European Heat Pump Summit : Wärmepumpenbranche trifft sich in Nürnberg
Der European Heat Pump Summit 2025 steht vor der Tür.
- © NürnbergMesse / Heiko StahlDer European Heat Pump Summit 2025 versammelt am 28. und 29. Oktober in Nürnberg Expert*innen aus Industrie, Forschung und Politik. Der Kongress kombiniert ein breites Vortragsprogramm mit einer ausgebuchten Foyer-Expo und bietet so eine Plattform für Wissenstransfer in der Wärmepumpenbranche.
Angesichts der europäischen Energiewende wächst auch die Bedeutung der Wärmepumpe. Regulatorische Rahmenbedingungen wie die F-Gase-Verordnung, steigende Effizienzanforderungen, Versorgungssicherheit und der Fachkräftemangel stellen die Branche vor komplexe Aufgaben. Der Kongress hat es sich auf die Agenda geschrieben, eben diese Themen zu adressieren. „Ich freue mich sehr auf den European Heat Pump Summit. Das Programm ist hochaktuell, die Foyer-Expo komplett ausgebucht und die internationale Beteiligung auf Aussteller und Teilnehmerseite zeigt, wie groß das Interesse an der Wärmepumpentechnologie ist“, so Daniela Heinkel, Leiterin European Heat Pump Summit und Chillventa, Messe Nürnberg.
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Herausforderungen und Strategien der Branche
Die Umsetzung der F-Gase-Verordnung bis 2030 fordert eine Reduktion synthetischer Kältemittel. Die Branche reagiert mit der verstärkten Nutzung natürlicher Kältemittel wie Propan (R290), CO₂ (R744) und Ammoniak (R717). Diese Umstellung verlangt neue Sicherheitsstandards, Investitionen in Produktionsanlagen sowie umfassende Schulungen, was angesichts des Fachkräftemangels zusätzliche Herausforderungen mit sich bringt.
Im Kongressprogramm behandelt Massimiliano Manfro von Aermec in der Session „R-290 Heat Pumps: Gas Properties and Safety Standard“ die thermodynamischen Eigenschaften, Entflammbarkeit und Sicherheitsstandards von Propan. Saverio Papa und Leopoldo Micò von der European Heat Pump Association diskutieren in „From policy to certification: building trust in the heat pump market“ politische Rahmenbedingungen, Marktdaten und Zertifizierungen.
Papa unterstreicht die Brisanz der Wärmepumpen-Marktlage: „Die aktuellen Verkaufszahlen reichen nicht aus, um die EU-Ziele für 2030 zu erreichen. Regierungen müssen Verbraucher unterstützen, die eine Wärmepumpe kaufen möchten, Strompreise wettbewerbsfähig gestalten und sicherstellen, dass ausreichend qualifizierte Installateure verfügbar sind. Zertifizierungen können das Vertrauen der Kunden stärken und den Marktzugang erleichtern.“
Technologischer Fortschritt
Die Wärmepumpentechnologie entwickelt sich kontinuierlich weiter – insbesondere im Bereich der Komponenten. Besonders Hochtemperatur-Verdichter, die Vorlauftemperaturen über 100 °C erreichen, und Turboverdichter ohne Schmieröl sind wichtige Innovationen für Effizienzsteigerung, geringere Geräuschentwicklung und niedrigeren Wartungsaufwand sowie die Industrie.
Im Summit-Programm stellt Thore Oltersdorf vom Fraunhofer ISE eine Studie zu Leckageeigenschaften von Komponenten vor, die realistische Sicherheitsbewertungen und optimierte Systemkonstruktionen ermöglichen soll. Manon Längle von Getzner Werkstoffe zeigt Ansätze zur Reduzierung niederfrequenter Geräusche von Wärmepumpen durch Material- und Anwendungskenntnisse, um leisere und sozialverträglichere Lösungen in Wohnumgebungen zu schaffen.
Lösungen für die Praxis
Wärmepumpen werden zunehmend in Bestandsgebäuden, Quartieren und der Industrie eingesetzt. Hochtemperatur-Wärmepumpen ermöglichen Sanierungen ohne Heizkörpertausch, während Niedertemperatur-Wärmenetze mit dezentralen Booster-Wärmepumpen in städtischen Quartieren neue Versorgungslösungen bieten. Großwärmepumpen (>1 MW) erschließen industrielle Abwärmepotenziale bis 150 °C – etwa für Trocknungsprozesse oder Dampferzeugung.
Beispiele aus dem Kongressprogramm verdeutlichen das: Dirk Schlehuber von Bitzer Kühlmaschinenbau behandelt effiziente Wärmeerzeugung von Warmwasser ab 40 °C bis hin zu Druckwarmwasser oder Dampf mit bis zu 120 °C, Ivan Rangelov von Danfoss Climate Solutions fokussiert auf die Dekarbonisierung industrieller Prozesswärme, insbesondere in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie.