Kesseltausch & thermische Sanierung 2027 : Förderungen: Wie man es macht, ist es falsch
Als Ende 2024 die üppige „Gewessler-Förderung“ zu Ende und noch keine neue Förderschiene für Heizungstausch und Energiewende in Sicht war, da war sich die Branche ziemlich einig: Es braucht Planbarkeit und Stabilität. Lieber weniger Geld, dafür aber unbedingt Schluss mit dem dauernden Auf-und-Ab bei den Förderungen.
Sehr oft wurde der Wunsch nach degressiven Förderhöhen geäußert: Also mehr Geld am Anfang, samt der Perspektive dass es in jedem Jahr weniger wird, um Anreize zu setzen – die First-Mover sollten mehr belohnt werden als diejenigen, die sich mit der Heizungssanierung Zeit lassen. Und überhaupt, so das Credo der Branche, müsse man endlich diese lästige Abhängigkeit von den Förderungen beenden - aber das steht auf einem anderen Blatt.
Die im Herbst des Vorjahres für 2026 vorgestellte Förderschiene berücksichtigte die Wünsche der Heizungsbranche im Wesentlichen: 360 Mio. Euro pro Jahr für Kesseltausch und thermische Sanierung gemeinsam, fixiert für die gesamten vier ausständigen Jahre der Legislaturperiode, landeten im Fördertopf. Maximal 30 Prozent der Kosten pro Kesseltausch betrug die Förderhöhe.
Anfang Juni dieses Jahres wurde mit der Budgetrede des Finanzministers die Förderung für 2027 vorgestellt. Im kommenden Jahr stehen wieder die für die gesamte Legislaturperiode angekündigten 360 Mio. Euro pro Jahr zur Verfügung, diesmal sauber aufgeteilt auf zwei Töpfe: Einer für Kesseltausch, einer für thermische Sanierung.
Allerdings werden beim Kesseltausch nicht mehr 30 Prozent, sondern nur mehr 20 Prozent der Kosten einer Heizungssanierung übernommen – eine Degression nicht in der Gesamthöhe des Fördertopfs, aber in der Summe, die pro Projekt ausgeschüttet wird.
Die Reaktionen der letzten Wochen: großteils empört. Von einem Kaputtsparen der Heizungsbranche war die Rede, von einer Vernichtung der Arbeitsplätze, die Energiewende werde so an die Wand gefahren, und Rufe nach einer neuen, endlich stabilen und langfristig planbaren Förderpolitik wurden wieder einmal laut.
Hm.
Also ich hätte auch ein paar Einwände, sowohl zu Details der Ausgestaltung als vor allem auch was die fehlenden Begleitmaßnahmen und ein paar grundsätzliche Fragen drumherum anbelangt. So wird etwa das Miet-, Wohn- und Eigentumsrecht weiterhin nur höchst zögerlich und unverbindlich angegriffen - obwohl klar ist, dass hier der größte Hebel für die Energiewende im Mehrfamilienhaus liegt (Stichwort Duldungspflichten und Heizungsabrechnung). Auch fehlt wieder jeglicher verbindlicher Umstiegspfad für die Wärmewende: Es bleibt bei unverbindlichen Absichtserklärungen und sich laufend verändernden Roadmap-Zielen, ohne diese verbindlich festzuzurren.
Aber derzeit scheint es so, als sei die Förderpolitik in Sachen Kesseltausch den Forderungen der Branche gefolgt: Langfristige Stabilität, Planbarkeit und Degression der Förderhöhe. Für die Klimaschutz-Maßnahme Kesseltausch, für „Raus aus Öl und Gas“ in Richtung Erneuerbare, für thermische Sanierungsmaßnahmen stehen 2027 wieder 360 Mio. Euro an Fördergeldern zur Verfügung – trotz Sparpaket und Kürzungen allüberall.
Wenn der Heizungsmarkt noch immer schleppend läuft, hat das mehr mit den „Entzugserscheinungen“ nach der Überdosis an Förderungen 2024 zu tun als mit fehlender Stabilität in der Förderpolitik: Die scheint jetzt nämlich da zu sein. Leben wir damit!