Raus aus Gas im urbanen Raum : Kritik an der Kesseltausch-Förderung aus Wien
Die neue Heizkesseltauschförderung des Bundes zeigt im mehrgeschossigen Wohnbau Schwachstellen, kritisiert Wiens Klimastadtrat.
- © TRFilm - stock.adobe.comWiens Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky reagiert mit gemischten Gefühlen auf die kürzlich gestartete Heizkesseltauschförderung des Bundes: „Einerseits ist es zu begrüßen, dass der Bund trotz der kritischen budgetären Lage für den Umstieg auf erneuerbare Wärmelösungen 1,8 Milliarden Euro in die Hand nimmt – ein Impuls, der gut für Umwelt, Haushalte und Konjunktur ist." Der Fokus des Angebots liege jedoch weiterhin auf dem ländlichen Raum, sodass der urbane Raum zurzeit noch benachteiligt sei. „So wie der ländliche Raum brauchen auch Städte wie Wien aber die Unterstützung des Bundes für eine erfolgreiche Wärmewende und wird diese auch weiterhin einfordern.“
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Projektbeispiel verdeutlicht reale Förderquote
Eine Nachschärfung der Kriterien sei wichtig, da „gerade Städte viel zur Wärmewende beitragen können". In Wien sind aktuell etwa noch rund eine halbe Million Gasthermen in Betrieb. „Die Bundesförderung für den Gasausstieg im mehrgeschossigen Wohnbau ist noch nicht umfassend genug", meint Czernohorszky: Ein- bzw. Zweifamilienhäusern bekämen demnach rund 30 Prozent der Gesamtkosten gefördert, während es beim mehrgeschossigen Wohnbau oft sogar unter 10 Prozent seien. Zwar liegt auch im mehrgeschossigen Wohnbau die Förderungshöhe bei maximal 30 Prozent der förderungsfähigen Investitionskosten – es sind jedoch Höchstförderungsbeträge festgelegt, die bei Projekten mit hohen Umstiegskosten eine wesentlich niedrigere Förderungsquote zur Folge haben.
Verdeutlicht wird das mit einem Rechenbeispiel anhand eines konkreten Projektes in Wien:
Ein Wohnhaus mit neun Wohnungen, das von einer zentralen Gasheizung auf zwei Luftwärmepumpen für Heizung und Warmwasser umgestellt wird, kommt im Errichtungszeitraum Herbst 2024 auf Netto-Gesamtkosten von rund 160.000 Euro. Die Wärmepumpen (2 x 51 kW) inklusive Puffer- und Warmwasserspeicher machen rund drei Viertel der Kosten aus. In der aktuellen Fördersituation gäbe es vom Bund für die Luftwärmepumpe 7.500 Euro zurück, dazu kommt ein Zuschlag für Anlagen über 50 kW in der Höhe von 5.200 Euro. Das ergibt insgesamt einen Fördersatz von 12.700 Euro und somit Förderquote von rund 8 Prozent.
Czernohorszky hofft abschließend auf eine Anpassung der Förderkriterien und auf die Unterstützung von Bundesminister Norbert Totschnig, „damit künftig auch Bauträger*innen sowie der soziale Wohnbau davon profitieren könnten“.