Abwärme aus Duschwasser : Wiener Gründerzeithaus spart bis zu 40 Prozent Energie für Warmwasser

Auf Besuch in der Fernkorngasse: Bernhard Kuhn, Vertretung Eigentümerschaft, Projektleiterin Felicitas Wettstein, Elke Hanel-Torsch, Stadträtin für Wohnen, Wohnbau, Stadterneuerung und Frauen, und Peter Hanke, Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (v.l.n.r.)

Auf Besuch in der Fernkorngasse: Bernhard Kuhn, Vertretung Eigentümerschaft, Projektleiterin Felicitas Wettstein, Elke Hanel-Torsch, Stadträtin für Wohnen, Wohnbau, Stadterneuerung und Frauen, und Peter Hanke, Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (v.l.n.r.)

- © BMIMI/Domnanovich

Anstatt warmes Duschabwasser ungenutzt im Kanal versickern zu lassen, wird die Wärme in der Wiener Fernkorngasse 41 zurückgewonnen. Das sanierte Gründerzeithaus aus 1914 diente als Pilotprojekt, in dem eine dezentrale Duschabwasserwärmerückgewinnung flächendeckend in allen Wohnungen des Wohngebäudes umgesetzt wurde. Die Technologie ermöglicht es, einen beträchtlichen Teil der bisher ungenutzten Energie aus dem Abwasser zurückzugewinnen und für die Warmwasserbereitung einzusetzen. 

Nicht in jeder Wohnung erfolgt die Wärmerückgewinnung auf die gleiche Weise: Drei Wohnungen sind mit separaten Rohren ausgestattet, während in den anderen 18 Wohnungen spezielle Duschrinnen dafür zuständig sind. Die Wärmerückgewinnung unterstützt dann die dezentralen Wohnungsstationen bei der Warmwasserbereitung. Dadurch kann der Energiebedarf für Warmwasser in einem gut sanierten Gebäude um 30 bis 40 Prozent reduziert werden. Projektleiterin Felicitas Wettstein vom Büro Schöberl & Pöll unterstreicht: „Die in allen Wohnungen eingebaute Duschabwasserwärmerückgewinnung macht dieses Projekt zu einem Vorzeigebeispiel für ressourcenschonende Sanierung im urbanen Raum."

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Geothermie-Sonden auf öffentlichem Raum

Ein weiterer Meilenstein ist das Geothermiekonzept des Gebäudes, das die dezentralen Gasthermen und -öfen abgelöst hat. Sechs Tiefensonden mit einer Tiefe von 130 bis 150 Metern versorgen das Haus gemeinsam mit 50-kW-Erdwärmepumpen fossilfrei mit Energie für Heizung, Kühlung und Warmwasser. Vier der Sonden wurden auf öffentlichem Grund errichtet – ein in Wien bislang selten realisierter Ansatz, der neue Perspektiven für die Nutzung von Erdwärme im dicht bebauten urbanen Raum eröffnet. 

Eine Photovoltaik-Anlage mit 10 kWp, außenliegender Sonnenschutz, passive Kühlung über die Fußbodenheizung, Bauteilaktivierung, eine begrünte Fassade und ein Cool-Space im Keller vollenden das erneuerbare Energiesystem. Dazu kommen ein Pufferspeicher mit Fassungsvermögen von 1.000 Litern für die Heizung und 1.500 Litern für Warmwasser

Damit das System effizient arbeiten kann, wurden die Straßen- und Hoffassaden thermisch saniert, die Kellerdecken gedämmt und die Fenster ausgetauscht. Der Heizwärmebedarf des Gebäudes reduzierte sich so von 123,3 kWh/m²a auf 26,4 kWh/m²a und damit um rund 78 Prozent. Stadträtin Elke Hanel-Torsch würdigt das Projekt als gelungenes Beispiel für die Verbindung von Denkmal- und Klimaschutz: „Dieses Projekt beweist eindrucksvoll, wie der historische Charakter eines Gründerzeithauses bewahrt und gleichzeitig ein wichtiger Beitrag zu klimafittem und leistbarem Wohnen geleistet werden kann." 

Nachhaltiges Gesamtkonzept

Neben dem Energiesystem setzt das Gebäude auf ein nachhaltiges Gesamtkonzept. An der Hoffassade wurden unter anderem Strohdämmung und Glaskugelputz eingesetzt. In einer Musterwohnung kamen Schafwolldämmung und Strohputzträgerplatten als ökologische Alternativen zu konventionellen Baustoffen zum Einsatz. Auch der Fußbodenaufbau wurde aus natürlichen und ressourcenschonenden Materialien hergestellt. Das Gebäude mit 1.516,7 Quadratmetern Nutzfläche erreicht nach allen Maßnahmen jetzt die Energieeffizienzklasse B.

Das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) hat das Projekt im Rahmen der Förderinitiative „Technologien und Innovationen für die klimaneutrale Stadt (TIKS)“ mit 500.000 Euro unterstützt. Das Land Wien hat die Sockelsanierung gefördert.

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