Raus aus Gas in der Werkbundsiedlung : Geothermie statt Gas: Wiener Werkbundsiedlung wird denkmalgerecht saniert

Werkbundsiedlung / Werkbund estates

Das Lainzer Architekturjuwel Werkbundsiedlung geht „Raus aus Gas“.

- © WienTourismus/Paul Bauer

Architekturliebhaber*innen ist die Wiener Werkbundsiedlung in Hietzing schon lange ein Begriff. Als Musterhaussiedlung wurde sie im Zuge der größten Bauausstellung Europas am 4. Juni 1932 unter anderem vom damaligen Bürgermeister Karl Seitz eröffnet. Auch heute stehen die Wohneinheiten noch als avantgardistischer Wohnraum mit Gärten in unmittelbarer Nähe zum Naherholungsgebiet Roten Berg zur Verfügung.

„Die Werkbundsiedlung ist in sich einzigartig und ein wahres architektonisches Juwel", betont Vizebürgermeisterin und Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal. Sie streicht besonders die Individualität jedes Gebäudes, bei gleichzeitiger Homogenität des Gesamten heraus. Aber bei der Werkbundsiedlung gehe es nicht nur um Ästhetik, sondern auch um Funktionalität. „Die Werkbundsiedlung ist belebte Architekturgeschichte. Denn hier wohnen Familien und das ist für uns in Wien auch entscheidend. Nach der großen Sanierung des Gebäudebestandes wird jetzt begonnen, die Werkbundsiedlung originalgetreu innen zu sanieren und auf erneuerbare Energien umzustellen, damit hier auch noch folgende Generationen die Wohnqualität erleben können.“

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Geschichtsexkurs: Wiener Werkbundsiedlung

Die Werkbundsiedlung Wien in Hietzing entstand 1930–1932 unter der künstlerischen Leitung von Josef Frank als visionäre Mustersiedlung des Österreichischen Werkbundes. Ziel war es, ein modernes Gegenmodell zu den großen kommunalen Wohnblöcken der Zeit zu entwickeln: kleine, lichtdurchflutete Einfamilienhäuser mit Garten, entworfen von 33 renommierten Architekt*innen aus dem In- und Ausland. Insgesamt entstanden 70 Klinehäuser in unterschiedlichen Typologien – freistehend, gekoppelt oder in Reihen –, die zeitgemäßes Wohnen in einer grünen Umgebung demonstrieren sollten.

Zur internationalen Werkbundausstellung 1932 wurden die vollständig möblierten Musterhäuser der Öffentlichkeit präsentiert und lockten rund 100.000 Besucher*innen an. Von den ursprünglich 70 Häusern sind heute noch etwa 64 erhalten; die Werkbundsiedlung steht unter Denkmalschutz und gilt als bedeutendes Ensemble der österreichischen Zwischenkriegsmoderne.

Wiseg mit Projekt betraut

Die Häuser wurden in den mit Flachdach in Stahlbeton- und Ziegelbauweise mit charakteristischen Putzfassaden, offenen Grundrissen und großen Fensterflächen errichtet. Ziel der bevorstehenden Maßnahmen ist die thermische Sanierung und Dekarbonisierung des Ensembles unter Wahrung des historischen Erscheinungsbildes und besonderer Sorgfalt in Hinblick auf den Denkmalschutz

Bereits in den Jahren 2014 bis 2016 erfolgte die Hüllensanierung der Gebäude der Werkbundsiedlung. Nun startet das Stadt Wien-Unternehmen Wiseg mit der Sanierung und Dekarbonisierung von vier Gebäuden und der Fassadensanierung eines weiteren Gebäudes. Geschäftsführer Josef Wiesinger dazu: „Mit der Sanierung leisten wir einen Beitrag zur Dekarbonisierung des Wiener Baubestandes – behutsam und zukunftsorientiert und vereinen dabei architektonisches Denkmal mit zeitgemäßer Energieeffizienz."

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Die Werkbundsiedlung Wien in Hietzing entstand 1930–1932 unter der künstlerischen Leitung von Josef Frank als visionäre Mustersiedlung des Österreichischen Werkbundes.

- © WienTourismus/Paul Bauer

Erdwärme und Lehmbauplatten für die Werkbundsiedlung

Die Gebäude befinden sich in Lainz, in der Veitingergasse 71, 77, 83, 91 und am Engelbrechtweg 11 und von den Hugo Häring, Richard Bauer, Josef Hoffmann, André Lurcat und Anton Brenner entworfen. „Als Bezirksvorsteherin freue ich mich darüber, dass mit der Werkbundsiedlung eine Sehenswürdigkeit des Bezirks weiter saniert und zunehmend mit nachhaltiger Energie versorgt wird“, so die Bezirksvorsteherin Hietzing Johanna Zinkl.

Neben den üblichen Sanierungsmaßnahmen, wie der Erneuerung der Böden, Malerarbeiten sowie der Verbesserung der Sanitär- und Elektroanlagen, liegt nun ein starker Fokus auf der Nachhaltigkeit. Diesbezüglich erfolgt bei den Objekten das neue Heizsystem über Erdwärme bzw. Wärmepumpe mit Tiefensonden. Hierzu wird in den Häusern eine Deckenheizung inklusive Temperierung mittels Lehmbauplatten, welche gleichzeitig die Feuchtigkeit regulieren, in Kombination mit gebläseunterstützten Heizkörpern installiert. Außerdem brekommen die Häuser je eine kontrollierte Wohnraumlüftung. Eine Photovoltaikanlage auf den Dächern mit Batteriespeicher rundet die Sanierung ab. Dabei stehen auch die Freilegung historischer Oberflächen und der Rückbau nicht originaler Zubauten im Fokus. Die Bauarbeiten sind von Oktober 2025 bis Juli 2026 geplant.

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