Aus TGA 6: Digitalisierte Sanitärautomation

Die Zukunft des Trinkwassers

Stagnation in Trinkwasserleitungen – eine immer noch unterschätzte Gefahr. Digitalisierte Systeme können Abhilfe schaffen, wie ein Profi erklärt.

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Alles ständig im Blick: Wartung und Kontrolle der Zirkulations- und Rücklauf-Temperaturen sowie der Warmwasser-Werte der Anlage finden aus der Ferne per Cloud-Zugriff statt.

Die Sicherstellung von hygienisch einwandfreiem Trinkwasser unter anderem in Wohn- und Bürogebäuden, Hotels, Krankenhäusern und Pflegeheimen ist keine leichte Aufgabe. Denn während Betriebsstillegungen oder -unterbrechungen stagniert Wasser im Trinkwassersystem. Ab dann erhöht sich die Wahrscheinlichkeit von Bakterienwachstum in den Rohrleitungen und es steigt gleichzeitig auch die Gesundheitsgefahr für Verbraucher. Betreiber und Planer sollten daher darauf achten, den einwandfreien Betrieb der Trinkwasseranlage in ihren Gebäuden sicherzustellen und auch auf präventive Maßnahmen Wert zu legen.

Welche Gefahr von Leitungen mit stagnierendem Wasser ausgeht

Jede Trinkwasserinstallation ist für einen bestimmungsgemäßen Betrieb ausgelegt. Dafür müssen regelmäßige Wasserentnahmen sowie der vollständige Austausch des Kalt- und Warmwassers alle drei Tage stattfinden. Entfällt dieser bestimmungsgemäße Betrieb nach den geltenden Regeln der Technik, kann es zu gravierenden hygienischen Problemen kommen. Dies droht auch in der momentanen Situation. Denn um die Ausbreitung von COVID-19 weiterhin einzudämmen, schließen vorübergehend Kindergärten, Schulen und Universitäten. Veranstaltungsorte und Fitnesscenter werden außer Betrieb gesetzt oder haben eine reduzierte Auslastung und Hotels verzeichnen einen Belegungsrückgang. Um in dieser Zeit einen gesundheitsgefährdenden Legionellenbefall zu vermeiden, müssen die Verantwortlichen bei der Wiederinbetriebnahme besonderes Augenmerk auf die Sicherstellung der Trinkwasserhygiene und damit auf die baulichen Anlagen legen.

Optimierung der Trinkwasserhygiene in allen Bereichen der Installation

Mit dem Hycleen Automation System bietet GF beispielsweise eine Softwareunterstützung, mit der sich die Trinkwasserinstallation als Ganzes im Blick behalten lässt – auch bei weit verzweigten Installationsnetzen und auch ohne Bestandsdokumentation. Als Dirigent übernimmt die Technik die Steuerung der Anlage und unterstützt mit zahlreichen Funktionen. Durch den hydraulischen Abgleich in allen Strängen wird eine konstant hohe Wassertemperatur über 55 °C erreicht. Das wirkt der Keimbildung entgegen. Über ein zentrales Steuerungsgerät lassen sich die eingebauten Regel- und Spülventile unkompliziert programmieren, bedienen und auswerten. Bei der Kontrolle der Anlage unterstützt das System mit seinem intuitiven Bedienkonzept sowie automatischen Spül- und Berichtsfunktionen.

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© GF Piping Systems

Zur Sicherstellung eines konstanten hydraulischen Abgleichs konnten die Stränge der Bestandsanlage unkompliziert mit intelligenten Zirkulationsventilen nachgerüstet werden.

Hycleen Connect: Die Anlage aus der Ferne im Blick

Gebäudebetreiber mussten bisher für den Betrieb der Trinkwasseranlage Personal vor Ort einsetzen, um die Installation zu kontrollieren und auszuwerten. Für eine Überprüfung fehlt dabei oft die Manpower und Anlagenübersicht. Denn mehrere Teile der Anlage befinden sich oft im ganzen Haus verteilt. Trinkwasserhygiene und Energieeffizienz lassen sich aber am besten optimieren, indem Anlagen dauerhaft – möglichst elektronisch – überwacht werden. Denn teilweise lässt sich physisch auch nichts mehr optimieren. Digital jedoch schon – und das, ohne vor Ort prüfen oder protokollieren zu müssen. Mit Hycleen Connect bietet GF eine Cloud-Plattform, auf die der Master geschaltet ist. Hierüber sind die Daten von Warm- und Kaltwasserinstallationen ortsunabhängig jederzeit abrufbar. Ein weiterer Vorteil: Das System ist so ausgelegt, dass es leicht in andere Gebäudesysteme integrierbar ist. Auf der Plattform lassen sich per Fernzugriff Informationen wie unter anderem aktuelle Temperaturen, vergangene Werte, Zeitlinien der Temperaturen (anpassbare Zeitskalen), Verhalten der Ventile (welche Ventilstellung zu welcher Zeit) sowie Maximal- und Minimalwerte ablesen.

Erfolgreich im Praxiseinsatz

Die Mitglieder der Eisenbahner Baugenossenschaft München profitieren in ihrer Gemeinschaft unter anderem von mietbaren Genossenschaftswohnungen, in denen sie zu einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis wohnen können. Als Gebäudebesitzer muss die Genossenschaft aber auch die Wohnqualität sicherstellen. In einer Münchner Wohnanlage der EBM mit 55 Wohneinheiten wurde jedoch nach einer Beprobung in mehreren Zirkulationsrückläufen eine Verkeimung festgestellt. Außerdem deckte eine Gefährdungsanalyse durch einen Sachverständigen auf, dass im gesamten Objekt der hydraulische Abgleich im Bereich der Warmwasserzirkulation fehlte. Der Betreiber musste hier Abhilfe schaffen und wollte in diesem Zuge auch seine Trinkwasseranlage optimieren und die Daten digitalisieren.

Unsichtbare Gefahr für die Bewohner

In einer Münchner Wohnanlage der EBM begünstigten Inkrustationen und die Bildung eines Biofilmes in den Rohrinnenwandungen das Wachstum von Legionellen. Wie in vielen Fällen wurde dies leider auch erst erkannt, als es bereits zu spät und ein Teil der Installation schon kontaminiert war. Eine Gefährdungsanalyse des Sachverständigen offenbarte zudem weitere Schwachstellen der Anlage. Diese hatten unter anderem zur Folge, dass die Warmwassertemperaturen nicht gleichmäßig im Objekt verteilt wurden. Der Betreiber musste schnell handeln, um das Wohl der Bewohner nicht zu gefährden. Die passende Lösung für das Trinkwassermanagement lieferte GF Piping Systems. In dem Münchner Mehrparteienhaus kommt jetzt ein digital gesteuertes Zirkulations-Regelsystem, Hycleen Automation System, zum Einsatz. Es besteht in diesem Fall aus einem zentralen Steuerungsgerät, JRG-LegioTherm-2T-Zirkulationsregelventilen mit Controller sowie insgesamt 150 m Spannungsversorgungs- und Kommunikationskabeln.

© GF Piping Systems

Ohne entsprechende Kontrollen und die kontinuierliche Sicherstellung eines bestimmungsgemäßen Betriebs nehmen mikrobiologische Belastungen wie Bakterien Viren, oder Pilze im Trinkwasserinstallationssystem zu und gefährden die Gesundheit der Bewohner.

Automatikfunktionen und Temperaturüberwachung erleichtern den Betrieb

Die Temperaturüberwachung ist ein wichtiges Instrument, um den Zustand der Trinkwasserinstallation zu beurteilen sowie Risiken zuverlässig und schnell zu erkennen. In diesem Fall liefern in die Ventile eingebaute Sensoren für Temperatur hierfür die nötigen Messwerte. Die Technikunterstützung hat für den Betreiber auch den Vorteil, dass die Zirkulationsregler mit Temperatursensor sich selbstständig öffnen sowie schließen und so den Durchfluss in Abhängigkeit zur Wassertemperatur regeln. Durch den permanenten Abgleich in allen Strängen wird eine konstant hohe Wassertemperatur über 55 °C erreicht.