Merschl Gartenbau : Biomasse und Carbon-Capturing bei Wiener Gärtnerei

Gärtnerfamilie Merschl bei der Spatenstichfeier im April 2025

Die Gärtnerfamilie Merschl bei der Spatenstichfeier im April 2025
 

- © zweischrittweiter.at

Der Gemüsebaubetrieb von Betriebsführer Martin Merschl zählt zu den leistungsfähigsten in Wien. Auf rund 70.000 Quadratmeter Gewächshausfläche werden jährlich ca. 3.000 Tonnen Paradeiser geerntet und über die Marke „LGV Gärtnergemüse“ für die regionale Versorgung vertrieben. Der vor 113 Jahren gegründete Familienbetrieb ist nun zum Vorzeigebeispiel für die Transformation der Wirtschaft geworden.  

Die Gewächshäuser brauchen ganzjährig stabile Temperaturen, bisher wurde dafür konventionell mit Gas geheizt. Eine auf Hackschnitzel basierende Biomasse-Heizanlage von Herz Binder mit einer Leistung von 5 MW und ein 600 Quadratmeter großes Hackgutlager übernehmen diesen Job nun. Fast noch spannender ist allerdings die daran angeschlossene Carbon Capture Use (CCU) Anlage zur Trennung des CO2: Sie speichert das CO2 nicht wie Carbon Capture Store (CCS) Anlagen, sondern schließt den Kreislauf, indem sie es über eigene Leitungen zurück in die Gewächshäuser führt. Dort wird das CO2 von den Pflanzen aufgenommen und hilft ihnen beim Wachsen. 

„Wir haben die Produktionsprozesse neu gedacht, haben fossiles Gas durch regionale Energie ersetzt und aus dem Problemstoff CO₂ einen wertvollen Rohstoff gemacht. Hier wird sichtbar, was Kreislaufwirtschaft bedeutet: Emissionen werden nicht nur reduziert, sondern Teil eines funktionierenden Systems“, so Merschl dazu. Der innovative Ansatz soll in den nächsten 10 Jahren voraussichtlich rund 45.000 Tonnen CO2 einsparen

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Produktionskreisläufe schließen

Mit der Strategie „Zirkuläres Wien - Eine runde Sache“ soll der Wandel der Hauptstadt zu einer „zirkulären Stadt“ vorangetrieben werden. Ihre Schwerpunkte beschreiben die Potenziale für Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft und die wesentlichsten Hebel der Stadt Wien. „Wien hat sich mit der Klimaneutralität bis 2040 das ambitionierte Ziel gesetzt, produktionsbasierte Treibhausgas-Emissionen auf Netto-Null zu reduzieren. Das heute präsentierte Beispiel eines modernen Gemüsebaubetriebs zeigt, wie man aus dem Problemstoff CO₂ einen nützlichen Rohstoff machen und so einen natürlichen Kreislauf schließen kann“, so Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky.

Dazu gehört unweigerlich auch die agrarische Produktion, die in den letzten Jahren häufig auf fossile Energie gesetzt hat, wie Norbert Walter, Präsident der Landwirtschaftskammer Wien, bestätigt: „Moderne technische Entwicklungen machen nun wieder echte Kreislaufwirtschaft möglich." 47 Prozent der Wiener Gartenbaubetriebe nutzen bereits Fernwärme, 10 Prozent verwenden biogene Brennstoffe wie Pellets oder Hackschnitzel. 

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