Kommentar : Zurück zu den Fossilen, raus aus den Erneuerbaren: Was wir Mitte März 2026 wissen

TGA-Chefredakteur Klaus Paukovits
© WEKA Industrie Medien

Die Printausgabe TGA 1/2026 ist am 19. Februar erschienen. Ein paar Tage davor habe ich mit Blick auf das Absatz-Plus von Öl- und Gas-Heizungen in Österreich im Jahr 2025 folgendes ins Editorial geschrieben: 

  • Fossile Heizungsformen sind in einem überraschenden Aufwind. Das hat ohne Zweifel auch damit zu tun, dass im Vorjahr quasi „Förderungspause“ war. Aber es hat bestimmt genau so viel damit zu tun, dass die vielfältigen Gründe für den Ausstieg aus fossilen Gasheizungen aus dem Blick geraten sind. Die Abhängigkeit von russischem Gas ist noch nicht beendet, der russische Angriffskrieg auf die Ukraine läuft mit zunehmender Härte weiter (inklusive Drohgebärden gegen alle anderen europäischen Länder), die neue Abhängigkeit von US-amerikanischem Fracking-Gas und anderen Gas-Lieferanten aus politisch instabilen Regionen ist hingegen schon im Aufbau (mit deutlich unsichererer Langfrist-Versorgung) – aber das macht offenbar nix, „heuer gibt’s noch Gas, also wird’s in 20 Jahren auch so sein, ich kaufe mir halt eine Gasheizung“, so scheint der Gedankengang von zehntausenden Kund*innen zu sein. Und da haben wir über den Klimawandel noch gar nicht gesprochen.

>>> Hier geht es zum vollständigen E-Paper TGA 1/2026

Iran-Krieg

Zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass nur zwei Wochen später, am 28. Februar, der Iran-Krieg beginnen würde. Mit den bekannten Folgen für die europäische Wirtschaft: Einem sprunghaften Anstieg von Öl- und Gaspreisen wegen der Unterbrechung von Lieferketten für Erdöl und Flüssiggas durch die Straße von Hormus und andere Routen in der Region, wegen der Angriffe auf Öl- und Gasproduktionsstätten samt deren temporärer Schließung und wegen der ganz plötzlich wieder offensichtlich unsicheren Versorgungslage mit fossilen Energien. 

Ob daraus eine weitere handfeste Wirtschaftskrise wird, oder ob der leichte Aufschwung nur kurz gebremst wird, wissen wir noch nicht. Das hängt wohl auch von Dauer und Ausgang dieses jetzigen Kriegs ab - und wann der nächste begonnen wird.

>> Aktuelle Meinungen aus der Energie- und Gebäudetechnik? Abonnieren Sie unseren TGA-Newsletter: Hier geht’s zur Anmeldung!

Gebäude-Energie-Gesetz GEG

Zu dem Zeitpunkt Mitte Februar wusste ich auch noch nicht, dass vier Tage vor Beginn des Iran-Kriegs, nämlich am 24. Februar, die deutsche Bundesregierung das Gebäudeenergiegesetz (GEG) kippen und eine Kehrtwende von erneuerbaren Energieträgern zurück in Richtung Öl- und Gasheizungen machen würde. 

>>> Kommentar: Der Neubau produziert den Sanierungsbedarf von morgen

Mit dieser Kehrtwende fällt in Deutschland die Vorgabe, dass neue Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit Erneuerbaren betrieben werden müssen. Stattdessen soll der Anteil an erneuerbaren Bestandteilen bei Öl und Gas bis 2029 auf zehn Prozent und bis 2040 weiter gesteigert werden. 

Aber das – in der neuen Regelung ist keine exakte Quote festgelegt – macht Deutschland davon abhängig, ob dann genug grünes Gas und synthetisches Heizöl zur Verfügung stehen würde. Derzeit schaut es nämlich nicht so aus. Aber die deutsche Regierung hat der fossilen Energiewirtschaft noch einen zweiten Ausweg aus dieser ohnehin wenig ambitionierten „Bio-Treppe“ gebaut: Wer fossile Rohstoffe ab 2028 in Verkehr bringen will, soll diesen ein (1!) Prozent Biokraftstoff beimischen, der weitere Pfad ist noch nicht fixiert. Dann ist’s gut für den Gesetzgeber, der voll auf Freiwilligkeit und „Technologieoffenheit“ setzt. 

Technologieoffenheit, das ist in dem Fall ganz konkret messbar gemacht: Es bedeutet mittelfristig eine Senkung des Fossilanteils von 100 auf 99 Prozent.

Technologieoffenheit

Zu dem Zeitpunkt Mitte Februar, etwas mehr als zwei Wochen vor Beginn der Welser Energiesparmesse, wusste ich auch nicht, dass ebendort am 26. Februar (zwei Tage vor Beginn des Iran-Kriegs) der Begriff der „Technologieoffenheit“ wieder von vielen wesentlichen Playern der Gebäudetechnik als der richtige Weg in die Energiezukunft bezeichnet werden würde. 

Technologieoffenheit: Das bedeutet – siehe das konkrete deutsche Beispiel –, dass man an der fossilen Energiewirtschaft festhalten will. Mit der vagen Aussicht, dass in mehreren Jahrzehnten vielleicht genug Grünes Gas, Bio-Heizöl oder synthetisches Benzin zur Verfügung steht, um dann die Abhängigkeit Europas von fossilen Energielieferungen aus unsicheren Weltregionen langsam zu reduzieren. Ich schreibe von Jahrzehnten, weil mir derzeit keine Studie bekannt ist, die eine entsprechende Verfügbarkeit von nennenswerten Mengen an erneuerbaren Ölen und Gasen bis 2050 am Horizont auftauchen sieht.

Mitte März 2026 kann niemand mehr sagen, all das nicht gewusst zu haben, was wir Mitte Februar noch nicht wussten. 

Und da haben wir über den Klimawandel noch gar nicht gesprochen.

>>> Herbert Kollar: Nicht reagieren, sondern agieren - warum man bei sich selber anfangen muss, wenn man etwas zum positiven verändern  möchte

Sie wollen mehr?