Planerin im Porträt: Lisa Kopa : „Wir sprechen alle Sprachen“

Vor zehn Jahren hat sich Lisa Kopa mit dem Planungslabor selbstständig gemacht.

Vor zehn Jahren hat sich Lisa Kopa mit dem Planungslabor selbstständig gemacht.

- © Ulrike Schmitz/adobe.stock.com

Linguistisch betrachtet spricht Lisa Kopa Deutsch und Englisch, technisch gesehen ist sie ein sprachliches Multitalent – das muss sie in der Laborplanung auch sein. Ihr Job ist es, die Anforderungen der Wissenschaft an Architektur, Elektro-, Haus-, sowie Prozesstechnik zu übersetzen. „Als Laborplaner sehen wir uns als Bindeglied in diesen Projekten und versuchen alle Sprachen zu sprechen“, bringt es die Geschäftsführerin von [dP]3 das Planungslabor auf den Punkt.  

Der etwas eigenwillige Name des Ingenieurbüros geht auf das Missverständnis einer Sachbearbeiterin bei der Eintragung ins Firmenbuch zurück. Sie verkannte das Planungslabor als Branchenbezeichnung statt Fantasiewort, ein Zusatz im Namen musste her: [dP]steht mit den eckigen Klammern für eine chemische Formel aus den Initialen des Ingenieurbüros, hoch Drei für die Planung im dreidimensionalen Raum

Damit ist Kopa als Architektin bestens vertraut, über den Labormöbelvertrieb rutschte  sie während ihres Studiums an der TU Wien quasi in die Laborplanung. In Ermangelung eines bestehenden Büros, gründete sie vor zehn Jahren selbst: „Es war nie mein Wunsch, mich selbstständig zu machen. Aber in der Laborplanung habe ich etwas gefunden, das ich bis heute extrem spannend finde.“ Mittlerweile ist das 15-köpfige Ingenieurbüro einer der größten Laborplaner in Österreich.  

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So vielfältig wie die Forschung

Das Planungslabor mit Sitz in Wien Simmering deckt alle klassischen Leistungsbilder eines Ingenieurbüros ab – von Machbarkeitsstudien und Grundlagenermittlung über Vorentwurf, Entwurf und Baueinreichung bis hin zu Ausschreibung, Vergabe und Herstellungsüberwachung. Dazu kommen Spezifika wie Standortuntersuchungen oder auch die Geräteumzugsplanung. „Laborgeräte hängen meist an Gasen, am Abwasser oder an der Lüftung. Die kann eine Standardspedition nicht einfach so übersiedeln“, weiß Kopa.  

Überhaupt finden sich viele Projekte des Planungslabors im Bestand wieder. „Wenn es wirtschaftlich und technisch machbar ist, ist es schon sinnvoll, Bestandsgebäude umzustrukturieren beziehungsweise zu sanieren oder wirklich komplett zu entkernen.“ In Wien hat das Ingenieurbüro etwa ursprünglich geplante Büroflächen zu Laboren umgebaut – inklusive technischer Herausforderungen wie geringen Raumhöhen oder zu enger Schächte.  

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Ich kann mich nicht nur auf mein eigenes Gewerk konzentrieren.

Aus allen Blickwinkeln

Ob ein Labor zur Quantenforschung, ein nasschemisches Labor in einer Raffinerie oder ein Labor für die Pharmaindustrie: Das eine Standardlabor gibt es nicht. „Ich bin seit über 16 Jahren in dieser Branche und muss ehrlich sagen, bei vielen Projekten lerne ich etwas Neues. Es kommen neue Geräte auf den Markt, dazu kommen Automatisierung und Robotertechnik. Die Anforderungen ändern sich“, bringt es die Planerin auf den Punkt.  

Diese Vielfalt zeigt sich nicht nur in den Projekten, sondern auch im Team selbst. Wenn im Labor zwei oder mehr Welten aufeinandertreffen, tun sie im Ingenieurbüros ebenso. „Wir versuchen im Team wirklich alle verschiedenen Blickwinkel abzubilden“, betont Kopa. Das Planungslabor besteht daher nicht nur aus Architekten und Planern, sondern auch aus einem Doktor der Chemie sowie einer Life-Science-Spezialistin für Molekularbiologie. 

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Im Tandem-Prinzip werden einerseits die Bedürfnisse von Biologen, Chemikern, Physikern und Co. in der Laborumgebung abgedeckt und technische Informationen an die entsprechenden Gewerke weitergegeben. Auf die Kooperation zwischen Bauherren, Nutzern und Fachplanern legt Kopa besonderen Wert: „Ich kann mich nicht nur auf mein eigenes Gewerk konzentrieren. Da gibt es einfach viel zu viele Punkte, die übergreifend und integral sind.“  

Ob ein Labor zur Quantenforschung, ein nasschemisches Labor in einer Raffinerie oder ein Labor für die Pharmaindustrie: Das eine Standardlabor gibt es nicht.

- © [dP]³ das Planungslabor GmbH

Schnittstelle zur Gebäudetechnik

Um mit allen Gewerken kommunizieren zu können, muss man ihre Sprache verstehen, so auch bei der klassischen Gebäudetechnik. „Auch wenn wir nicht die Lüftungsanlage per se planen, muss ich selbstverständlich mit einem Lüftungstechniker über Regelungen oder die Verbräuche sprechen können“, so Kopa. Gerade im Labor benötigen viele Geräte verschiedenste Abluftsysteme – von explosionsfähiger Abluft oder Sonderabluft, die über das Dach geführt werden muss. 

Dazu kommen Schnittstellen zur Gas- und Medienversorgung – und viel Wasser: Manchmal gibt es in einem Labor drei oder vier verschiedene Wasserqualitäten, von Brauchwasser und Trinkwasser bis zu vollentsalztem Wasser oder Reinstwasser. Auch kontaminiertes Abwasser muss unterschiedlich aufbereitet werden. Dazu gesellen sich Anforderungen an die Elektrotechnik wie Notstrom und USV-Versorgung der Geräte.  

Großprojekt in der Seestadt

Der Neubau für die Forschung und Entwicklung eines international tätigen biopharmazeutischen Unternehmens in Wien zählt zu den bisher größten Projekten des Planungslabors. Rund 250 Forscher werden dort künftig an neuen Therapien in den Bereichen Neurologie, Gastroenterologie und Onkologie arbeiten. Der Fokus der Tätigkeiten liegt dabei auf biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln, sogenannten Biologika

Ein Schwerpunkt ist zudem die Digitalisierung der Forschungsprozesse – etwa durch den Einsatz von Robotik, Augmented Reality, künstlicher Intelligenz und digitalen Zwillingen. Das Gebäude wird als Green Building errichtet, von den 20.000 Quadratmetern Nutzfläche in der Wiener Seestadt entfallen 7.500 auf Labornutzfläche. „Da ist von klassisch molekularbiologischen und chemischen Laboren bis zu Robotiklaboren sehr viel vertreten. Wir können es alle nicht erwarten, Ende Mai das finale Produkt zu sehen, wenn das Gebäude an den Bauherrn übergeben wird“, lacht die Geschäftsführerin.  

Neben Projekten in Österreich hat das Ingenieurbüro schon Labore in Deutschland, Slowenien, der Schweiz und sogar in Schweden betreut. Auch die Projektgrößen variieren – von einem Professor, der an einer Universität zwei oder drei Räume gestalten kann, bis hin zu Projekten mit mehreren tausend Quadratmetern Laborfläche ist alles dabei.  

Ich kannte wenige Unternehmer oder Selbstständige, bevor ich mich selbstständig gemacht habe. Deshalb führe ich dieses Unternehmen bewusst familiär und freundschaftlich.

Eine Dekade Leidenschaft

Kopa selbst war schon früh klar, dass sie in die Planung willl. „Ich wusste schon in der Volksschule, dass ich Architektur studieren möchte“, erinnert sie sich. Damit trat sie in die Fußstapfen ihres Vaters, ebenfalls Architekt. An ihrem Unternehmen schätzt Kopa besonders den Umgangston: „Ich kannte wenige Unternehmer oder Selbstständige, bevor ich mich selbstständig gemacht habe. Deshalb führe ich dieses Unternehmen bewusst familiär und freundschaftlich.“ Sie versteht sich dabei als Teil des Teams – auch wenn sie die Gehälter bezahlt. Wichtig ist ihr außerdem, dass es keinen Gender Pay Gap gibt. 

>> Fachkräftemangel und der Erfolgsfaktor Teamwork

Auch über ihr eigenes Unternehmen hinaus engagiert sich die Geschäftsführerin in der Branche, etwa im Fachgruppenausschuss Ingenieurbüros der Wirtschaftskammer, oder als Vorstand der Initiative Frauen in der Wirtschaft Wien. Frauen in der Technik zu stärken, ist ihr dabei ein besonderes Anliegen. Umso passender – wenn auch ungeplant – fällt der Gründungstermin des Planungslabors auf den Weltfrauentag am 8. März. Seit dem 8. März 2016 hat sich für Kopa vieles verändert: Ein größeres Team, mehr Schwarmwissen, Austausch und Wachstumsmöglichkeiten. Manche Dinge sind aber auch gleichgeblieben: „Die Leidenschaft für die Laborplanung ist noch dieselbe wie am Anfang.“ 

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