekirchner Traditionsunternehmens. Gleichzeitig wird die Produktion der bestehenden Windhager-Wärmepumpenserien Schritt für Schritt nach Langkampfen verlegt. Insbesondere die Premium-Serie "deluxe" soll aus der Produktion des Tiroler Technologieführers kommen. Aber auch die Standard-Serien werden von Heliotherm produziert werden.
Die Produktion sei bereits Mitte August 2025 angelaufen, und erste Geräte seien bereits ausgeliefert worden, so Weißenbacher und Bangheri. An gemeinsamen Neuentwicklungen werde bereits gearbeitet, spätestens auf der Energiesparmesse Wels 2026 seien neue Produkte von "Windhager X Heliotherm" zu erwarten.
Windhager: 30 Mio. mehr an Investition als geplant
Anders als beim ersten Versuch von Windhager am Wärmepumpen-Markt, bei dem ausschließlich auf Luft-Wärmepumpen gesetzt wurde und der bekanntlich im Konkurs geendet hat, will BHT in Zukunft alle Wärmequellen anbieten: Also auch Erdwärme und Grundwasser, aber auch Wärmerückgewinnung.
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Für Andreas Weißenbacher, der Windhager nach dem Konkurs übernommen hat, ist die Wiederbelebung der Marke Windhager und das Vorantreiben von "BHT / Best Heating Technology" ein Herzensthema. "Mir ist nicht egal, wie es dem Planeten geht!", betont der Unternehmer.
Weißenbacher, der seit rund eineinhalb Jahren bei Windhager engagiert ist, hat auch persönlich die Geschäftsführung von Windhager übernommen, um das Unternehmen wieder auf den richtigen Kurs zu bringen. Windhager habe in den letzten 20 Jahren "so circa 17 Geschäftsführer gehabt", bringt er die Problemlage auf den Punkt: Windhager sei ein toller, eingesessener Betrieb, der aber in den letzten 20 Jahren "sein Geschäftsmodell nicht so an die Zukunft adaptiert hat, wie es nötig gewesen wäre".
Das habe sich auch wirtschaftlich seit der Übernahme niedergeschlagen: „Wir haben 30 Mio. Euro mehr in Windhager investiert, als ursprünglich geplant gewesen war", beziffert Weißenbacher die Höhe seines Engagements. Aber der Erfolg habe sich bereits eingestellt: Die Mehrzahl der Kunden, die sich nach dem Konkurs von Windhager abgewandt hatten, konnten wieder zurückgewonnen werden. Mindestens 85 Prozent der früheren Windhager-Kunden seien wieder an Bord, schätzt der Geschäftsführer.
Weißenbacher verweist aber auch auf die langjährige Erfahrung von BWT am Heizungsmarkt und insbesondere mit Schwimmbad-Wärmepumpen: Rund 48.000 BWT-Wärmepumpen seien für diese Anwendung bereits verbaut. Die bisherigen Lieferanten halfen dabei, das Wärmepumpen-Portfolio bei Windhager ohne das geplante Werk in Pinsdorf und ohne die gescheiterte Kooperation mit M-Tec wiederzubeleben. Nun geht Windhager mit Heliotherm den nächsten Schritt.
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Wir haben 30 Mio. Euro mehr in Windhager investiert, als ursprünglich geplant gewesen war.Andreas Weißenbacher
Heliotherm: Bangheri zieht alle Register
Über Andreas Bangheri sagt man in der Wärmepumpen-Branche, er sei der "beste Kältetechniker" Österreichs. Auch Andreas Weißenbacher streut dem Heliotherm-Gründer, Eigentümer und Geschäftsführer Rosen: "Für mich war klar, dass ich es nur mit ihm mache und mit sonst niemandem - und das habe ich in meinem Leben noch nie so gehalten", lässt der BWT-Gründer hinter die Kulissen blicken.
Kennengelernt haben sich die beiden erst vor einem halben Jahr bei einer Messe. Die daraus entstandene Kooperation fußt also stark auf der persönlichen Verbindung der beiden Unternehmer und der Überzeugungskraft von Andreas Weißenbacher: „Zum Glück hat Andreas Bangheri am Ende zugestimmt, sonst hätte ich viel Zeit verloren." Tatsächlich hat sich Heliotherm in den letzten 38 Jahren einen Namen als innovatives Technologie-Unternehmen gemacht, das die Grenzen und Möglichkeiten der Wärmepumpe beständig neu ausreizt. Jüngste Beispiele ist etwas die Wasserstoff-Wärmepumpe, die heuer vorgestellt wurde.
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Andreas Bangheri betont, dass die Eigentumsverhältnisse von Heliotherm von dieser strategischen Partnerschaft unberührt bleiben: Er selbst bleibt 100-Prozent-Eigentümer des Unternehmens, das auch weiterhin wie bisher als eigenständige Marke am Markt auftreten wird und seine Kund*innen wie gehabt betreuen und mit Heliotherm-Produkten beliefern wird. Aber der Technologie-Transfer laufe in beide Richtungen: Sowohl in Langkampfen als auch in Seekirchen am Wallersee seien jeweils Mitarbeitende des anderen Unternehmens vor Ort, um die Kooperation zu beschleunigen. Auch Schulungen der Service-Mitarbeitenden seien bereits im Gange.
Bangheri bestätigt, dass er eine Zusammenarbeit in dieser Form noch nicht erlebt habe: Alleine die Geschwindigkeit, mit der Verträge und Vereinbarungen besprochen und fertig ausgearbeitet, sei für ihn beeindruckend. Am Heliotherm-Standort in Langkampfen bei Kufstein sei derzeit bereits ein Investitionsprogramm im Laufen: Unter dem Titel "Green Frontrunner", ein Förderprogramm der früheren Regierung, werden über 5 Mio. Euro in die Modernisierung der Produktionsstätte gesteckt. Aber mit der Windhager-Kooperation werden die Karten neu gemischt: So stünden in Tirol noch rund 8.000 m2 Fläche bereit, die dem Ausbau harren. Auch an weitere Kooperationen, wie etwa die Auslagerung von Blechfertigung zu Windhager nach Seekirchen, werde bereits gedacht.
Die strategische Kooperation ist ein "Work in Progress", das stark mit den beiden Unternehmer-Persönlichkeiten verbunden ist. Aber wer erfolgreich sein wolle, so Bangheri abschließend, der müsse in Zeiten wie diesen eben "alle Register ziehen" - eine Aussage, die Andreas Weißenbacher zu hundert Prozent unterschreibt.