Sanierung & Digitalisierung : Digitale Transformation in zwei Phasen

Aus alt mach neu: Die ehemalige Kesselhalle wurde in eine moderne Konzertlocation transformiert.

Aus alt mach neu: Die ehemalige Kesselhalle wurde in eine moderne Konzertlocation transformiert.

- © Bergson Kunstkraftwerk

Die Umnutzung denkmalgeschützter Industriebauten stellt eine der komplexesten Aufgaben für die technische Gebäudeausrüstung dar. Im Bergson Kunstkraftwerk in München wurde ein bereits in den 1920er Jahren geplantes ehemaliges Heizkraftwerk in eine multifunktionale Kultur- und Eventlocation mit 20.000 m² Fläche transformiert. 

Das Projekt erforderte nicht nur maßgeschneiderte TGA-Lösungen für grundverschiedene Nutzungszonen, sondern auch eine durchdachte Strategie, um den Betrieb zukunftssicher und effizient zu gestalten. Die Komplexität der Anlagentechnik machte eine leistungsfähige und zukunftssichere Gebäudeautomation unabdingbar. Die Umsetzung erfolgt in einem zweistufigen Digitalisierungsprozess.

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Phase 1: Cloud-basierte Gebäudeautomation

Die Basis bildet eine dezentrale Automationslösung von Priva. Rund 70 robuste Priva Blue ID S-Line Controller wurden in den Schaltschränken der Zentralen verbaut. Sie steuern autark alle Anlagen von der Fußbodenheizung bis zu den Heizkreisverteilern und gewährleisten auch bei einem Ausfall der übergeordneten Kommunikation einen stabilen Betrieb.

Die Bedienung und Überwachung erfolgt über ein zentrales 21-Zoll-Touchpanel in der Heizzentrale sowie lokale Wand-Displays, beispielsweise zur bedarfsgerechten Steuerung der Küchenlüftung. Die entscheidende Erweiterung ist die Anbindung an die Priva Digital Services (PDS). Diese Cloud-Plattform ermöglicht dem Betreiber den ortsunabhängigen Zugriff auf die gesamte Anlage via Webbrowser oder App-Funktionen wie die Anpassung von Sollwerten und Zeitplänen, das Alarmmanagement und die Speicherung historischer Betriebsdaten für Analysen sind damit remote verfügbar. Dies erleichtert nicht nur den täglichen Betrieb, sondern ermöglichte auch dem ausführenden Unternehmen Trane Roggenkamp während der Inbetriebnahme eine effiziente Fernwartung (Remote Commissioning).

Bergson Kunstkraftwerk
Im Bergson Kunstkraftwerk in München wurde ein bereits in den 1920er Jahren geplantes ehemaliges Heizkraftwerk in eine multifunktionale Kultur- und Eventlocation mit 20.000 m² Fläche transformiert. - © Bergson Kunstkraftwerk

Phase 2: Der Digitale Zwilling für proaktive Optimierung

Für die nächste Phase ist vorgesehen, mit Priva ecoBuilding einen Digitalen Zwilling zu implementieren. Diese KI-basierte Cloud-Lösung geht über die reine Steuerung und Regelung hinaus. Der Digitale Zwilling erstellt ein virtuelles Abbild der TGA-Anlagen und nutzt Machine-Learning-Algorithmen, um den Gebäudebetrieb kontinuierlich und proaktiv zu optimieren.

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Die Funktionsweise basiert auf der Analyse von Echtzeit-Betriebsdaten in Kombination mit externen Informationen wie Wetterprognosen und zukünftig auch Energiepreisen. Das System lernt das thermische Verhalten des Gebäudes und kann so Heiz- und Kühlprozesse vorausschauend steuern, anstatt nur reaktiv zu agieren. Ziele sind die weitere Reduzierung des Energieverbrauchs um 10 bis 40 Prozent, die frühzeitige Erkennung von Anlagenanomalien und die automatische Anpassung an geändertes Nutzungsverhalten – eine wesentliche Anforderung für eine dynamische Eventlocation wie das Bergson.

Der Wunsch des Betreibers nach einer frühzeitigen Teilnutzung von Flächen erforderte zudem pragmatische Zwischenlösungen, bei denen Lüftungsanlagen zunächst manuell gesteuert wurden, bevor sie vollständig in die Gebäudeleittechnik integriert waren.

- © Georg Stirnweiss

Projektmanagement unter Baustellenbedingungen

Die Umsetzung der MSR-Technik begann für Trane Roggenkamp erst im Mai 2023, als die Modernisierungsarbeiten bereits liefen. „Die enge Terminlage und die Notwendigkeit ständiger Anpassungen waren eine besondere Herausforderung", berichtet Projektleiter Johannes Klüglich. Um den straffen Zeitplan zu halten, übernahm sein Team zusätzlich die komplette MSR-Verkabelung, wofür zeitweise bis zu zehn Elektriker*innen parallel im Einsatz waren. Der Wunsch des Betreibers nach einer frühzeitigen Teilnutzung von Flächen erforderte zudem pragmatische Zwischenlösungen, bei denen Lüftungsanlagen zunächst manuell gesteuert wurden, bevor sie vollständig in die Gebäudeleittechnik integriert waren.

Das Atrium als zentrale Herausforderung

Eine der kritischsten Aufgaben war die Klimatisierung des 23 Meter hohen Atriums, der ehemaligen Kesselhalle. Um Kondensation an den denkmalgeschützten Natursteinwänden bei tiefen Außentemperaturen und hoher Publikumsaufkommen zu verhindern, wurde eine Unikat-Lösung entwickelt: Entlang der großen Fensterfronten wurden unauffällig Warmwasser-führende Kupferrohre installiert, die die Oberflächentemperatur der Wände gezielt anheben und so den Taupunkt verschieben.

Die Lüftung des Atriums erfolgt über ein speziell konzipiertes System in 23 Metern Höhe. Mittels Stellmotoren regulierte Zuluft-Elemente ermöglichen im Winter eine direkte Wärmewirkung, während im Sommer die gekühlte Luft indirekt eingebracht wird, um Zugerscheinungen zu vermeiden. Die auf dem Dach montierten Lüftungsgeräte von SLT Lüftungstechnik erreichen eine Leistung von bis zu 25.000 m³/h.

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Die Energieversorgung

Die Energieversorgung basiert auf einem Konzept mit 13 Luft-Wasser-Wärmepumpen von Panasonic, die in drei bedarfsgerecht gesteuerten Gruppen arbeiten. Die Wärme- und Kälteverteilung erfolgt über ein Niedertemperatursystem mit Fußbodenheizungen und Deckenstrahlplatten, ergänzt durch Wärmerückgewinnungssysteme in allen zwölf Lüftungsanlagen.