Planer im Porträt: Andreas Glatzl : Die Kunst des Vorausdenkens

Planerportraet Andreas Glatzl

Andreas Glatzl, Geschäftsführer der MACH Energiegesellschaft

- © Soravia Adomo

„Jede Krise ist eine Chance“ und „im Nachhinein schauen Hürden immer kleiner aus“ – Andreas Glatzl eine positive Grunddisposition zuzuschreiben, ist nach einem kurzen Gespräch mit dem Geschäftsführer und Inhaber der MACH Energiegesellschaft m.b.H. nicht weit hergeholt. Das 2015 gegründete Unternehmen mit Zentrale in Wien vereint Ingenieurbüro mit einer Unternehmensberatung und einer Beteiligungsgesellschaft unter einem Dach. 

Als vor zehn Jahren eine strategische Veränderung beim vormaligen Arbeitgeber anstand, ergab sich die Möglichkeit, gewisse Projekte zu übernehmen und weiter zu betreuen. Glatzl ergriff sie und machte sich gemeinsam mit seinen damaligen Arbeitskollegen und heutigen Partnern Thomas Hartner und Christian Krischke selbständig. Inzwischen zählt die MACH Energiegesellschaft 24 Mitarbeitende, inklusive der bestehenden Beteiligungen an vier weiteren Unternehmen im Energie- und Gebäudemanagementbereich sind es rund 120 Personen. 

Eine Beteiligung hält die Mach Energiegesellschaft etwa an der 2017 mitgegründeten SEM Energie- und Gebäudemanagement GmbH, die das Errichten, Bauen und Betreiben der geplanten Energie- und Gebäudetechnikanlagen übernimmt. „Dort baden wir das, was wir konzeptionieren und quasi an Ideen generieren, auch selbst aus und setzen es um“, wie der studierte Diplomingenieur schmunzelnd ergänzt. Im Verbund mit der MACH Energiegesellschaft, die vor allem klassische Engineering-Leistungen und Unternehmensberatung anbietet, kann die Wertschöpfungskette – von der Konzeptionierung über die klassischen Planungsleistungen über die Umsetzung bis hin zur Betriebsführung – so gesamt oder modulweise aus einer Hand bedient werden. 

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Seefeld: Ortswärmenetz für Tourismusregion

Im Tiroler Seefeld erstreckt sich eines jener Langzeitprojekte, das die MACH Energiegesellschaft bei ihrer Gründung übernommen hat: Das dortige Ortswärmenetz umfasst heute über 30 Kilometer Fernwärmenetz und versorgt etwa 9.000 Nutzer*innen. Hier kümmert sich die MACH Energiegesellschaft „um die gesamte Management-Partie A bis Z“, vom Engineering über den Kraftwerksbetrieb bis hin zur Rechnungslegung. 

Den Startschuss machte ein Biomasseheizwerk, das inzwischen auch Strom produziert; zusätzlich speisen ein Wasserkraftwerk und zehn Photovoltaikanlagen in das Netz ein, das dynamisch weiterwächst. Energiegemeinschaften gibt es vor Ort ebenfalls. „Alles, was unter das Metier der ökologischen Energieversorgung fällt, das gibt es bei uns in Seefeld, um die Energie lokal, sinnvoll und bedarfsgerecht zu nutzen“, so Glatzl stolz über das Leuchtturmprojekt, das er selbst lieber als „Leuchtstern“ bezeichnet. 

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Das Ortswärmenetz Seefeld umfasst über 30 Kilometer Fernwärmenetz und versorgt etwa 9.000 Nutzer*innen. - © Ortswärme Seefeld

Da das Tiroler Hochfeldplateau eine beliebte Tourismusregion ist, kommt es zu Stoßzeiten bei der Energienutzung, die das Wärmenetz ebenfalls bedienen muss – klassisch etwa das Duschen vor dem Skifahren oder Wandern. Verschiedene Warmwasserspeicher mit insgesamt 500 Kubikmetern Fassungsvermögen sowie eine Ausfallreserve auf Gasbasis runden das Energienetz daher ab. Momentan forscht das Ingenieurbüro an der Integration von Stromspeichern ins Netz. 

Auch darüber hinaus spielt Forschung eine wichtige Rolle im Unternehmen – „rund 10 Prozent unserer Zeit fließen in Entwicklungs- und Forschungsprojekte“, wie Glatzl ausführt. Momentan ist die MACH Energiegesellschaft etwa Partner des FFG-Projekts „EWV4EnergieWende“, das konkrete Beiträge zur urbanen Energiewende am Beispiel der Immobilien des Evangelischen Waisenversorgungsvereins Wien erarbeitet.

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© Ortswärme Seefeld

Auch die Wiener Triiiple Towers finden sich im Projektportfolio der MACH Energiegesellschaft.

- © Soravia Adomo

Triiiple: Wärme und Kälte aus dem Donaukanal

Auch die Wiener Triiiple Towers finden sich im Projektportfolio der MACH Energiegesellschaft. Dort nutzt das Heiz- und Kühlsystem Wasser aus dem Donaukanal sowie aus fünf Grundwasserbrunnen des Begleitstroms. Das Versorgungskonzept basiert auf der Energieerzeugung mittels hocheffizienter Hochtemperatur-Wärme-Kältekopplungen und einer intelligenten Verschaltung von zwei Energiequellen. 

Für die Wärmeerzeugung wird die Energie für die Wärmepumpen überwiegend aus dem Donaukanal bezogen. Mittels eines Flusswasserentnahme-Bauwerks werden dem Donaukanal bis zu 1.000 m³ Wasser pro Stunde entnommen. Zusätzlich können aus den fünf Brunnen bis zu 180 m³ Grundwasser genutzt werden, um mittels Wärme-Kälte-Kopplung bedarfsgerechte Wärme- und Kälteenergie zu erzeugen. Da die Entnahmemenge im Vergleich zum gesamten Donaukanals so niedrig ist, ist der Temperaturunterschied bereits einige Meter nach der Rückführung nicht mehr nachweisbar. Im Winter, bei niedrigen Flusswassertemperaturen, werden die Grundwasserbrunnen als zusätzliche Wärmequelle genutzt. Die Ausführung der Wärmepumpen ermöglicht speziell in den Sommermonaten und in der Übergangszeit die Möglichkeit der gleichzeitigen Bereitstellung von Kühlenergie.

Wir sind keine Fantasten, die Luftballons nur aufsteigen und irgendwann platzen lassen. Es ist schon wichtig, auch zwei Füße am Boden zu haben.
Andreas Glatzl, MACH Energiegesellschaft

Innovation mit Bodenhaftung

Aber was bedeutet es für Glatzl nun eigentlich genau, Vorausdenker zu sein? „Es bedeutet, dass wir alle Fehler machen dürfen, nur dann denken die Leute frei und es entsteht Innovation.“ Wenn etwas dann nicht funktioniere, müsse man das ebenso klar kommunizieren. „Wir sind keine Fantasten, die Luftballons nur aufsteigen und irgendwann platzen lassen. Es ist schon wichtig, auch zwei Füße am Boden zu haben“, betont der Geschäftsführer – Innovation mit Bodenhaftung, quasi. 

Dabei hält er es mit dem Fliegen persönlich recht positiv: Aus dem Kindheitswunsch, Skispringer zu werden, wurde das Hobby Paragleiten. Aber auch Holz zählt zu Glatzls Passionen. „Ich habe eine kleine Werkstatt zu Hause und fälle das Holz, das wir zum Heizen und für die Werkstatt verwenden, selbst.“ Ob vom Wald in den Heizkeller oder vom Konzept in die Umsetzung: Vorausdenken ist eben manchmal Theorie, manchmal Technik – und bei Andreas Glatzl auch mal eine Frage des richtigen Werkzeugs in der Holzwerkstatt.