Fernwärme : Tiefengeothermie-Anlage Aspern übertrifft Prognosen

Bohrplatz für die Tiefengeothermie-Anlage Aspern

Bohrplatz für die Tiefengeothermie-Anlage Aspern 

- © Wien Energie / Johannes Zinner

Es gibt Updates zur Wiener Tiefengeothermie-Anlage in Aspern. Die Projektpartner Wien Energie und OMV sind ihrem Ziel der klimaneutralen Wärme einen entscheidenden Meilenstein nähergekommen: Ab Herbst 2025 wurde erstmals Formationswasser aus rund 3.000 Metern Tiefe an die Oberfläche gefördert und im Zuge eines „Looptests“ wieder in den tiefen Untergrund zurückgeleitet. Die Ergebnisse dieses Tests übertreffen die bisherigen Erwartungen deutlich. Die Anlage könnte bis zu 25.000 durchschnittliche Wiener Haushalte klimaneutral mit Fernwärme versorgen – 5.000 Haushalte mehr als ursprünglich geplant.

„Die Resultate des Tests sind ein großer Erfolg und ein wichtiger Schritt für Wien. Unsere Hoffnungen haben sich mehr als erfüllt und die Prognosen der Leistungskapazität der Tiefengeothermie in Aspern weit übertroffen. Die Tests liefern ein sensationelles Ergebnis“, freut sich Ulli Sima, Stadträtin für Stadtentwicklung, Mobilität und Wiener Stadtwerke.

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Formationswasser heißer als angenommen

Erwartet hatten OMV und Wien Energie Formationswasser mit etwa 100 Grad Celsius zu fördern. Im Zuge der Testungen wurden Temperaturen von 104 Grad Celsius gemessen. Auch die verfügbare Durchflussmenge gibt Anlass zu großem Optimismus. Die prognostizierte thermische Leistung von 20 Megawatt könnte mit diesen Parametern deutlich übertroffen werden. „Die Ergebnisse der Tests haben unsere Erwartungen deutlich übertroffen und zeigen damit eindrucksvoll, welchen Beitrag umfassende Expertise und langjähriges Know-how zur erfolgreichen Umsetzung zukunftsweisender Projekte leisten“, sagt Berislav Gašo, Executive Vice President Energy und Mitglied des Vorstands von OMV.

Parallel zur Errichtung der Anlage in Aspern arbeiten OMV und Wien Energie im Joint Venture deeep bereits an Plänen für die nächsten Anlagen. 

- © APA-Grafik on Demand

Eine Milliarde für die Fernwärme-Dekarbonisierung

Bei einem ersten Test im Herbst 2025 wurden mehr als 3.000 Kubikmeter Formationswasser aus der Tiefe an die Oberfläche gefördert. In einem weiteren Schritt wurde im Rahmen des Looptests der Betrieb im geschlossenen Kreislauf erstmals erfolgreich getestet. Dabei wurde das Wasser durch die sogenannte Produktionsbohrung gefördert und durch Injektionsbohrungen wieder in die betreffende Gesteinsschicht, das Aderklaaer Konglomerat, zurückgeführt.

Beim Test wurde auch die chemische Zusammensetzung des Formationswassers untersucht. Die genauen mineralischen Bestandteile zu kennen ist wichtig für den Bau und reibungslosen Betrieb der Obertageanlage „Diese erste Anlage wird die Blaupause für die Nutzung von Tiefengeothermie in Wien. Bis 2040 werden wir etwa ein Viertel der Wiener Fernwärme mit Tiefengeothermie erzeugen“, betont Wien Energie-Geschäftsführer Sascha Zabransky. Wien Energie will bis 2030 insgesamt 3,2 Milliarden Euro in die Energiewende investieren, eine Milliarde davon in den Ausbau und die Dekarbonisierung der Fernwärme

Bohrstart für die erste Tiefengeothermie-Anlage Wiens war im Dezember 2024. Im Juli 2025 haben Wien Energie und OMV die Tiefenbohrungen abgeschlossen, ab dem Herbst folgten die Fördertests. Insgesamt wollen OMV und Wien Energie in Wien bis zu sieben Tiefengeothermie-Anlagen mit 200 Megawatt Leistung errichten. Die weitere Planung dieser Anlagen ist von den Erkenntnissen aus der Pilotanlage in Aspern abhängig.

Inbetriebnahme Anfang 2029

In den nächsten Monaten folgen nun die Detailplanung und Ausschreibung der Komponenten für die sogenannte Obertage-Anlage – also jenen Teil der Tiefengeothermie-Anlage an der Erdoberfläche, in der mit Wärmetauschern die Wärme aus dem Wasser gewonnen und an das Fernwärmenetz abgegeben wird. Ab Anfang 2027 wollen Wien Energie und OMV das Anlagen-Gebäude errichten und anschließend die Anlagenkomponenten einbauen. Aufgrund der Dauer von Ausschreibungs- und Genehmigungsverfahren sowie Lieferzeiten wird mit einer Inbetriebnahme der Anlage Anfang 2029 gerechnet.

Details zur Tiefengeothermie-Anlage Aspern

  • Anlagenstandort: Seestadtstraße 17, 1220 Wien
  • Geplante Leistung: rund 25 Megawatt thermisch (inkl. Wärmepumpen von Wien Energie)
  • Fernwärme für umgerechnet rund 25.000 Wiener Haushalte
  • Bohrbeginn: Dezember 2024
  • Geplante Inbetriebnahme: 2029
  • Geplantes Investitionsvolumen: rund 90 Millionen Euro. Das Projekt wird aus den Mitteln der Umweltförderung des Klimaschutzministeriums, durch den Klima- und Energiefonds sowie die Europäische Investmentbank gefördert.

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