Heizungstausch und thermische Sanierung : Was wir nach der Budgetrede über die Zukunft der Sanierungsoffensive wissen
Das Doppelbudget für 2027 und 2028 steht fest und damit auch, wie es mit den Klimaförderungen weitergeht.
- © Parlamentsdirektion/Hertha HurnausIn seiner zweiten Budgetrede am 10. Juni macht Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) vor dem Nationalrat klar: Österreichs Sparkurs geht weiter. Bis 2028 sollen weitere 2,5 Milliarden Euro konsolidiert werden, um das öffentliche Defizit auf unter 3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu bringen. Ziel des Budgetentwurfs ist es, das EU-Verfahren wegen übermäßigen Defizits damit zu verlassen, am 10. Juli soll er beschlossen werden. Der Sparstift wird erneut auch im Bereich Klima angesetzt, wobei Marterbauer betont: „Klimaschutz ist Menschenschutz." Dringender Handlungsbedarf bestehe bei der Anpassung an die Folgen der Klimakrise und der Senkung der Treibhausgasemissionen.
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Änderungen im Förderwesen
Für die Untergruppe Umwelt, Klima und Kreislaufwirtschaft, zu der auch die Klimaförderungen zählen, sind im Budgetentwurf insgesamt 965 Millionen Euro für 2027 und 975 Millionen Euro für 2028 veranschlagt. 2027 sollen die Ausgaben im Vergleich zu 2026 (1,37 Mrd. Euro) um fast 30 Prozent sinken und 2028 gegenüber 2027 um ein Prozent steigen. Für die starke Differenz zwischen diesem und nächstem Jahr gibt es zwei primäre Gründe: Zum einen liegen die Ausgaben für die Sanierungsoffensive 2026 (684 Mio. Euro) aufgrund der Abarbeitung alter Förderzusagen des Programms "Raus aus Öl und Gas" noch weitaus höher als in den kommenden Jahren und zum anderen wird es eine Umstellung der Förderung von thermischen Sanierungen geben. An den veranschlagten neuen Mitteln von 360 Millionen Euro pro Jahr verändert sich damit grundsätzlich nichts, an der Verteilung schon.
Die Förderungen für die thermische und energetische Sanierung des Gebäudebestands, darunter die Sanierungsoffensive und "Sauber Heizen für Alle", sollen jedenfalls auch 2027 und 2028 fortgeführt werden. Für den Heizkesseltausch stehen 179 Millionen Euro an Budget für Investitionszuschüsse bereit, der Fördersatz wird von derzeit 30 auf 20 Prozent reduziert. Damit sollen rund 30.000 Heizungstäusche pro Jahr unterstützt werden. Auch "Sauber Heizen für Alle" wird fortgeführt.
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Auch für die thermische Sanierung sagt Marterbauer 181 Millionen an Förderungen zu, diese werden zukünftig jedoch in Form eines Finanzierungszuschusses ausbezahlt. Im Gegensatz zum bisherigen Investitionszuschuss würde der Staat so laufende Zinszahlungen für Kredite über einen längeren Zeitraum fördern, was wiederum das Budget entlastet. Wie diese Förderung ab 2027 genau ausgestaltet wird, nachdem seit Februar keine Anträge mehr für thermische Sanierung eingebracht werden können, ist noch unklar.
All das deckt sich mit den Detailzahlen des Budgets für den Unterposten und den Plänen aus der letzten Budgetrede: 2027 sind für die Sanierungsoffensive und "Sauber Heizen für Alle" 345 Millionen Euro und 2028 362 Millionen Euro im Budget veranschlagt. Finanziert werden die Förderungen auch durch Anpassung von Fördervolumina bei anderen Projekten, etwa im Bereich Umwelt und Kreislaufwirtschaft: So wird etwa die Geräte-Retter-Prämie mit Jahresende auslaufen. Zudem sollen klimaschädliche Subventionen und Steuerbegünstigungen verringert werden, wie der Finanzminister erklärte.
Unsere Installateur*innen und ihre Kund*innen brauchen Planungssicherheit, keine Förderpolitik im Jahrestakt.Andreas Rotter, Zukunftsforum SHL
Branche reagiert irritiert
Getrennte Fördertöpfe für thermische Sanierung und Heizungstausch, veränderte Fördersätze und Bezuschussung: Zwar bleibt das zugesagte Volumen von rund 360 Millionen Euro im Jahr bestehen, die Branche sieht jedoch Verbesserungsmöglichkeiten. An der Verringerung der Förderquote beim Heizkesseltausch stößt sich etwa der Dachverband Erneuerbare Energie Österreich. „Mit der damit erreichbaren jährlichen Tauschrate wird die Mehrheit der Haushalte noch lange in der Abhängigkeit von Öl- und Gasheizungen festsitzen. Damit also die notwendige Kontinuität für den Umstieg auf klimafreundliches Heizen gegeben ist, muss die Regierung umgehend weitere Maßnahmen ergreifen“, betont Geschäftsführerin Martina Prechtl-Grundnig.
Auch Roger Hackstock, Geschäftsführer von Austria Solar, hält die Senkung des Fördersatzes für problematisch, stattdessen solle das Gesamtbudget erhöht werden. Erheblich ungenutztes Potenzial in der Wärmewende gäbe es zudem bei ordnungspolitischen Maßnahmen. „Klare Regeln, verbindliche Standards und planbare Vorgaben können Investitionen auslösen, ohne den Staatshaushalt dauerhaft zu belasten“, so Hackstock. Das könnten etwa eindeutige Vorgaben für den Ausstieg aus Öl- und Gasheizungen sein, oder der Vorrang von Solarwärme bei der ab 2027 kommenden Solarpflicht – laut Hackstock alles sinnvolle Maßnahmen, die die Wärmewende voranbringen würden, ohne das Budget zu strapazieren.
Das Zukunftsforum SHL begrüßt die getrennten Fördertöpfe als Schritt in die richtige Richtung. Die Aufteilung auf zwei Töpfe allein werde den nächsten Förderstopp allerdings nicht verhindern, warnt der Verein vor einer weiteren Stop-and-Go-Förderpolitik. „Unsere Installateur*innen und ihre Kund*innen brauchen Planungssicherheit, keine Förderpolitik im Jahrestakt", betont Vereinsobmann und stellvertretender Bundesinnungsmeister Andreas Rotter. Das Zukunftsforum SHL pocht daher auf eine mehrjährige, dem tatsächlichen Bedarf entsprechende Finanzierung und flankierende Reformen im Miet-, Wohn- und Steuerrecht, die den Heizungstausch auch unabhängig von Förderungen ankurbeln.
"Altlasten" der alten Förderung abgearbeitet
Die Budgetunterlagen liefern aber nicht nur Anlass, in die Zukunft zu schauen, sondern auch aussagekräftige Zahlen zu den Vorjahren. 2025 markierte mit Auszahlungen in der Höhe von 1,6 Milliarden Euro etwa ein Allzeithoch für die thermisch-energetische Sanierung, ausschlaggebender Grund dafür war die alte Förderschiene "Raus aus Öl und Gas". Sie war Teil des "Erneuerbaren Wärmepakets", dessen für 2023 bis 2027 vorgesehene Mittel bereits Ende 2024 ausgeschöpft waren. Projekte mit Förderzusagen wurden seither schrittweise umgesetzt, das zeigt sich 2026 mit Auszahlungen von insgesamt 684 Millionen Euro. 2025 konnten so rund 67.400 fossile Heizungssysteme in Österreich getauscht werden, für 2026 wird mit rund 15.700 gerechnet. Ab 2027 sollen es jährlich 30.000 sein – ein Ziel, an dem anhand der niedrigeren Fördersätze freilich gezweifelt werden darf.
Damit sollten die letzten Altprojekte der Heizkesseltäusche also ausbezahlt sein. Eine andere Sache ist jedoch noch offen: „Die thermische Sanierung hat längere Umsetzungsfristen, jedoch kann derzeit nicht angegeben werden, wie viele der registrierten Projekte aus der Sanierungsoffensive 2023/24 erst 2027 abschließen und die Endabrechnung einreichen", liest sich im Budgetteilheft dazu. Ebenso offen ist außerdem die Frage, wie der Markt auf das baldige Aus der Fördermittel für 2026 reagieren wird.