Lehrberuf „Fernwärmetechnik“ : Erste Fernwärmetechnikerin in Ausbildung
Gruppenfoto der "Erstklassler*innen", die sich für die neue, dreieinhalbjährige Lehrausbildung „Fernwärmetechnik“ an der LBS Graz 4 entschieden haben.
- © Peter Bauer/Landesberufsschule Graz 4Zwei erste Klassen für den neuen Lehrberuf „Fernwärmetechnik“ gibt es aktuell an den Landesberufsschulen Graz und Zistersdorf. Insgesamt 20 Jugendliche – elf in Graz, der Rest in Zistersdorf – nehmen an der dualen Ausbildung teil. Dabei erfolgt die praktische Ausbildung im Betrieb, die theoretische in der Berufsschule. Die ersten Lehrlinge arbeiten unter anderem bei namhaften Betrieben wie Wiener Netze, EVN, Salzburg AG, Stadtwerken Klagenfurt oder der Energie Steiermark.
Peter Bauer, Direktor der Landesberufsschule 4 in Graz, begrüßt zudem, dass „auch eine erste Fernwärmetechnikerin ausgebildet wird“. Die durch Kriege ausgelöste Energiekrise und die von der Politik vorangetriebene Energiewende wirken derzeit wie ein Job-Motor: In ganz Österreich werden die Fernwärmenetze erweitert. „Der Lehrberuf ist innerhalb der Europäischen Union noch einzigartig. Wir sind in Österreich die ersten, die diesen Beruf gemeinsam mit Unterstützung der Wirtschaft entwickelt und umgesetzt haben. Wir wollen mit dieser Berufsausbildung aber nicht nur Burschen, sondern vor allem auch Mädchen ansprechen. Denn die Energiewende ist nicht nur Männer, sondern auch Frauensache", betont Katalin Andrea Griessmaier-Farkas, stellvertretende Geschäftsführerin im Fachverband Gas Wärme.
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„Herausfordernde" Vorbereitungen für den Lehrberuf
Werner Seltenhammer, Direktor der LBS Zistersdorf, hat vorerst nur Burschen. Insgesamt sei die Vorbereitung auf den neuen Lehrberuf „herausfordernd gewesen“, sagen beide. „Denn wir haben hier Neuland betreten, den Lehrplan gemeinsam mit dem Ministerium entwickelt“, ergänzt Seltenhammer. Es seien viele Gespräche mit Betrieben aus ganz Österreich geführt worden. Für die Klassen, die aktuell unterrichtet werden, wurden neue Labore mit verschiedenen Übergabestationen errichtet, in Graz besteht die Möglichkeit Netze und Netzschwankungen zu simulieren. „Die Anstrengungen waren groß, um optimale Ausbildungsbedingungen zu schaffen und sicherzustellen, dass der Lehrberuf das abbildet, was die Praxis fordert“, so die beiden Direktoren.
Noch freie Plätze für kommendes Schuljahr
Im neuen Berufsschuljahr wird die dreieinhalbjährige Lehrausbildung „Fernwärmetechnik“ als Lehrberuf erneut in den beiden Berufsschulen angeboten. Interessierte für den Lehrberuf Fernwärmetechnik sollten „technisches Verständnis, handwerkliches Geschick und mathematische Kenntnisse mitbringen“, sagt Gerhard Fida, stellvertretender Obmann des FGW. Lehrlinge lernen Fernwärme- und Installationstechnik, Fernwärmeerzeugung und -verteilung sowie Service und Wartung. Ebenfalls Teil der Ausbildung sind Grundlagen der Montage und Inbetriebnahme von Fernwärmeanlagen, die Steuerung und Überwachung von Fernwärmenetzen, Fehlerbehebung und Störungsdienst.
Im 1. Lehrjahr liegt die Lehrlingsentschädigung bei manchem Fernwärmeanbieter bei rund 1.050 Euro monatlich. Nach erfolgreichem Berufsabschluss liegt das Einstiegsgehalt fertig ausgebildeter Fachkräfte laut Kollektivvertrag zwischen 2.880 und 3.180 Euro brutto. Mit zunehmender Berufserfahrung ist ein laufender weiterer Gehaltsanstieg auf derzeit bis zu 4.500 Euro brutto monatlich möglich, wie der FGW informiert.